Trinkmenge ist in der Urologie ein Behandlungsmittel und keine Nebensache. Sie beeinflusst die Steinbildung, das Infektrisiko, den Drang und das nächtliche Wasserlassen. Wichtig ist dabei nicht nur die Menge, sondern auch ihre Verteilung über den Tag.
Bei Harnsteinen: Hier zählt die Urinmenge, nicht die Trinkmenge. Ziel sind etwa zwei bis zweieinhalb Liter Urin pro Tag, was je nach Schwitzen und Klima deutlich mehr Trinken bedeuten kann. Verteilt über den Tag und auch zur Nacht, weil der Urin sonst nachts am stärksten konzentriert ist. Das ist die wirksamste einzelne Maßnahme gegen erneute Steine.
Bei Harnwegsinfekten: Mehr Trinken spült die Blase häufiger und kann die Zahl der Infekte senken. Bei Frauen mit wiederkehrenden Blasenentzündungen und bisher geringer Trinkmenge ist der Effekt gut belegt.
Bei Reizblase und Drang: Hier gilt das Gegenteil der landläufigen Empfehlung. Wer bei Drangbeschwerden noch mehr trinkt, verstärkt sie. Sinnvoll ist eine normale Menge, gleichmäßig verteilt, und der Verzicht auf Kaffee, Alkohol und stark kohlensäurehaltige Getränke, die die Blase zusätzlich reizen.
Bei nächtlichem Wasserlassen: Die letzten zwei bis drei Stunden vor dem Zubettgehen weniger trinken, die Tagesmenge dafür früher aufnehmen. Wer abends Entwässerungsmittel einnimmt, sollte den Einnahmezeitpunkt ärztlich prüfen lassen.
Die Grenzen: Bei Herzschwäche, fortgeschrittener Nierenschwäche und bestimmten Medikamenten kann zu viel Trinken schaden. Trinkempfehlungen gehören in diesen Fällen ärztlich abgestimmt und nicht aus einem Ratgeber übernommen.