Er besteht aus drei Teilen: einer Manschette um die Harnröhre, einer Pumpe im Hodensack und einem Reservoir im Bauch. Zum Wasserlassen wird die Pumpe kurz betätigt, danach schließt sich die Manschette von selbst.
Nötig ist, dass man die Pumpe bedienen kann. Geschicklichkeit und Gedächtnis werden vorher geprüft.
Eingesetzt wird er frühestens ein Jahr nach der Operation, wenn sich nichts mehr von allein bessert. Nach etwa zehn Jahren ist bei vielen ein Austausch nötig.
Bei einem Harnverhalt darf kein Katheter gelegt werden, ohne dass die Manschette geöffnet ist. Sagen Sie in der Notaufnahme, dass Sie einen künstlichen Schließmuskel haben.
Der künstliche Schließmuskel ersetzt eine Funktion, die verloren gegangen ist. Er besteht aus drei Teilen: einer aufblasbaren Manschette um die Harnröhre, einem Flüssigkeitsreservoir im Unterbauch und einer Pumpe im Hodensack beziehungsweise in den Schamlippen.
Im Ruhezustand ist die Manschette gefüllt und drückt die Harnröhre zu. Zum Wasserlassen drücken Sie die Pumpe, die Flüssigkeit fließt in das Reservoir, die Manschette öffnet sich für etwa drei Minuten und schließt dann von selbst wieder.
Er gilt seit Jahrzehnten als Goldstandard bei ausgeprägter Belastungsinkontinenz des Mannes und ist das wirksamste verfügbare Verfahren.
Die häufigste Ausgangslage ist eine schwere Inkontinenz nach Prostataentfernung, die sich nach mindestens zwölf Monaten und konsequentem Beckenbodentraining nicht ausreichend gebessert hat.
Ebenfalls infrage kommt er nach Bestrahlung, nach Prostataoperationen wegen gutartiger Vergrößerung und bei neurologisch bedingter Schließmuskelschwäche.
Voraussetzungen sind eine stabile, nicht mehr fortschreitende Situation, eine ausreichend gute Handfunktion und Merkfähigkeit für die Bedienung, ein infektfreier Harntrakt und eine Harnröhre ohne relevante Enge.

Die Operation dauert je nach Zugang ein bis zwei Stunden und erfolgt in Narkose. Bei Männern werden zwei kleine Schnitte gesetzt, am Damm und im Unterbauch. Der Aufenthalt beträgt zwei bis vier Tage.
Wichtig ist der Ablauf danach: Das System wird zunächst deaktiviert eingesetzt und erst nach etwa sechs Wochen aktiviert, damit das Gewebe um die Manschette heilen kann. In dieser Zeit bleibt die Inkontinenz bestehen, was viele überrascht und deshalb vorher besprochen gehört.
Bei der Aktivierung werden Sie in die Bedienung eingewiesen und üben sie unter Anleitung.
Zum Wasserlassen wird die Pumpe im Hodensack mehrmals zusammengedrückt, bis sich die Manschette leert. Danach haben Sie etwa drei Minuten Zeit, in denen die Harnröhre offen ist. Anschließend füllt sich die Manschette von selbst wieder und schließt.
Das bedeutet zwei Umstellungen. Erstens: Sie können nicht mehr spontan loslegen, sondern brauchen einen Moment Vorlauf. Zweitens: Bei sehr voller Blase reichen drei Minuten manchmal nicht, dann wird ein zweites Mal gepumpt.
Die meisten Träger haben diese Abläufe nach wenigen Wochen verinnerlicht. Hilfreich ist, in der Anfangszeit bewusst früher zur Toilette zu gehen, statt zu warten, bis der Druck hoch ist.
Manche Zentren empfehlen, die Manschette nachts zu deaktivieren, um das Gewebe der Harnröhre zu entlasten. Ob das für Sie sinnvoll ist, hängt davon ab, wie stark die Inkontinenz im Liegen ist, und wird individuell entschieden.
Wichtig ist, dass Sie das Deaktivieren beherrschen, unabhängig davon, ob Sie es routinemäßig anwenden. Es wird gebraucht, wenn ein Katheter gelegt werden muss, und in dieser Situation ist oft keine Zeit für lange Erklärungen.
Die Zufriedenheit ist hoch: Die große Mehrheit kommt anschließend mit keiner oder einer Sicherheitsvorlage aus. Vollständige Trockenheit im Sinne von null Tropfen erreichen nicht alle, und das gehört zur realistischen Erwartung.
Die wichtigsten Probleme über die Jahre sind mechanische Defekte, die einen Austausch erfordern, eine Ausdünnung der Harnröhre unter der Manschette und Infektionen. Letztere sind selten, bedeuten aber in aller Regel die Entfernung des Systems.
Nach Bestrahlung ist die Rate an Komplikationen höher, weil das Gewebe schlechter heilt. Das spricht nicht gegen den Eingriff, aber für eine besonders sorgfältige Aufklärung.
Tragen Sie den Implantatausweis immer bei sich. Er ist in zwei Situationen entscheidend: Vor jeder Katheterisierung muss das System deaktiviert werden, sonst kann die Harnröhre unter der Manschette verletzt werden. Und im Notfall muss das Personal wissen, dass ein Implantat vorliegt.
Sagen Sie es jedem Arzt, der einen Blasenkatheter legen will, auch in der Notaufnahme, auch wenn es um etwas völlig anderes geht. Das ist der häufigste vermeidbare Schaden bei diesem Implantat.
Bei leichter bis mittlerer Inkontinenz kommen Schlingensysteme für den Mann infrage, die ohne Pumpe auskommen und einfacher zu bedienen sind. Sie sind allerdings bei ausgeprägter Inkontinenz und nach Bestrahlung deutlich weniger zuverlässig.
Bei Frauen ist das suburethrale Band das Standardverfahren, der künstliche Schließmuskel bleibt dort besonderen Situationen vorbehalten.
Viele Systeme funktionieren zehn Jahre und länger. Ein Teil der Träger benötigt im Verlauf einen Austausch wegen mechanischen Defekts. Das ist ein planbarer Eingriff und kein Versagen des Verfahrens.
Sichtbar nicht, tastbar ja. Sie liegt im Hodensack und ist etwa kirschgroß. Beim Sitzen oder in enger Kleidung ist sie in der Regel nicht störend, an das Gefühl gewöhnen sich die meisten innerhalb weniger Wochen.
Leitlinien
• S2k-Leitlinie Belastungsinkontinenz des Mannes. DGU, AWMF, 2023.
• European Association of Urology. EAU Guidelines on Urinary Incontinence. Ausgabe 2024.
Reviews
• Van der Aa, F. et al. The artificial urinary sphincter after a quarter of a century: a critical systematic review. European Urology, 2013;63(4):681-689.