Datenauswertung

Urologie in Zahlen

Was 749.188 urologische Klinikfälle über die Versorgung in Deutschland verraten, ausgewertet nach Eingriffen, Verfahren und Altersgruppen.
Redaktion: UroWissen
Richard FalkaiAuswertung: Richard Falkai, Referent der Klinikdirektion, Urologische Klinik München-Planegg
Fachliche Begleitung: Medical Board
Erstellt nach Leitlinien von EAU und DGU
749.188
Klinikfälle 2025
75,5 Prozent
Männer
60,2 Prozent
ab 65 Jahren
4,7
Tage im Schnitt

Wie oft wird in Deutschland eigentlich an der Prostata operiert? Wie viele Blasenspiegelungen gibt es im Jahr, und stimmt es, dass die Steinzertrümmerung von außen kaum noch eingesetzt wird?

Solche Fragen lassen sich beantworten, denn deutsche Krankenhäuser melden jeden stationären Fall mit Diagnosen und Prozeduren an das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus. Wir haben die Meldungen des Jahres 2025 für die Fachabteilung Urologie ausgewertet: 749.188 Fälle. Ein Fall ist ein Krankenhausaufenthalt, nicht eine Person: Wer im selben Jahr mehrmals stationär behandelt wird, erscheint mehrfach.

Was diese Zahlen sind und was nicht: Es geht ausschließlich um stationäre Fälle in urologischen Abteilungen. Alles, was ambulant in der Praxis geschieht, taucht hier nicht auf. Das erklärt einige der Ergebnisse weiter unten. Die Daten stammen aus der unterjährigen Datenlieferung und sind vorläufig.

Wer in der Urologie behandelt wird

Drei von vier Behandelten sind Männer. Das überrascht wenig, weil die Prostata beim Mann liegt und die beiden häufigsten Diagnosen sie betreffen. Bemerkenswerter ist das Alter: Sechs von zehn Patienten sind 65 Jahre oder älter, jeder Fünfte ist über achtzig.

bis 49 Jahre119.00050 bis 64 Jahre176.00065 bis 74 Jahre203.60075 bis 79 Jahre89.10080 Jahre und älter158.600
Altersverteilung der urologischen Klinikfälle 2025, gerundet auf Basis der Anteilswerte.

Für die Versorgung heißt das: Urologie ist in erheblichem Maß Altersmedizin. Viele Betroffene bringen weitere Erkrankungen mit. In den Nebendiagnosen taucht Bluthochdruck bei 41 Prozent der Fälle auf, ein Typ-2-Diabetes bei 15 Prozent, und 12 Prozent nehmen dauerhaft gerinnungshemmende Medikamente. Genau diese Begleitumstände entscheiden oft mit darüber, welche Behandlung infrage kommt.

Die häufigsten Anlässe

Ganz oben stehen zwei Erkrankungen der Prostata, und zwar dicht beieinander: die gutartige Vergrößerung und der Prostatakrebs.

Prostatavergrößerung74.626Prostatakrebs70.918Harnstau durch Stein54.424Harnwegsinfekt50.204Blasenkrebs44.592Harnleiterstein26.765Nierenstein25.040Blut im Urin20.803Nierenkrebs17.368
Die neun häufigsten Hauptdiagnosen in urologischen Abteilungen, 2025.

Danach folgt ein Befund, den man auf den ersten Blick nicht erwartet: der Harnstau durch einen Harnleiterstein mit 54.424 Fällen. Steine sind damit nach der Prostata der zweitgrößte Block. Auf Platz vier steht der Harnwegsinfekt mit 50.204 stationären Fällen, also solchen, die nicht ambulant behandelt werden konnten.

Was am häufigsten gemacht wird

Blasentumor abtragen109.370Blasenspiegelung101.522Prostata bei BPH98.252Steine endoskopisch45.844Prostata bei Krebs34.156Nierenchirurgie18.162Blase entfernen6.822
Häufigste Eingriffe und Untersuchungen, Zahl der Fälle mit der jeweiligen Prozedur.

Der mit Abstand häufigste größere Eingriff ist die Abtragung eines Blasentumors über die Harnröhre, gefolgt von den Eingriffen an der gutartig vergrößerten Prostata. Die Blasenspiegelung als reine Untersuchung kommt in dieser Auswertung auf 101.522 Fälle, wobei der weitaus größere Teil aller Blasenspiegelungen ambulant erfolgt und hier nicht auftaucht.

Prostatakrebs: die offene Operation ist die Ausnahme geworden

Bei der radikalen Entfernung der Prostata zeigt sich die deutlichste Verschiebung der letzten Jahre. Von 34.156 Eingriffen wurden

86.3%13.4%minimalinvasiv29.476 Fälleoffen4.570 Fälle
Zugangswege bei der radikalen Prostatektomie, 34.156 Eingriffe. Der Schlüssel „laparoskopisch“ schließt roboterassistierte Operationen ein.

Der Schlüssel „laparoskopisch“ umfasst dabei die roboterassistierten Operationen, die heute den Großteil davon ausmachen. Die offene Operation über einen Bauchschnitt ist auf gut jeden achten Eingriff zurückgegangen, der Zugang über den Damm praktisch verschwunden.

Ein zweiter Wert ist für Betroffene mindestens ebenso wichtig: Bei 67 Prozent der Eingriffe wurde nervenerhaltend operiert, also unter Schonung der Nervenbündel, die für die Erektion zuständig sind. Ob das möglich ist, hängt vom Tumorstadium ab, siehe radikale Prostatektomie.

Roboterassistierte Chirurgie: 51.570 Fälle

In 51.570 urologischen Fällen wurde 2025 ein Operationsroboter eingesetzt, das sind knapp sieben Prozent aller Fälle der Fachabteilung. In 50.768 davon handelte es sich um ein mehrarmiges System, also die Bauart, die man aus Berichten über die Prostatachirurgie kennt.

Die Zahl übersteigt die der Prostataentfernungen deutlich. Das heißt: Der Roboter wird längst nicht mehr nur an der Prostata eingesetzt, sondern auch bei Nierenteilresektionen, Blasenentfernungen und rekonstruktiven Eingriffen.

Gutartige Prostatavergrößerung: das Ausschälen holt auf

Bei der gutartig vergrößerten Prostata ist die klassische Elektroresektion über die Harnröhre weiter das häufigste Verfahren. Aber sie ist nicht mehr allein.

61.2%32.5%Elektroresektion58.992 FälleEnukleation31.319 Fälle
Verfahren bei gutartiger Prostatavergrößerung, 98.252 Eingriffe.

Fast ein Drittel der Eingriffe sind inzwischen Enukleationen, also das vollständige Ausschälen des vergrößerten Innenteils, meist mit dem Holmium- oder Thulium-Laser. Dieses Verfahren war vor zehn Jahren eine Spezialität weniger Zentren. Der Holmium-Laser kam 2025 in 17.279 Fällen zum Einsatz, der Thulium-Laser in 9.435.

Die offene Operation, bei der die Prostata über einen Bauchschnitt ausgeschält wird, macht nur noch gut drei Prozent aus. Mehr dazu im Verfahrensvergleich.

Harnsteine: die Stoßwelle spielt stationär kaum noch eine Rolle

Das ist das deutlichste Ergebnis der ganzen Auswertung. Bei den stationären Steinbehandlungen entfallen

94.8%endoskopisch45.844 Fälle
Stationäre Steinbehandlungen. Ambulante Stoßwellenbehandlungen sind nicht enthalten.

Die Stoßwellenlithotripsie, jahrzehntelang das Sinnbild der Steinbehandlung, kommt stationär nur noch auf 2.494 Fälle. Die endoskopische Entfernung über die Harnröhre hat sie fast vollständig verdrängt. Ein Teil der Erklärung liegt darin, dass die Stoßwellenbehandlung häufig ambulant erfolgt und hier nicht mitgezählt wird. Der Trend ist trotzdem eindeutig, und er hat einen technischen Grund: In 24.965 Fällen kam ein flexibles Ureterorenoskop zum Einsatz, ein biegsames Instrument, mit dem sich auch Steine im Nierenbecken direkt erreichen lassen.

Eine Zahl fällt dabei besonders auf: 116.370 Einlagen und 71.395 Wechsel einer Harnleiterschiene, dazu 33.425 Entfernungen. Damit ist die Schiene die häufigste Maßnahme im stationären urologischen Alltag, häufiger als jede einzelne Operation.

Niere: Organerhalt ist die Regel

Bei Nierentumoren wird heute deutlich öfter ein Teil der Niere entfernt als die ganze: 12.323 Teilresektionen stehen 7.770 radikalen Entfernungen gegenüber. Das entspricht dem, was die Leitlinien empfehlen, denn jeder erhaltene Nierenanteil zählt für die spätere Nierenfunktion.

Auch beim Zugangsweg unterscheiden sich die beiden Eingriffe: Die Teilresektion erfolgt zu 74 Prozent minimalinvasiv, die radikale Entfernung zu 53 Prozent. Mehr dazu unter Nierenentfernung.

Blasenkrebs: viele kleine Eingriffe, wenige große

109.370 Eingriffe an Blasentumoren über die Harnröhre stehen 6.822 radikalen Blasenentfernungen gegenüber. Dieses Verhältnis von etwa siebzehn zu eins bildet die Erkrankung gut ab: Die meisten Blasentumoren sind bei Entdeckung oberflächlich und werden über die Harnröhre behandelt, oft mehrfach über Jahre.

Zwei Details aus den Daten:

Die Fluoreszenzdiagnostik ist weit verbreitet. Von 99.372 Abtragungen und Ausschneidungen erfolgten 29.347 fluoreszenzgestützt, also fast jede dritte. Dabei färbt eine vorher in die Blase eingebrachte Substanz Tumorzellen an, sodass flache Herde und Krebsvorstufen unter Blaulicht sichtbar werden, die im Weißlicht leicht übersehen werden.

Bei der Blasenentfernung ist die Ersatzblase die Ausnahme. Von 6.822 radikalen Zystektomien wurde in 1.131 Fällen eine Neoblase aus Dünndarm gebildet, also bei etwa jedem sechsten Eingriff. Die große Mehrheit erhält eine Ableitung über die Bauchdecke, siehe Ileum-Conduit. Minimalinvasiv wurde bei knapp einem Drittel operiert.

Was sich seit 2021 verändert hat

Eine einzelne Jahreszahl sagt wenig. Interessant wird es im Verlauf. Wir haben deshalb die Meldungen der Jahre 2021 bis 2025 nebeneinandergelegt. Die Gesamtzahl der urologischen Klinikfälle blieb dabei erstaunlich stabil, sie schwankt zwischen 749.000 und 795.000. Innerhalb dieser Summe hat sich allerdings erheblich etwas verschoben.

Der Operationsroboter

Die deutlichste Entwicklung betrifft die roboterassistierte Chirurgie. Von 28.949 Eingriffen im Jahr 2021 auf 51.570 im Jahr 2025, das ist ein Zuwachs von 78 Prozent in vier Jahren.

012.89225.78538.67751.57020212022202320242025RoboterProstatektomieEnukleation
Eingriffe pro Jahr, Fachabteilung Urologie. Quelle: InEK-Datenlieferung nach §21 KHEntgG.

Ausführliche Auswertung zur Roboterchirurgie, mit der Verteilung auf die einzelnen Eingriffe und der Zahl der Kliniken.

Der Zuwachs verläuft dabei gleichmäßig, ohne Sprünge. Bemerkenswert ist der Vergleich mit der radikalen Prostatektomie, die im selben Zeitraum nur um 24 Prozent zulegte: Der Roboter wird also nicht nur häufiger für dieselbe Operation eingesetzt, sondern zunehmend auch für andere Eingriffe.

Die Prostata wird kaum noch offen operiert

Beim Zugangsweg zur radikalen Prostatektomie verschiebt sich das Bild kontinuierlich. Der Anteil minimalinvasiver Eingriffe, worunter auch die roboterassistierten fallen, ist von 68,4 auf 86,3 Prozent gestiegen.

0 %24 %48 %72 %97 %20212022202320242025minimalinvasive ProstatektomieEnukleation an BPH-EingriffenFluoreszenz an TUR-BNeoblase an Zystektomien
Anteile in Prozent. Anteilswerte sind robuster als absolute Zahlen, weil sich Zähler und Nenner aus derselben Quelle speisen.

Noch stärker fällt die Entwicklung bei der gutartigen Prostatavergrößerung aus. Die Enukleation, also das vollständige Ausschälen des vergrößerten Innenteils, hat sich von 13.013 auf 31.319 Eingriffe mehr als verdoppelt. Ihr Anteil an allen Eingriffen wegen gutartiger Vergrößerung stieg von 17,3 auf 31,9 Prozent.

Die Gegenbewegung dazu ist die Stoßwellenlithotripsie: Sie ist stationär von 6.186 auf 2.494 Behandlungen zurückgegangen, ein Minus von 60 Prozent.

Zwei Entwicklungen, die stagnieren

Nicht alles bewegt sich. Die radikale Zystektomie liegt seit fünf Jahren praktisch unverändert bei gut 7.300 Eingriffen im Jahr. Die radikale Nephrektomie ebenso bei rund 11.300.

Innerhalb der Nierenchirurgie verschiebt sich allerdings etwas: Die organerhaltende Teilresektion legte von 9.812 auf 12.323 zu, während die vollständige Entfernung stagniert. Das entspricht dem, was die Leitlinien empfehlen.

Eine Zahl geht dagegen zurück, und das ist erklärungsbedürftig: Der Anteil der Ersatzblasen an allen Blasenentfernungen ist von 19,0 auf 15,5 Prozent gefallen. Ob das am steigenden Alter der Operierten liegt, an strengeren Auswahlkriterien oder an der Zentralisierung, lässt sich aus diesen Daten nicht beantworten.

Warum manche Zahlen 2024 einbrechen

Wichtig für die Einordnung: Bei einigen Eingriffen zeigen die Daten zwischen 2023 und 2024 einen Bruch, der keine medizinische Entwicklung abbildet. Zum 1. Januar 2024 wurden die sogenannten Hybrid-DRG eingeführt, eine Vergütung, die für bestimmte Eingriffe gleich hoch ausfällt, egal ob ambulant oder stationär behandelt wird. In der Urologie war die Harnleiterspiegelung der erste betroffene Bereich, 2025 kamen Operationen an Blasentumoren und am äußeren Genitale dazu. Diese Fälle tauchen seither nicht mehr vollständig in der stationären Statistik auf.
030.32260.64590.968121.29120212022202320242025HarnleiterspiegelungBlasentumor-Abtragung
Der Knick bei der Harnleiterspiegelung liegt 2024, bei der Blasentumor-Abtragung 2025, jeweils im Jahr der Aufnahme in den Hybrid-DRG-Katalog.

Der Effekt ist gut sichtbar: Die endoskopische Steinbehandlung fällt von 80.499 auf 45.448, die Zahl der Harnleiterschienen von 267.669 auf 223.462, jeweils in einem einzigen Jahr. Bei der Abtragung von Blasentumoren zeigt sich derselbe Knick ein Jahr später, passend zur Erweiterung des Katalogs.

Für die Bewertung heißt das zweierlei. Erstens sind diese vier Reihen ab 2024 nicht mehr mit den Vorjahren vergleichbar. Zweitens ist der Bruch selbst ein Befund: Die Ambulantisierung urologischer Eingriffe lässt sich in den Abrechnungsdaten unmittelbar ablesen. Was politisch beschlossen wurde, ist innerhalb eines Jahres in der Versorgungsrealität angekommen.

Wie ungleich sich die Eingriffe verteilen

Dass 326 Kliniken in Deutschland die Prostata bei Krebs entfernen, klingt nach breiter Verfügbarkeit. Die Zahl verdeckt allerdings, wie unterschiedlich sich die Eingriffe auf diese Häuser verteilen.

Die obersten zehn Prozent der Kliniken führen 42 Prozent aller radikalen Prostatektomien durch. Die untere Hälfte, also 163 Häuser, teilt sich zusammen 14 Prozent. In dieser unteren Hälfte liegt der typische Wert bei 26 Eingriffen im Jahr, in der Spitzengruppe bei 379.

0 %0 %25 %25 %50 %50 %75 %75 %100 %100 %GleichverteilungStoßwelleProstatektomieBlasentumor-AbtragungAnteil der Kliniken
Konzentrationskurve: Die Kliniken sind nach Fallzahl geordnet, von der größten zur kleinsten. Abgelesen wird, welcher Anteil aller Eingriffe auf welchen Anteil der Kliniken entfällt. Quelle: Qualitätsberichte der Krankenhäuser 2024.

Die gestrichelte Linie zeigt, wie es bei völlig gleichmäßiger Verteilung aussähe. Je weiter sich eine Kurve davon entfernt, desto stärker konzentriert sich der Eingriff auf wenige Häuser.

EingriffKlinikenAnteil der obersten 10 %
Stoßwellenlithotripsie9053 %
Radikale Prostatektomie32642 %
Prostata-Ausschälung19738 %
Roboterassistierte Eingriffe22732 %
Radikale Zystektomie30128 %
Blasentumor-Abtragung44023 %

Das Muster ist erwartbar und trotzdem aufschlussreich: Je routinemäßiger ein Eingriff, desto gleichmäßiger verteilt er sich. Die Abtragung eines Blasentumors machen 440 Häuser, und die Spitzengruppe kommt nur auf 23 Prozent. Bei der Stoßwellenlithotripsie dagegen entfallen 53 Prozent aller stationären Behandlungen auf neun Kliniken.

Was das für die Klinikwahl bedeutet

Bei der radikalen Zystektomie sind die Zahlen am eindrücklichsten. 301 Häuser führen sie durch, aber 83 davon weniger als zehn Mal im Jahr, also seltener als einmal im Monat. Bei einem Eingriff, für den der Zusammenhang zwischen Erfahrung und Ergebnis so gut belegt ist wie bei kaum einem anderen in der Urologie, ist das eine Zahl, die man kennen sollte.

Wichtig zur Einordnung: Eine niedrige Fallzahl bedeutet nicht automatisch ein schlechtes Ergebnis, und eine hohe keine Garantie. Entscheidend ist außerdem die Erfahrung der operierenden Ärztin oder des Arztes, nicht allein die des Hauses. Die Frage „Wie viele dieser Eingriffe führen Sie persönlich pro Jahr durch“ ist deshalb aussagekräftiger als jede Statistik. Im Klinikfinder lässt sich nachsehen, wie oft ein Haus einen bestimmten Eingriff durchführt.

Einzelne Verfahren im Detail

Zu den wichtigsten Eingriffen haben wir eigene Auswertungen erstellt, jeweils mit der Entwicklung seit 2021, der Verteilung auf die Verfahren und der Zahl der Kliniken, die den Eingriff durchführen.

Roboterchirurgie51.570 Eingriffe 2025, plus 78 Prozent seit 2021Radikale Prostatektomie34.156 Eingriffe, 86 Prozent minimalinvasivProstata-Ausschälung31.319 Eingriffe, Verdopplung seit 2021Blasenentfernung7.313 Eingriffe, Anteil Ersatzblase sinktNierenchirurgieOrganerhalt überholt vollständige Entfernung

Was die Betroffenen sonst noch mitbringen

Die Nebendiagnosen sagen oft mehr über die Versorgungslage aus als die Hauptdiagnose. Sie zeigen, mit welchen Voraussetzungen jemand zur urologischen Behandlung kommt.

Bluthochdruck40,8 %Harnwegsinfekt17,6 %Blut im Urin17,1 %Hilfsbedürftigkeit15,4 %Typ-2-Diabetes14,7 %Dauertherapie Medikamente13,7 %Gerinnungshemmer12,2 %Vorhofflimmern10,7 %Niereninsuffizienz9,6 %Herzinsuffizienz5,4 %multiresistente Erreger5,2 %Adipositas4,7 %Demenz3,2 %Depression2,6 %Nikotinabhängigkeit0,8 %
Anteil der urologischen Klinikfälle 2025 mit der jeweiligen Nebendiagnose.

Vier von zehn Fällen bringen einen Bluthochdruck mit. Bei 15,4 Prozent ist eine Hilfsbedürftigkeit dokumentiert, bei 3,2 Prozent eine Demenz. Jeder achte Fall nimmt dauerhaft gerinnungshemmende Medikamente, was vor jedem Eingriff geklärt und häufig pausiert werden muss.

Bei 5,2 Prozent waren multiresistente Erreger dokumentiert. Das ist ein hoher Wert und erklärt, warum bei wiederholten Krankenhausaufenthalten und liegenden Kathetern so genau auf die Antibiotikawahl geachtet wird.

Eine Zahl, die auffällt: Eine Nikotinabhängigkeit ist nur bei 0,8 Prozent der Fälle dokumentiert. Rauchen ist der wichtigste vermeidbare Risikofaktor für Blasenkrebs und für einen erheblichen Teil aller Nierentumoren verantwortlich. Dass es in der Kodierung so selten auftaucht, sagt vermutlich weniger über das Rauchverhalten der Betroffenen aus als über die Dokumentationspraxis. Für die Beratung ist das ein Hinweis: Wenn das Rauchen nicht einmal in der Akte steht, wird es im Gespräch oft auch nicht angesprochen.

Die seltenen Fälle

Besonders aufschlussreich sind die kleinen Zahlen. Wie belastbar sie sind, hängt allerdings vom Eingriff ab: Notfälle wie die Hodentorsion werden praktisch immer stationär versorgt, ihre Zahl kommt der tatsächlichen Häufigkeit also nahe. Planbare Eingriffe wie die Beschneidung oder die Vasektomie erfolgen dagegen überwiegend ambulant, dort bildet die Zahl nur einen kleinen Ausschnitt ab.

689
Hodentorsionen in urologischen Abteilungen, ohne die Fälle der Kinderchirurgie
539
Fälle von Priapismus, davon 169 mit Shuntoperation
713
hydraulische Penisprothesen
821
künstliche Schließmuskeln, dazu 429 Entfernungen
26
stationäre Wiederherstellungen des Samenleiters nach Vasektomie

Die letzte Zahl ist die kleinste der ganzen Auswertung. Beide Eingriffe erfolgen überwiegend ambulant, über die Gesamtzahl sagen sie deshalb nichts. Aussagekräftig ist allein das Verhältnis innerhalb derselben Datenquelle: Auf 776 stationäre Sterilisationen kommen 26 stationäre Wiederherstellungen des Samenleiters.

Wie lange man bleibt

Die mittlere Verweildauer über alle urologischen Fälle beträgt 4,7 Tage. Dahinter stehen sehr unterschiedliche Behandlungen: Eine diagnostische Harnleiterspiegelung dauert im Mittel 2,5 Tage, eine transurethrale Prostataresektion 4,2 Tage, ein großer Eingriff an den Beckenorganen 6,7 Tage. Der längste Aufenthalt entfällt auf komplexe Nieren- und Blaseneingriffe mit 7,1 Tagen.

Wo behandelt wird

Urologie findet überwiegend in mittelgroßen und großen Häusern statt. Auf Kliniken mit 1.000 und mehr Betten entfallen 12,9 Prozent der Fälle, auf öffentliche Träger insgesamt der größte Anteil. Wo die urologischen Abteilungen in Ihrer Nähe liegen und wie viele Fälle sie behandeln, zeigt unser Klinikfinder mit 459 Einträgen.

Wie viel Krebs die Urologie versorgt

Die bisherigen Zahlen stammen aus der Fachabteilung Urologie. Man kann die Frage auch andersherum stellen: Wie groß ist der urologische Anteil an der Krebsversorgung insgesamt? Dafür haben wir alle Fachabteilungen ausgewertet, also die kompletten 17,2 Millionen Krankenhausfälle des Jahres 2025.

Bei 1.387.608 Fällen war ein solider Tumor die Hauptdiagnose. Blut- und Lymphdrüsenkrebs sind dabei nicht mitgezählt, weil sie eine eigene Systematik haben. Von diesen 1,39 Millionen Fällen betrafen 244.915 die Harnwege oder die männlichen Geschlechtsorgane, also 17,7 Prozent.

OrgangruppeFälleAnteil
Verdauungsorgane326.62423,5 %
Urologie und männliche Genitalorgane244.91517,7 %
Atemwege und Lunge213.43715,4 %
Brust140.72110,1 %
Haut135.5659,8 %
Weibliche Genitalorgane73.7645,3 %
Kopf, Hals und Mundraum52.3783,8 %

Solide Tumoren als Hauptdiagnose, alle Fachabteilungen, Datenjahr 2025. Gezählt werden Krankenhausaufenthalte, nicht Personen.

Damit steht die Urologie auf dem zweiten Platz, hinter den Verdauungsorganen und vor Lunge und Brust. Innerhalb der urologischen Tumoren entfallen 100.133 Fälle auf die Prostata und 93.860 auf die Blase, zusammen also vier von fünf. Es folgen Niere mit 25.919 und Hoden mit 10.425 Fällen.

Die Zahl erklärt, warum ein vergleichsweise kleines Fach so viel onkologische Arbeit trägt, und warum die Versorgung so stark von der Altersentwicklung abhängt: Prostata- und Blasenkarzinom sind Erkrankungen der zweiten Lebenshälfte.

Der Weg aus dem Krankenhaus heraus

Seit 2024 gibt es die Hybrid-Vergütung. Bestimmte Eingriffe werden seither gleich vergütet, egal ob der Patient über Nacht bleibt oder nicht. Das Ziel ist, Aufenthalte zu vermeiden, die medizinisch nicht nötig sind. In der Urologie hat das in kurzer Zeit viel verändert.

2024 wurden bundesweit 294.838 Fälle über die Hybrid-Vergütung abgerechnet, 2025 waren es bereits 547.397. Der urologische Anteil liegt bei etwa einem Fünftel, 52.899 Fälle im Jahr 2024 und 108.885 im Jahr 2025. Zwei der zehn häufigsten Hybrid-Fallgruppen bundesweit sind urologisch.

Eingriff202420252026 (Hochrechnung)
Blasentumor-Resektion2379.43830.600
Hydrozele2858.78710.308
Blasenspiegelung10.80616.15933.322
Harnleiterschiene12.11413.97024.478
Harnleiterstein mit Schienung14.88216.92123.798
Ureterorenoskopie9.07011.12617.102
Perkutane Nierensteinentfernung8.88310.05716.654

Die Werte für 2026 sind auf das Gesamtjahr hochgerechnet. Grundlage sind die bis zum Redaktionsschluss vorliegenden Monate. Endgültige Zahlen liegen erst nach Abschluss des Jahres vor.

Eingriffe im Hybrid-Bereich, Fälle je Jahr. Der Wert für 2026 ist aus Januar bis Mai hochgerechnet und bei saisonabhängigen Eingriffen wie Harnsteinen eher zu niedrig.

Am deutlichsten ist die Verschiebung bei der Blasentumor-Resektion. 2024 wurden 237 dieser Eingriffe hybrid abgerechnet, für 2026 zeichnen sich über 30.000 ab. Bei der Hydrozele war es ein ähnlicher Sprung.

Stellt man beide Wege im selben Zeitraum gegenüber, zeigt sich, wie weit die Verlagerung schon reicht: Von allen Harnleitersteinen, die transurethral behandelt werden, laufen inzwischen etwa vier von fünf ohne stationäre Aufnahme. Bei der Hydrozele sind es fast neun von zehn, bei der Blasentumor-Resektion vier von zehn.

Was das für diese Auswertung bedeutet: Alle übrigen Zahlen auf dieser Seite stammen aus den stationären DRG-Daten. Wo Eingriffe in den Hybrid-Bereich abgewandert sind, geben sie die tatsächliche Menge nicht mehr vollständig wieder. Besonders bei Harnsteinen und der Hydrozele ist der stationäre Teil nur noch ein Ausschnitt.

Für Patienten heißt das: Eingriffe, für die man früher zwei oder drei Tage im Krankenhaus blieb, finden heute oft am selben Tag statt. Die Operation selbst ist dieselbe.

Methodik und Quelle

Die Tabellen dieser Seite als Datei: urologie-in-zahlen-2025.csv. Nutzung frei unter Creative Commons BY 4.0, mit Angabe von UroWissen.de als Quelle.

Grundlage ist die unterjährige Datenlieferung nach §21 Krankenhausentgeltgesetz für den Zeitraum Januar bis Dezember 2025, abgerufen über den DatenBrowser des Instituts für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK). Ausgewertet wurde ausschließlich die Fachabteilung Urologie (Schlüssel 2200) mit 749.188 Fällen. Das ist die zweite wichtige Einschränkung: Was in anderen Abteilungen behandelt wird, etwa Hodentorsionen und Fehlbildungen in der Kinderchirurgie oder Nierentransplantationen in eigenen Zentren, fehlt hier. Zur Einordnung der Größenordnung: Für die radikale Prostatektomie weist unsere Auswertung 34.156 Eingriffe aus, die AOK nennt für 2024 bundesweit rund 34.700. Die Werte decken sich also gut. Prozeduren wurden über den Operationen- und Prozedurenschlüssel (OPS) zusammengefasst; da pro Fall mehrere Prozeduren kodiert sein können, ist die Summe der Prozeduren höher als die Fallzahl. Es handelt sich um vorläufige Daten, die sich durch Nachmeldungen noch ändern können. Ambulante Behandlungen sind nicht enthalten. Das ist die wichtigste Einschränkung dieser Auswertung: Bei Eingriffen, die überwiegend ambulant erfolgen, etwa Beschneidung, Sterilisation, Stoßwellenlithotripsie oder Blasenspiegelung, bildet die genannte Zahl nur einen Ausschnitt ab und sagt nichts über die Häufigkeit in Deutschland insgesamt. Belastbar sind vor allem Eingriffe, die praktisch immer stationär erfolgen, sowie Verhältnisse innerhalb derselben Datenquelle. Für den Zeitvergleich wurden die Datenlieferungen der Jahre 2021 bis 2025 herangezogen; das Jahr 2021 liegt nach dem Fallpauschalenkatalog 2022 gruppiert vor. Stand des Abrufs: August 2026.

Quelle: UroWissen.de, unabhängige urologische Patienteninformation. Dieser Ausdruck ersetzt keine ärztliche Beratung.
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