In einfachen WortenEine Harnleiterschiene ist ein dünner, weicher Kunststoffschlauch. Er wird von der Blase aus nach oben in die Niere gelegt und hält den Weg für den Urin offen. An beiden Enden rollt er sich zu einer Schlaufe ein, damit er nicht verrutscht. Daher der Name Doppel-J.Weiterlesen

Nötig wird er, wenn der Urin nicht abfließen kann, meist wegen eines Steins, oder nach einer Operation an den Harnwegen, damit alles in Ruhe abheilt.

Die meisten Menschen spüren die Schiene. Häufiger Harndrang, Brennen, etwas Blut im Urin und ein Ziehen in der Flanke beim Wasserlassen sind normal und kein Zeichen dafür, dass etwas schiefgeht. Fieber über 38,5 Grad oder Schüttelfrost dagegen schon: dann sofort in die Klinik.

Eine Schiene darf nicht unbegrenzt liegen bleiben, weil sie verkrustet und dann schwer zu entfernen ist. Notieren Sie sich den Termin für die Entfernung und den Typ der Schiene, am besten schriftlich, und nehmen Sie beides auf Reisen mit.

Das Wichtigste für den Alltag

Die meisten spüren die Schiene. Häufiger Harndrang, ein Ziehen in der Flanke beim Wasserlassen und etwas Blut im Urin sind normal. Sie sagen nichts darüber aus, ob die Schiene richtig liegt.

Schlafen: Jede Schlafposition ist erlaubt, die Schiene kann durch Liegen nicht verrutschen. Gegen nächtlichen Harndrang hilft es, die letzte größere Trinkmenge zwei bis drei Stunden vor dem Zubettgehen zu trinken.

Arbeit und Heben: Bürotätigkeit ist meist nach wenigen Tagen wieder möglich. Eine feste Gewichtsgrenze gibt es nicht, leichte Alltagslasten sind in Ordnung. Schweres Heben und Tragen sollte bis nach der Entfernung warten.

Sport: Spazierengehen, ruhiges Radfahren auf kurzen, ebenen Strecken und Schwimmen sind meist möglich. Joggen, Springen, Krafttraining und Kontaktsport pausieren Sie besser bis zur Entfernung.

Stuhlgang: Die Schiene wirkt nicht direkt auf den Darm. Verstopfung kommt eher von Schmerzmitteln und weniger Bewegung.

Entfernung: In der Regel ambulant und ohne Narkose, mit einem betäubenden Gleitgel. Der eigentliche Zug dauert wenige Sekunden, danach brennt es einige Stunden beim Wasserlassen. Notieren Sie sich den Termin, denn die Schiene darf nicht unbegrenzt liegen bleiben.

Sofort in die Klinik bei Fieber über 38,5 Grad oder Schüttelfrost, Flankenschmerzen, die trotz Schmerzmittel stark zunehmen, oder wenn Sie gar keinen Urin mehr lassen können. Mehr dazu unter Komplikationen und Warnzeichen.

Komplikationen und Warnzeichen

Die meisten Probleme unter Stent sind lästig, aber ungefährlich. Einige sind es nicht.

Sofort in die Notaufnahme, wenn: Fieber über 38,5 Grad oder Schüttelfrost auftreten. Die Flankenschmerzen trotz Schmerzmittel stark zunehmen. Sie gar keinen Urin mehr lassen können. Sie verwirrt sind, sehr schnell atmen oder kreislaufschwach werden. Der Urin stark blutig ist und Blutkoagel enthält. Diese Zeichen sprechen für einen infizierten Harnstau, der eine sofortige Behandlung braucht.

Harnwegsinfekt und Urosepsis. Jeder Fremdkörper im Harntrakt wird binnen weniger Wochen von Bakterien besiedelt. Ein bloßer Bakteriennachweis im Urin ohne Beschwerden ist unter Stent normal und wird nicht behandelt. Kommt jedoch Fieber hinzu, ist die Lage anders: Ein Infekt hinter einem geschienten oder gestauten Harntrakt kann innerhalb von Stunden in eine Urosepsis übergehen.

Dislokation. Der Stent rutscht nach oben in die Niere oder nach unten in die Blase. Beides erfordert eine Korrektur, ist aber kein Notfall, solange der Abfluss gesichert ist.

Verkrustung und Fragmentierung. Beides hängt von der Liegedauer ab, siehe Wie lange darf ein Stent liegen bleiben?

Überblick

Ein Doppel-J-Stent (kurz DJ-Stent, auch JJ-Stent, Harnleiterschiene oder Ureterschiene genannt) ist ein dünner, flexibler Kunststoffschlauch, der im Harnleiter zwischen Nierenbecken und Blase liegt. Beide Enden sind zu einem J beziehungsweise einer Ringelschwanz-Locke gebogen: Das obere J verankert sich im Nierenbecken, das untere in der Blase. Diese Krümmungen verhindern, dass der Stent nach oben oder unten wandert. Über seine gesamte Länge trägt der Schlauch seitliche Löcher, durch die der Urin ein- und austreten kann. Die Gesamtlänge liegt bei 24 bis 30 Zentimetern, der Schaft ist etwa so dick wie eine Spaghetti.

Doppel-J-Stent zwischen Nierenbecken und Blase, beide Enden zu einer Schlaufe gerollt
Die Schiene liegt im Harnleiter zwischen Nierenbecken und Blase. Die Schlaufen an beiden Enden verhindern, dass sie wandert.
Illustration: UroWissen, KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft.
60 bis 80 Prozent
spüren den Stent deutlich
4,7-7 Ch
üblicher Durchmesser
30 Sek.
dauert die Entfernung
6 Mon.
übliche Wechselfrist

Der DJ-Stent ist eines der meistverwendeten Hilfsmittel der Urologie. Er heilt nichts, und das ist der wichtigste Punkt zum Verständnis: Er überbrückt eine Engstelle oder schützt eine frische Naht, bis das eigentliche Problem behoben ist. Ein Stent ist deshalb fast immer eine Zwischenlösung mit geplantem Ende, kein Dauerzustand. Genau deshalb gehört zu jeder Einlage von Anfang an ein Entfernungstermin.

Alltag mit DJ-Stent: häufige Fragen

Eine bestimmte Schlafposition ist nicht vorgeschrieben, die Schiene kann durch Liegen nicht verrutschen. Viele merken, dass die Beschwerden nachts nachlassen, weil im Liegen weniger Druck auf die Blase wirkt. Den Schlaf stört eher der häufige Harndrang. Es hilft, vor dem Schlafen die Blase zu leeren, die letzte größere Trinkmenge zwei bis drei Stunden vor dem Zubettgehen zu trinken und bei Bedarf nach Rücksprache ein Schmerzmittel oder ein Blasenmedikament zur Nacht zu nehmen. Viele schlafen in der ersten Woche schlechter, danach gewöhnt sich die Blase. Sind die Flankenschmerzen nachts stärker als tagsüber, sprechen Sie das an: Dahinter kann ein Rückfluss von Urin ins Nierenbecken stecken.

Eine feste Gewichtsgrenze gibt es nicht, sie steht auch in keiner Leitlinie. Heben ist nicht verboten. Beim Anstrengen mit Bauchpresse steigt aber der Druck im Bauchraum, Urin wird über die Schiene kurz zum Nierenbecken zurückgedrückt. Das verstärkt Flankenschmerz und Blut im Urin. Leichte Alltagslasten sind deshalb in Ordnung, schweres Heben und Tragen sollte bis nach der Entfernung warten. Danach entfällt die Beschränkung, sofern nicht operiert wurde.

Leichte Bewegung wie Spazierengehen, ruhiges Radfahren und Schwimmen ist möglich und sogar sinnvoll. Pausieren sollten Sie alles mit Erschütterung oder starker Rumpfbelastung: Laufen, Springen, Krafttraining, Kontaktsport. Diese Belastungen verstärken Blutung und Schmerz und können in seltenen Fällen dazu führen, dass die Schiene verrutscht. Nach der Entfernung bestehen keine Einschränkungen mehr.

Radfahren ist erlaubt, am besten auf kurzen, ebenen Strecken. Erschütterung und Sattel verstärken Drang und Blut im Urin, längere Touren und Geländefahrten sind deshalb eher ungünstig. Halten Sie die erste Fahrt kurz und achten Sie darauf, wie der Körper reagiert. Schwimmen ist möglich, sobald keine Blutung besteht, denn die Schiene liegt vollständig im Körper.

Bei jedem Schritt bewegt sich die Niere minimal und das untere Ende der Schiene reibt an der Blasenwand. Spazierengehen bleibt trotzdem erlaubt, Joggen verschieben Sie besser auf die Zeit nach der Entfernung. Schwimmen und Radfahren auf dem Heimtrainer sind meist besser verträglich.

Bürotätigkeit ist meist nach wenigen Tagen wieder möglich. Körperlich schwere Arbeit mit Heben, Tragen oder Erschütterung führt regelmäßig zu Blutungen und stärkeren Schmerzen und rechtfertigt eine Krankschreibung für die gesamte Liegedauer.

Der Stent hält die Harnleitermündung offen und schaltet damit den natürlichen Rückflussschutz aus. Beim Wasserlassen steigt der Blasendruck und ein Teil des Urins wird entlang der Schiene bis ins Nierenbecken zurückgedrückt. Das erzeugt den typischen ziehenden Flankenschmerz. Er ist ungefährlich. Es hilft, entspannt und ohne Pressen zu urinieren und die Blase nicht bis zur Maximalfüllung zu halten.

Eine leichte Rotfärbung gehört zum liegenden Stent dazu. Sie entsteht durch Reibung an der Schleimhaut und kann die ganze Liegezeit über immer wieder auftreten, vor allem nach Bewegung. Ausreichend trinken verdünnt es. Abklären lassen sollten Sie dunkelroten Urin mit Blutklumpen, Blut mit Fieber oder Urin, der gar nicht mehr klar wird. Können Sie plötzlich kein Wasser mehr lassen, gehen Sie sofort in die Klinik.

Direkt nicht, sie liegt vollständig in den Harnwegen. Indirekt kann es zu Verstopfung kommen, weil Schmerzmittel den Darm träge machen und viele sich weniger bewegen. Das lässt sich mit ausreichend Trinken, Bewegung und bei Bedarf einem milden Abführmittel gut steuern.

Ja, er kann aber unangenehm sein. Bei Frauen liegt das untere Stentende in unmittelbarer Nachbarschaft zur vorderen Scheidenwand. Blut im Urin danach ist harmlos.

Fliegen ist ohne Einschränkung möglich. Die meisten Harnleiterschienen bestehen aus Kunststoff und sind im MRT unbedenklich. Einzelne Modelle enthalten metallische Anteile, etwa an den Enden. Nennen Sie in der Radiologie den Stenttyp, dann lässt sich das vorher klären. Wer ins Ausland reist, sollte den Entfernungstermin und den Stenttyp schriftlich mitführen.

Unangenehm, aber sehr kurz. Vorher wird ein Gleitgel mit örtlicher Betäubung in die Harnröhre eingebracht. Der eigentliche Zug dauert wenige Sekunden und wird meist als unangenehmes Ziehen beschrieben, nicht als Schmerz. Der gesamte Vorgang dauert etwa eine halbe Minute, für viele ist die Blasenspiegelung davor das Unangenehmere. Danach brennt es einige Stunden beim Wasserlassen und der Urin kann leicht blutig sein. Die meisten Patienten beschreiben die Erleichterung danach als deutlich größer als die kurze Unannehmlichkeit.

Ein bis drei Tage Brennen und Drang sind normal. Bei manchen tritt in den ersten ein bis zwei Tagen noch ein kolikartiger Flankenschmerz auf. Ursache ist eine kurze Schwellung der Harnleiterschleimhaut an der Stelle, an der das Stentende lag. Außerdem muss sich der wochenlang gedehnte Harnleiter erst wieder zusammenziehen. Das ist meist harmlos und klingt von selbst ab. Schmerzen, die nach drei Tagen nicht besser werden, oder Fieber müssen abgeklärt werden.

Melden Sie sich umgehend bei Ihrem Urologen, auch wenn Sie beschwerdefrei sind. Wenige Wochen Verzögerung sind meist unkritisch. Ab mehreren Monaten steigt das Risiko, dass der Stent verkrustet und nicht mehr in einem einfachen Eingriff entfernt werden kann. Beschwerdefreiheit ist kein Zeichen dafür, dass alles in Ordnung ist: Gerade verkrustete Stents machen oft lange keine Symptome.

Beides kommt vor. Ob eine ambulante Einlage infrage kommt, hängt vom Anlass ab: Bei einer Kolik mit Infektzeichen oder eingeschränkter Nierenfunktion wird stationär behandelt.

Ja. Nach einer Blasenentfernung mit Urostoma liegen vorübergehend Schienen in den Harnleitern, die durch das Stoma nach außen führen. Sie werden nach etwa ein bis drei Wochen gezogen, meist ohne Narkose. Die Beutelversorgung erfolgt in dieser Zeit wie gewohnt, die Schienen laufen einfach mit in den Beutel.

Typische Beschwerden unter liegendem Stent

Ein DJ-Stent ist ein Fremdkörper, der zwei sehr empfindliche Regionen berührt: das Nierenbecken und den Blasenboden. Zwischen 60 und 80 Prozent aller Patienten spüren ihn deutlich. Das ist die Regel, nicht die Ausnahme, und es sagt nichts darüber aus, ob der Stent richtig liegt.

Häufiger Harndrang und häufiges Wasserlassen. Das untere Stentende reizt das Blasendreieck, eine besonders nervenreiche Zone. Die Blase meldet Füllung, obwohl sie kaum gefüllt ist.

Flankenschmerz beim Wasserlassen. Beim Pressen steigt der Blasendruck, und weil der Stent den natürlichen Verschlussmechanismus der Harnleitermündung offen hält, wird Urin entlang der Schiene bis ins Nierenbecken zurückgedrückt. Dieser Reflux erzeugt einen kurzen, ziehenden Schmerz in der Nierengegend. Er ist unangenehm, aber ungefährlich.

Blut im Urin. Meist leicht und wechselnd, verstärkt durch Bewegung, langes Stehen oder Sport. Die Stentenden scheuern an der Schleimhaut.

Schmerzen im Unterbauch, in der Leiste oder im Hoden. Die Nervenversorgung des Harnleiters strahlt dorthin aus, weshalb der Schmerz oft nicht dort gefühlt wird, wo der Stent liegt.

Das Ausmaß der Beschwerden schwankt stark und lässt sich nicht vorhersagen. Für die Forschung wurde eigens ein standardisierter Fragebogen entwickelt, der Ureteral Stent Symptom Questionnaire, weil die subjektive Belastung sich als der wichtigste Faktor für die Lebensqualität unter Stent erwiesen hat.

Was gegen die Beschwerden hilft

Die Beschwerden lassen sich in den meisten Fällen deutlich lindern, auch wenn sie selten ganz verschwinden.

Alpha-Blocker. Tamsulosin 0,4 Milligramm täglich entspannt die glatte Muskulatur von Harnleiter, Blasenhals und Prostata. Mehrere Metaanalysen belegen eine messbare Reduktion von Schmerz und Drangsymptomatik unter liegendem Stent. Das ist die wirksamste medikamentöse Einzelmaßnahme und in der Alpha-Blocker-Therapie gut etabliert.

Anticholinergika oder Beta-3-Agonisten. Substanzen wie Solifenacin dämpfen den Blasenmuskel und wirken vor allem gegen Drang und häufiges Wasserlassen. Die Kombination mit einem Alpha-Blocker ist wirksamer als jede Substanz allein.

Schmerzmittel. Nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen oder Diclofenac wirken beim Stentschmerz besser als reine Analgetika, weil sie zusätzlich die Schleimhautschwellung dämpfen. Bei eingeschränkter Nierenfunktion ist Vorsicht geboten, hier ist Metamizol oft die bessere Wahl.

Krampflöser. Butylscopolamin lindert kolikartige Anteile, wirkt aber beim reinen Stentreiz weniger zuverlässig als oft angenommen.

Trinkmenge und Verhalten. Ausreichend trinken, aber nicht exzessiv: Sehr große Trinkmengen erhöhen den Reflux und damit den Flankenschmerz. Die Blase regelmäßig und ohne Pressen entleeren. Wärme auf der Flanke wird von vielen als angenehm empfunden.

Wie lange darf ein Stent liegen bleiben?

Die Liegedauer richtet sich nach dem Grund der Einlage.

Nach unkomplizierter Harnleiterspiegelung genügen meist wenige Tage bis zwei Wochen. Nach Steinentfernung mit Schleimhautverletzung sind ein bis vier Wochen üblich. Nach Nierenbeckenplastik oder Harnleiterneueinpflanzung wird der Stent vier bis sechs Wochen belassen, damit die Naht sicher abheilt. Bei Tumorkompression von außen bleibt der Stent dauerhaft, wird dann aber regelmäßig gewechselt.

Entscheidend ist die vom Hersteller angegebene Standzeit. Sie liegt je nach Material zwischen drei und zwölf Monaten, bei den gängigen Modellen bei etwa sechs Monaten. Wird sie überschritten, steigt das Risiko für Verkrustung, Materialbruch und Verlust der Nierenfunktion erheblich. In der Schwangerschaft und bei Patienten mit hoher Steinbildungsrate muss deutlich früher gewechselt werden, teils alle vier bis sechs Wochen, weil der Urin schneller Kristalle auf dem Stent ablagert.

Der vergessene Stent

Das wichtigste vermeidbare Risiko: Ein Stent, der über die vorgesehene Zeit hinaus liegen bleibt, verkrustet mit Harnsalzen. Er kann dann nicht mehr einfach gezogen werden, sondern erfordert mehrere Eingriffe mit Laser oder Stoßwelle, gelegentlich sogar eine offene Operation. Im Extremfall geht die betroffene Niere verloren. Notieren Sie sich den Entfernungstermin schriftlich, tragen Sie ihn in den Kalender ein und erinnern Sie aktiv daran, wenn Sie zwei Wochen vor dem Termin nichts gehört haben.

Vergessene Schienen entstehen fast nie durch die Nachlässigkeit eines Einzelnen. Sie entstehen an den Übergängen:

  • Eingelegt wird in der Klinik, entfernt werden soll ambulant
  • Der Entlassbrief kommt verspätet oder gar nicht an
  • Der Patient zieht um oder wechselt die urologische Praxis
  • Die Beschwerden lassen nach und er hält die Sache für erledigt

Genau deshalb ist der Patient selbst der zuverlässigste Merkposten im System. Viele Kliniken führen inzwischen Stentregister mit automatischer Erinnerung.

Die Entfernung

Es gibt zwei Wege.

Zystoskopisch. Der Standard. Ambulant, ohne Narkose, mit einem flexiblen Zystoskop und Gleitgel mit Lokalanästhetikum. Der Stent wird mit einer Fasszange gegriffen und in einem Zug herausgezogen. Der Vorgang dauert buchstäblich etwa 30 Sekunden. Er ist unangenehm, der eigentliche Zug ist aber kürzer als das Einführen des Instruments. Danach brennt es für einige Stunden beim Wasserlassen, und der Urin kann kurzzeitig blutig sein.

Über einen Faden. Bei kurzer geplanter Liegedauer kann der Stent mit einem Rückholfaden eingelegt werden, der aus der Harnröhre heraushängt und außen fixiert wird. Der Patient zieht den Stent nach Anweisung selbst, meist nach wenigen Tagen. Studien zeigen, dass das die Beschwerdedauer verkürzt und keine erhöhte Infektionsrate mit sich bringt. Der Faden kann allerdings selbst stören, und es besteht das Risiko, den Stent versehentlich zu früh zu ziehen.

Interessant: Nach der Entfernung tritt bei einem Teil der Patienten noch einmal für ein bis zwei Tage ein kolikartiger Flankenschmerz auf. Die Ursache ist eine kurzzeitige Schwellung der Harnleiterschleimhaut an der Stelle, an der das Stentende lag. Das ist harmlos und klingt von selbst ab, wird aber oft für ein Wiederauftreten des ursprünglichen Problems gehalten.

Warum ein DJ-Stent eingelegt wird

Die Gründe für eine Harnleiterschiene lassen sich in drei Gruppen einteilen.

Harnstau mit erweitertem Nierenbecken
Staut sich der Urin zurück, weiten sich Nierenbecken und Kelche. Die Schiene stellt den Abfluss wieder her, bevor die Niere Schaden nimmt.
Illustration: Servier Medical Art, lizenziert unter CC BY 4.0, Beschriftung UroWissen.

Erstens: Die Abflussstörung. Ein Harnleiterstein, ein Blutkoagel, eine narbige Enge oder ein Tumor blockieren den Urinabfluss. Der Urin staut sich in die Niere zurück, es entsteht eine Hydronephrose. Bleibt das unbehandelt, verliert die Niere Funktion, im schlimmsten Fall dauerhaft. Der Stent stellt den Abfluss sofort wieder her, auch wenn die Ursache selbst noch besteht.

Zweitens: Der Schutz nach einem Eingriff. Nach einer Harnleiterspiegelung mit Laserlithotripsie ist die Schleimhaut des Harnleiters gereizt und schwillt an. Der Stent hält den Weg offen, bis die Schwellung abgeklungen ist. Nach einer Nierenbeckenplastik oder einer Harnleiterneueinpflanzung schient er zusätzlich die frische Nahtreihe, damit sie dicht abheilt und sich keine neue Enge bildet.

Drittens: Die Vorbereitung. Vor einer geplanten Stoßwellenlithotripsie großer Nierensteine kann ein Stent eingelegt werden, damit die entstehenden Bruchstücke nicht als sogenannte Steinstraße den Harnleiter verlegen. Auch vor manchen Bauchoperationen werden die Harnleiter geschient, damit der Operateur sie besser tasten und schonen kann.

Ein Sonderfall ist die Schwangerschaft. Der wachsende Uterus und der hormonell bedingt weitgestellte Harnleiter führen häufig zu einem Harnstau, der meist harmlos ist. Kommt es aber zu Schmerzen, Infektion oder Fieber, ist der Stent das schonendste Mittel der Wahl, weil er ohne Röntgen unter Ultraschallkontrolle eingelegt werden kann.

Die Einlage: Ablauf und Narkose

Die Einlage erfolgt in aller Regel retrograd, also von unten über die Harnröhre. Der Eingriff findet in Kurznarkose oder Spinalanästhesie statt und dauert für sich genommen fünf bis zehn Minuten. Über ein Zystoskop wird die Harnleitermündung in der Blase aufgesucht, ein dünner Führungsdraht bis ins Nierenbecken vorgeschoben und der Stent darüber eingefädelt. Die Kontrolle der Lage erfolgt per Röntgendurchleuchtung, bei Schwangeren per Ultraschall.

Häufig wird der Stent im Rahmen eines größeren Eingriffs eingelegt, etwa am Ende einer Harnleiterspiegelung. Dann fällt keine zusätzliche Narkose an. Ist der Harnleiter so verlegt, dass er von unten nicht passierbar ist, oder ist der Patient bei einer Urosepsis zu instabil für eine Narkose, wird stattdessen eine Nierenfistel gelegt.

Nach der Einlage bleiben die meisten Patienten wenige Stunden bis einen Tag in Beobachtung. Blut im Urin in den ersten Tagen ist normal und kein Grund zur Sorge, ebenso ein Ziehen in der Flanke.

Aufbau, Material und Größe

DJ-Stents bestehen meist aus Polyurethan, Silikon oder speziellen Kunststoffmischungen wie Percuflex. Silikon ist besonders weich und wird oft besser vertragen, ist aber schwieriger einzulegen. Polyurethan ist stabiler, neigt jedoch stärker zur Verkrustung. Viele moderne Stents tragen eine hydrophile Beschichtung, die sich bei Kontakt mit Urin glitschig macht und die Anlagerung von Bakterien und Kristallen verzögert.

Die Stärke wird in Charrière angegeben (Ch, international auch French oder Fr). Ein Charrière entspricht einem Drittel Millimeter. Üblich sind 4,7 bis 7 Ch, also etwa 1,6 bis 2,3 Millimeter Außendurchmesser. Dünnere Stents verursachen tendenziell weniger Beschwerden, verstopfen aber leichter. Die Länge liegt bei Erwachsenen meist zwischen 24 und 30 Zentimetern und richtet sich nach der Körpergröße beziehungsweise der gemessenen Harnleiterlänge.

Interessant: Ein DJ-Stent leitet den Urin nicht hauptsächlich durch sein Inneres. Ein erheblicher Teil fließt außen am Stent entlang, im Spalt zwischen Schlauch und Harnleiterwand. Deshalb funktioniert ein Stent auch dann noch, wenn sein Lumen längst verstopft ist, und deshalb bringt ein dickerer Stent nicht automatisch mehr Abfluss.

DJ-Stent oder Nierenfistel?

Bei einem infizierten Harnstau muss der Urin dringend abgeleitet werden. Dafür gibt es zwei gleichwertige Optionen: den DJ-Stent von innen oder die perkutane Nephrostomie, umgangssprachlich Nierenfistel, bei der ein Katheter durch die Haut direkt ins Nierenbecken gelegt wird.

Eine randomisierte Vergleichsstudie konnte keinen Überlebens- oder Erfolgsunterschied zeigen, beide Verfahren entlasten die Niere zuverlässig. Die Wahl richtet sich deshalb nach der Situation. Für die Nierenfistel spricht, dass sie in örtlicher Betäubung ohne Narkose möglich ist, dass der Urin direkt beurteilt und abgeleitet wird und dass sie auch bei komplett verlegtem Harnleiter funktioniert. Für den DJ-Stent spricht, dass nichts von außen sichtbar bleibt, kein Beutel getragen werden muss und der Alltag weniger eingeschränkt ist. Bei instabilen, septischen Patienten fällt die Entscheidung häufig zugunsten der Nierenfistel.

Muss nach jeder Harnleiterspiegelung ein Stent liegen?

Nein, und das ist eine der klarsten Aussagen der aktuellen Leitlinien. Nach unkomplizierter Harnleiterspiegelung ohne Schleimhautverletzung, ohne Restfragmente und ohne Enge ist eine Schienung nicht zwingend erforderlich. Eine große Metaanalyse zeigte, dass nicht geschiente Patienten weniger Reizsymptome haben, weniger Schmerzmittel benötigen und schneller in den Alltag zurückkehren, ohne dass Komplikationen häufiger auftreten.

Eingelegt wird die Schiene dagegen in diesen Fällen:

  • Der Harnleiter ist verletzt oder stark gereizt
  • Es sind Steinreste zurückgeblieben
  • Es ist nur eine Niere vorhanden
  • Es liegt eine Infektion vor
  • Die Patientin ist schwanger
  • Der Eingriff war schwierig und hat lange gedauert

Wenn Ihnen eine Schiene angekündigt wird, ist die Frage nach dem Grund also berechtigt. Jeder Operateur kann sie beantworten.

Fragen an meinen Arzt

Wenn eine Harnleiterschiene eingelegt wurde oder werden soll:

Warum ist die Schiene bei mir nötig?
Wie lange soll sie liegen bleiben?
Wann genau ist der Termin zum Wechsel oder zur Entfernung?
Welche Beschwerden sind normal, und welche nicht?
Was hilft gegen das Ziehen in der Flanke beim Wasserlassen?
Wie wird die Schiene entfernt, und tut das weh?
Was passiert, wenn ich den Termin verpasse?
Tipp: Über den Knopf „Drucken“ oben können Sie diese Liste ausdrucken und zum Termin mitnehmen.
116.370
Schienen neu eingelegt 2025
So häufig im Krankenhaus
Genauer: 116.370 Einlagen und 71.395 Wechsel, dazu 33.425 Entfernungen. Damit ist die Harnleiterschiene die häufigste Maßnahme im stationären urologischen Alltag, häufiger als jede einzelne Operation. Ergänzend kamen 18.099 Nierenfistel-Anlagen durch die Flanke.
Stationäre Fälle der Fachabteilung Urologie 2025. Ambulante Behandlungen und andere Fachabteilungen sind nicht enthalten. Quelle: Urologie in Zahlen
Zahlen dazu: Wir haben die deutschen Klinikdaten ausgewertet, wie oft Harnsteine stationär behandelt werden und warum die Zahlen seit 2024 anders zu lesen sind. Zur Auswertung →
War dieser Artikel hilfreich?
Ihre Rückmeldung hilft uns, die Inhalte zu verbessern.

Quellen

Leitlinien

• European Association of Urology. EAU Guidelines on Urolithiasis. Ausgabe 2025.

• Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU). S2k-Leitlinie Urolithiasis, Diagnostik, Therapie und Metaphylaxe. AWMF-Register-Nr. 043-025.

• European Association of Urology. EAU Guidelines on Urological Infections. Ausgabe 2025.

Studien

• Joshi, H. B. et al. Ureteral stent symptom questionnaire: development and validation of a multidimensional quality of life measure. Journal of Urology, 2003;169(3):1060-1064. PMID 12576846

• Pearle, M. S. et al. Optimal method of urgent decompression of the collecting system for obstruction and infection due to ureteral calculi. Journal of Urology, 1998;160(4):1260-1264. PMID 9751331

• Barnes, K. T. et al. Do ureteric stent extraction strings affect stent-related quality of life or complications after ureteroscopy for urolithiasis: a prospective randomised control trial. BJU International, 2014;113(4):605-609. doi:10.1111/bju.12541 PMID 24765679

• Sali, G. M., Joshi, H. B. (2020). Ureteric stents: overview of current clinical applications and economic implications. International Journal of Urology, 27(1), 7-15. doi:10.1111/iju.14119 PMID 31549458

Reviews

• Nabi, G. et al. Outcomes of stenting after uncomplicated ureteroscopy: systematic review and meta-analysis. BMJ, 2007;334(7593):572. PMID 17311851

• Lamb, A. D. et al. Meta-analysis showing the beneficial effect of alpha-blockers on ureteric stent discomfort. BJU International, 2011;108(11):1894-1902. PMID 21453351

• Haleblian, G. et al. Ureteral stenting and urinary stone management: a systematic review. Journal of Urology, 2008;179(2):424-430. PMID 18076928

• Betschart, P. et al. Prevention and treatment of symptoms associated with indwelling ureteral stents: A systematic review. International Journal of Urology, 2017;24(4):250-259. PMID 28236323

Verwandte Artikel

Nächste Schritte

⚠️ Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer einen Facharzt für Urologie. Die Inhalte wurden sorgfältig auf Basis aktueller Leitlinien und Fachliteratur erstellt, eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität kann nicht übernommen werden. Keine Haftung für Schäden durch Selbstmedikation. Letzte inhaltliche Überarbeitung: August 2026.