In einfachen WortenEine Harnleiterschiene ist ein dünner, weicher Kunststoffschlauch. Er wird von der Blase aus nach oben in die Niere gelegt und hält den Weg für den Urin offen. An beiden Enden rollt er sich zu einer Schlaufe ein, damit er nicht verrutscht. Daher der Name Doppel-J.Weiterlesen
Nötig wird er, wenn der Urin nicht abfließen kann, meist wegen eines Steins, oder nach einer Operation an den Harnwegen, damit alles in Ruhe abheilt.
Die meisten Menschen spüren die Schiene. Häufiger Harndrang, Brennen, etwas Blut im Urin und ein Ziehen in der Flanke beim Wasserlassen sind normal und kein Zeichen dafür, dass etwas schiefgeht. Fieber über 38,5 Grad oder Schüttelfrost dagegen schon: dann sofort in die Klinik.
Eine Schiene darf nicht unbegrenzt liegen bleiben, weil sie verkrustet und dann schwer zu entfernen ist. Notieren Sie sich den Termin für die Entfernung und den Typ der Schiene, am besten schriftlich, und nehmen Sie beides auf Reisen mit.
Das Wichtigste für den Alltag
Die meisten spüren die Schiene. Häufiger Harndrang, ein Ziehen in der Flanke beim Wasserlassen und etwas Blut im Urin sind normal. Sie sagen nichts darüber aus, ob die Schiene richtig liegt.
Schlafen: Jede Schlafposition ist erlaubt, die Schiene kann durch Liegen nicht verrutschen. Gegen nächtlichen Harndrang hilft es, die letzte größere Trinkmenge zwei bis drei Stunden vor dem Zubettgehen zu trinken.
Arbeit und Heben: Bürotätigkeit ist meist nach wenigen Tagen wieder möglich. Eine feste Gewichtsgrenze gibt es nicht, leichte Alltagslasten sind in Ordnung. Schweres Heben und Tragen sollte bis nach der Entfernung warten.
Sport: Spazierengehen, ruhiges Radfahren auf kurzen, ebenen Strecken und Schwimmen sind meist möglich. Joggen, Springen, Krafttraining und Kontaktsport pausieren Sie besser bis zur Entfernung.
Stuhlgang: Die Schiene wirkt nicht direkt auf den Darm. Verstopfung kommt eher von Schmerzmitteln und weniger Bewegung.
Entfernung: In der Regel ambulant und ohne Narkose, mit einem betäubenden Gleitgel. Der eigentliche Zug dauert wenige Sekunden, danach brennt es einige Stunden beim Wasserlassen. Notieren Sie sich den Termin, denn die Schiene darf nicht unbegrenzt liegen bleiben.
Sofort in die Klinik bei Fieber über 38,5 Grad oder Schüttelfrost, Flankenschmerzen, die trotz Schmerzmittel stark zunehmen, oder wenn Sie gar keinen Urin mehr lassen können. Mehr dazu unter Komplikationen und Warnzeichen.
Komplikationen und Warnzeichen
Die meisten Probleme unter Stent sind lästig, aber ungefährlich. Einige sind es nicht.
Harnwegsinfekt und Urosepsis. Jeder Fremdkörper im Harntrakt wird binnen weniger Wochen von Bakterien besiedelt. Ein bloßer Bakteriennachweis im Urin ohne Beschwerden ist unter Stent normal und wird nicht behandelt. Kommt jedoch Fieber hinzu, ist die Lage anders: Ein Infekt hinter einem geschienten oder gestauten Harntrakt kann innerhalb von Stunden in eine Urosepsis übergehen.
Dislokation. Der Stent rutscht nach oben in die Niere oder nach unten in die Blase. Beides erfordert eine Korrektur, ist aber kein Notfall, solange der Abfluss gesichert ist.
Verkrustung und Fragmentierung. Beides hängt von der Liegedauer ab, siehe Wie lange darf ein Stent liegen bleiben?
Überblick
Ein Doppel-J-Stent (kurz DJ-Stent, auch JJ-Stent, Harnleiterschiene oder Ureterschiene genannt) ist ein dünner, flexibler Kunststoffschlauch, der im Harnleiter zwischen Nierenbecken und Blase liegt. Beide Enden sind zu einem J beziehungsweise einer Ringelschwanz-Locke gebogen: Das obere J verankert sich im Nierenbecken, das untere in der Blase. Diese Krümmungen verhindern, dass der Stent nach oben oder unten wandert. Über seine gesamte Länge trägt der Schlauch seitliche Löcher, durch die der Urin ein- und austreten kann. Die Gesamtlänge liegt bei 24 bis 30 Zentimetern, der Schaft ist etwa so dick wie eine Spaghetti.

Illustration: UroWissen, KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft.
Der DJ-Stent ist eines der meistverwendeten Hilfsmittel der Urologie. Er heilt nichts, und das ist der wichtigste Punkt zum Verständnis: Er überbrückt eine Engstelle oder schützt eine frische Naht, bis das eigentliche Problem behoben ist. Ein Stent ist deshalb fast immer eine Zwischenlösung mit geplantem Ende, kein Dauerzustand. Genau deshalb gehört zu jeder Einlage von Anfang an ein Entfernungstermin.
Alltag mit DJ-Stent: häufige Fragen
Eine bestimmte Schlafposition ist nicht vorgeschrieben, die Schiene kann durch Liegen nicht verrutschen. Viele merken, dass die Beschwerden nachts nachlassen, weil im Liegen weniger Druck auf die Blase wirkt. Den Schlaf stört eher der häufige Harndrang. Es hilft, vor dem Schlafen die Blase zu leeren, die letzte größere Trinkmenge zwei bis drei Stunden vor dem Zubettgehen zu trinken und bei Bedarf nach Rücksprache ein Schmerzmittel oder ein Blasenmedikament zur Nacht zu nehmen. Viele schlafen in der ersten Woche schlechter, danach gewöhnt sich die Blase. Sind die Flankenschmerzen nachts stärker als tagsüber, sprechen Sie das an: Dahinter kann ein Rückfluss von Urin ins Nierenbecken stecken.
Eine feste Gewichtsgrenze gibt es nicht, sie steht auch in keiner Leitlinie. Heben ist nicht verboten. Beim Anstrengen mit Bauchpresse steigt aber der Druck im Bauchraum, Urin wird über die Schiene kurz zum Nierenbecken zurückgedrückt. Das verstärkt Flankenschmerz und Blut im Urin. Leichte Alltagslasten sind deshalb in Ordnung, schweres Heben und Tragen sollte bis nach der Entfernung warten. Danach entfällt die Beschränkung, sofern nicht operiert wurde.
Leichte Bewegung wie Spazierengehen, ruhiges Radfahren und Schwimmen ist möglich und sogar sinnvoll. Pausieren sollten Sie alles mit Erschütterung oder starker Rumpfbelastung: Laufen, Springen, Krafttraining, Kontaktsport. Diese Belastungen verstärken Blutung und Schmerz und können in seltenen Fällen dazu führen, dass die Schiene verrutscht. Nach der Entfernung bestehen keine Einschränkungen mehr.
Radfahren ist erlaubt, am besten auf kurzen, ebenen Strecken. Erschütterung und Sattel verstärken Drang und Blut im Urin, längere Touren und Geländefahrten sind deshalb eher ungünstig. Halten Sie die erste Fahrt kurz und achten Sie darauf, wie der Körper reagiert. Schwimmen ist möglich, sobald keine Blutung besteht, denn die Schiene liegt vollständig im Körper.
Bei jedem Schritt bewegt sich die Niere minimal und das untere Ende der Schiene reibt an der Blasenwand. Spazierengehen bleibt trotzdem erlaubt, Joggen verschieben Sie besser auf die Zeit nach der Entfernung. Schwimmen und Radfahren auf dem Heimtrainer sind meist besser verträglich.
Bürotätigkeit ist meist nach wenigen Tagen wieder möglich. Körperlich schwere Arbeit mit Heben, Tragen oder Erschütterung führt regelmäßig zu Blutungen und stärkeren Schmerzen und rechtfertigt eine Krankschreibung für die gesamte Liegedauer.
Der Stent hält die Harnleitermündung offen und schaltet damit den natürlichen Rückflussschutz aus. Beim Wasserlassen steigt der Blasendruck und ein Teil des Urins wird entlang der Schiene bis ins Nierenbecken zurückgedrückt. Das erzeugt den typischen ziehenden Flankenschmerz. Er ist ungefährlich. Es hilft, entspannt und ohne Pressen zu urinieren und die Blase nicht bis zur Maximalfüllung zu halten.
Eine leichte Rotfärbung gehört zum liegenden Stent dazu. Sie entsteht durch Reibung an der Schleimhaut und kann die ganze Liegezeit über immer wieder auftreten, vor allem nach Bewegung. Ausreichend trinken verdünnt es. Abklären lassen sollten Sie dunkelroten Urin mit Blutklumpen, Blut mit Fieber oder Urin, der gar nicht mehr klar wird. Können Sie plötzlich kein Wasser mehr lassen, gehen Sie sofort in die Klinik.
Direkt nicht, sie liegt vollständig in den Harnwegen. Indirekt kann es zu Verstopfung kommen, weil Schmerzmittel den Darm träge machen und viele sich weniger bewegen. Das lässt sich mit ausreichend Trinken, Bewegung und bei Bedarf einem milden Abführmittel gut steuern.
Ja, er kann aber unangenehm sein. Bei Frauen liegt das untere Stentende in unmittelbarer Nachbarschaft zur vorderen Scheidenwand. Blut im Urin danach ist harmlos.
Fliegen ist ohne Einschränkung möglich. Die meisten Harnleiterschienen bestehen aus Kunststoff und sind im MRT unbedenklich. Einzelne Modelle enthalten metallische Anteile, etwa an den Enden. Nennen Sie in der Radiologie den Stenttyp, dann lässt sich das vorher klären. Wer ins Ausland reist, sollte den Entfernungstermin und den Stenttyp schriftlich mitführen.
Unangenehm, aber sehr kurz. Vorher wird ein Gleitgel mit örtlicher Betäubung in die Harnröhre eingebracht. Der eigentliche Zug dauert wenige Sekunden und wird meist als unangenehmes Ziehen beschrieben, nicht als Schmerz. Der gesamte Vorgang dauert etwa eine halbe Minute, für viele ist die Blasenspiegelung davor das Unangenehmere. Danach brennt es einige Stunden beim Wasserlassen und der Urin kann leicht blutig sein. Die meisten Patienten beschreiben die Erleichterung danach als deutlich größer als die kurze Unannehmlichkeit.
Ein bis drei Tage Brennen und Drang sind normal. Bei manchen tritt in den ersten ein bis zwei Tagen noch ein kolikartiger Flankenschmerz auf. Ursache ist eine kurze Schwellung der Harnleiterschleimhaut an der Stelle, an der das Stentende lag. Außerdem muss sich der wochenlang gedehnte Harnleiter erst wieder zusammenziehen. Das ist meist harmlos und klingt von selbst ab. Schmerzen, die nach drei Tagen nicht besser werden, oder Fieber müssen abgeklärt werden.
Melden Sie sich umgehend bei Ihrem Urologen, auch wenn Sie beschwerdefrei sind. Wenige Wochen Verzögerung sind meist unkritisch. Ab mehreren Monaten steigt das Risiko, dass der Stent verkrustet und nicht mehr in einem einfachen Eingriff entfernt werden kann. Beschwerdefreiheit ist kein Zeichen dafür, dass alles in Ordnung ist: Gerade verkrustete Stents machen oft lange keine Symptome.
Beides kommt vor. Ob eine ambulante Einlage infrage kommt, hängt vom Anlass ab: Bei einer Kolik mit Infektzeichen oder eingeschränkter Nierenfunktion wird stationär behandelt.
Ja. Nach einer Blasenentfernung mit Urostoma liegen vorübergehend Schienen in den Harnleitern, die durch das Stoma nach außen führen. Sie werden nach etwa ein bis drei Wochen gezogen, meist ohne Narkose. Die Beutelversorgung erfolgt in dieser Zeit wie gewohnt, die Schienen laufen einfach mit in den Beutel.
Typische Beschwerden unter liegendem Stent
Ein DJ-Stent ist ein Fremdkörper, der zwei sehr empfindliche Regionen berührt: das Nierenbecken und den Blasenboden. Zwischen 60 und 80 Prozent aller Patienten spüren ihn deutlich. Das ist die Regel, nicht die Ausnahme, und es sagt nichts darüber aus, ob der Stent richtig liegt.
Häufiger Harndrang und häufiges Wasserlassen. Das untere Stentende reizt das Blasendreieck, eine besonders nervenreiche Zone. Die Blase meldet Füllung, obwohl sie kaum gefüllt ist.
Flankenschmerz beim Wasserlassen. Beim Pressen steigt der Blasendruck, und weil der Stent den natürlichen Verschlussmechanismus der Harnleitermündung offen hält, wird Urin entlang der Schiene bis ins Nierenbecken zurückgedrückt. Dieser Reflux erzeugt einen kurzen, ziehenden Schmerz in der Nierengegend. Er ist unangenehm, aber ungefährlich.
Blut im Urin. Meist leicht und wechselnd, verstärkt durch Bewegung, langes Stehen oder Sport. Die Stentenden scheuern an der Schleimhaut.
Schmerzen im Unterbauch, in der Leiste oder im Hoden. Die Nervenversorgung des Harnleiters strahlt dorthin aus, weshalb der Schmerz oft nicht dort gefühlt wird, wo der Stent liegt.
Das Ausmaß der Beschwerden schwankt stark und lässt sich nicht vorhersagen. Für die Forschung wurde eigens ein standardisierter Fragebogen entwickelt, der Ureteral Stent Symptom Questionnaire, weil die subjektive Belastung sich als der wichtigste Faktor für die Lebensqualität unter Stent erwiesen hat.
Was gegen die Beschwerden hilft
Die Beschwerden lassen sich in den meisten Fällen deutlich lindern, auch wenn sie selten ganz verschwinden.
Alpha-Blocker. Tamsulosin 0,4 Milligramm täglich entspannt die glatte Muskulatur von Harnleiter, Blasenhals und Prostata. Mehrere Metaanalysen belegen eine messbare Reduktion von Schmerz und Drangsymptomatik unter liegendem Stent. Das ist die wirksamste medikamentöse Einzelmaßnahme und in der Alpha-Blocker-Therapie gut etabliert.
Anticholinergika oder Beta-3-Agonisten. Substanzen wie Solifenacin dämpfen den Blasenmuskel und wirken vor allem gegen Drang und häufiges Wasserlassen. Die Kombination mit einem Alpha-Blocker ist wirksamer als jede Substanz allein.
Schmerzmittel. Nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen oder Diclofenac wirken beim Stentschmerz besser als reine Analgetika, weil sie zusätzlich die Schleimhautschwellung dämpfen. Bei eingeschränkter Nierenfunktion ist Vorsicht geboten, hier ist Metamizol oft die bessere Wahl.
Krampflöser. Butylscopolamin lindert kolikartige Anteile, wirkt aber beim reinen Stentreiz weniger zuverlässig als oft angenommen.
Trinkmenge und Verhalten. Ausreichend trinken, aber nicht exzessiv: Sehr große Trinkmengen erhöhen den Reflux und damit den Flankenschmerz. Die Blase regelmäßig und ohne Pressen entleeren. Wärme auf der Flanke wird von vielen als angenehm empfunden.
Wie lange darf ein Stent liegen bleiben?
Die Liegedauer richtet sich nach dem Grund der Einlage.
Nach unkomplizierter Harnleiterspiegelung genügen meist wenige Tage bis zwei Wochen. Nach Steinentfernung mit Schleimhautverletzung sind ein bis vier Wochen üblich. Nach Nierenbeckenplastik oder Harnleiterneueinpflanzung wird der Stent vier bis sechs Wochen belassen, damit die Naht sicher abheilt. Bei Tumorkompression von außen bleibt der Stent dauerhaft, wird dann aber regelmäßig gewechselt.
Entscheidend ist die vom Hersteller angegebene Standzeit. Sie liegt je nach Material zwischen drei und zwölf Monaten, bei den gängigen Modellen bei etwa sechs Monaten. Wird sie überschritten, steigt das Risiko für Verkrustung, Materialbruch und Verlust der Nierenfunktion erheblich. In der Schwangerschaft und bei Patienten mit hoher Steinbildungsrate muss deutlich früher gewechselt werden, teils alle vier bis sechs Wochen, weil der Urin schneller Kristalle auf dem Stent ablagert.
Der vergessene Stent
Vergessene Schienen entstehen fast nie durch die Nachlässigkeit eines Einzelnen. Sie entstehen an den Übergängen:
- Eingelegt wird in der Klinik, entfernt werden soll ambulant
- Der Entlassbrief kommt verspätet oder gar nicht an
- Der Patient zieht um oder wechselt die urologische Praxis
- Die Beschwerden lassen nach und er hält die Sache für erledigt
Genau deshalb ist der Patient selbst der zuverlässigste Merkposten im System. Viele Kliniken führen inzwischen Stentregister mit automatischer Erinnerung.
Die Entfernung
Es gibt zwei Wege.
Zystoskopisch. Der Standard. Ambulant, ohne Narkose, mit einem flexiblen Zystoskop und Gleitgel mit Lokalanästhetikum. Der Stent wird mit einer Fasszange gegriffen und in einem Zug herausgezogen. Der Vorgang dauert buchstäblich etwa 30 Sekunden. Er ist unangenehm, der eigentliche Zug ist aber kürzer als das Einführen des Instruments. Danach brennt es für einige Stunden beim Wasserlassen, und der Urin kann kurzzeitig blutig sein.
Über einen Faden. Bei kurzer geplanter Liegedauer kann der Stent mit einem Rückholfaden eingelegt werden, der aus der Harnröhre heraushängt und außen fixiert wird. Der Patient zieht den Stent nach Anweisung selbst, meist nach wenigen Tagen. Studien zeigen, dass das die Beschwerdedauer verkürzt und keine erhöhte Infektionsrate mit sich bringt. Der Faden kann allerdings selbst stören, und es besteht das Risiko, den Stent versehentlich zu früh zu ziehen.
Warum ein DJ-Stent eingelegt wird
Die Gründe für eine Harnleiterschiene lassen sich in drei Gruppen einteilen.

Illustration: Servier Medical Art, lizenziert unter CC BY 4.0, Beschriftung UroWissen.
Erstens: Die Abflussstörung. Ein Harnleiterstein, ein Blutkoagel, eine narbige Enge oder ein Tumor blockieren den Urinabfluss. Der Urin staut sich in die Niere zurück, es entsteht eine Hydronephrose. Bleibt das unbehandelt, verliert die Niere Funktion, im schlimmsten Fall dauerhaft. Der Stent stellt den Abfluss sofort wieder her, auch wenn die Ursache selbst noch besteht.
Zweitens: Der Schutz nach einem Eingriff. Nach einer Harnleiterspiegelung mit Laserlithotripsie ist die Schleimhaut des Harnleiters gereizt und schwillt an. Der Stent hält den Weg offen, bis die Schwellung abgeklungen ist. Nach einer Nierenbeckenplastik oder einer Harnleiterneueinpflanzung schient er zusätzlich die frische Nahtreihe, damit sie dicht abheilt und sich keine neue Enge bildet.
Drittens: Die Vorbereitung. Vor einer geplanten Stoßwellenlithotripsie großer Nierensteine kann ein Stent eingelegt werden, damit die entstehenden Bruchstücke nicht als sogenannte Steinstraße den Harnleiter verlegen. Auch vor manchen Bauchoperationen werden die Harnleiter geschient, damit der Operateur sie besser tasten und schonen kann.
Ein Sonderfall ist die Schwangerschaft. Der wachsende Uterus und der hormonell bedingt weitgestellte Harnleiter führen häufig zu einem Harnstau, der meist harmlos ist. Kommt es aber zu Schmerzen, Infektion oder Fieber, ist der Stent das schonendste Mittel der Wahl, weil er ohne Röntgen unter Ultraschallkontrolle eingelegt werden kann.
Die Einlage: Ablauf und Narkose
Die Einlage erfolgt in aller Regel retrograd, also von unten über die Harnröhre. Der Eingriff findet in Kurznarkose oder Spinalanästhesie statt und dauert für sich genommen fünf bis zehn Minuten. Über ein Zystoskop wird die Harnleitermündung in der Blase aufgesucht, ein dünner Führungsdraht bis ins Nierenbecken vorgeschoben und der Stent darüber eingefädelt. Die Kontrolle der Lage erfolgt per Röntgendurchleuchtung, bei Schwangeren per Ultraschall.
Häufig wird der Stent im Rahmen eines größeren Eingriffs eingelegt, etwa am Ende einer Harnleiterspiegelung. Dann fällt keine zusätzliche Narkose an. Ist der Harnleiter so verlegt, dass er von unten nicht passierbar ist, oder ist der Patient bei einer Urosepsis zu instabil für eine Narkose, wird stattdessen eine Nierenfistel gelegt.
Nach der Einlage bleiben die meisten Patienten wenige Stunden bis einen Tag in Beobachtung. Blut im Urin in den ersten Tagen ist normal und kein Grund zur Sorge, ebenso ein Ziehen in der Flanke.
Aufbau, Material und Größe
DJ-Stents bestehen meist aus Polyurethan, Silikon oder speziellen Kunststoffmischungen wie Percuflex. Silikon ist besonders weich und wird oft besser vertragen, ist aber schwieriger einzulegen. Polyurethan ist stabiler, neigt jedoch stärker zur Verkrustung. Viele moderne Stents tragen eine hydrophile Beschichtung, die sich bei Kontakt mit Urin glitschig macht und die Anlagerung von Bakterien und Kristallen verzögert.
Die Stärke wird in Charrière angegeben (Ch, international auch French oder Fr). Ein Charrière entspricht einem Drittel Millimeter. Üblich sind 4,7 bis 7 Ch, also etwa 1,6 bis 2,3 Millimeter Außendurchmesser. Dünnere Stents verursachen tendenziell weniger Beschwerden, verstopfen aber leichter. Die Länge liegt bei Erwachsenen meist zwischen 24 und 30 Zentimetern und richtet sich nach der Körpergröße beziehungsweise der gemessenen Harnleiterlänge.
DJ-Stent oder Nierenfistel?
Bei einem infizierten Harnstau muss der Urin dringend abgeleitet werden. Dafür gibt es zwei gleichwertige Optionen: den DJ-Stent von innen oder die perkutane Nephrostomie, umgangssprachlich Nierenfistel, bei der ein Katheter durch die Haut direkt ins Nierenbecken gelegt wird.
Eine randomisierte Vergleichsstudie konnte keinen Überlebens- oder Erfolgsunterschied zeigen, beide Verfahren entlasten die Niere zuverlässig. Die Wahl richtet sich deshalb nach der Situation. Für die Nierenfistel spricht, dass sie in örtlicher Betäubung ohne Narkose möglich ist, dass der Urin direkt beurteilt und abgeleitet wird und dass sie auch bei komplett verlegtem Harnleiter funktioniert. Für den DJ-Stent spricht, dass nichts von außen sichtbar bleibt, kein Beutel getragen werden muss und der Alltag weniger eingeschränkt ist. Bei instabilen, septischen Patienten fällt die Entscheidung häufig zugunsten der Nierenfistel.
Muss nach jeder Harnleiterspiegelung ein Stent liegen?
Nein, und das ist eine der klarsten Aussagen der aktuellen Leitlinien. Nach unkomplizierter Harnleiterspiegelung ohne Schleimhautverletzung, ohne Restfragmente und ohne Enge ist eine Schienung nicht zwingend erforderlich. Eine große Metaanalyse zeigte, dass nicht geschiente Patienten weniger Reizsymptome haben, weniger Schmerzmittel benötigen und schneller in den Alltag zurückkehren, ohne dass Komplikationen häufiger auftreten.
Eingelegt wird die Schiene dagegen in diesen Fällen:
- Der Harnleiter ist verletzt oder stark gereizt
- Es sind Steinreste zurückgeblieben
- Es ist nur eine Niere vorhanden
- Es liegt eine Infektion vor
- Die Patientin ist schwanger
- Der Eingriff war schwierig und hat lange gedauert
Wenn Ihnen eine Schiene angekündigt wird, ist die Frage nach dem Grund also berechtigt. Jeder Operateur kann sie beantworten.
Wenn eine Harnleiterschiene eingelegt wurde oder werden soll:
Quellen
Leitlinien
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• Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU). S2k-Leitlinie Urolithiasis, Diagnostik, Therapie und Metaphylaxe. AWMF-Register-Nr. 043-025.
• European Association of Urology. EAU Guidelines on Urological Infections. Ausgabe 2025.
Studien
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Reviews
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