Künstlicher Schließmuskel, auch artifizieller Sphinkter, ist ein implantiertes hydraulisches System, das die Harnröhre verschließt und auf Knopfdruck öffnet. Es ist die wirksamste Behandlung bei schwerer Belastungsinkontinenz des Mannes, vor allem nach radikaler Prostatektomie, und wird seit über 50 Jahren eingesetzt; das gängige System heißt AMS 800.
Aufbau: Drei Teile: eine aufblasbare Manschette, die um die Harnröhre gelegt wird, ein Ballonreservoir im Unterbauch, das den Druck vorgibt, und eine Pumpe im Hodensack. Im Ruhezustand ist die Manschette gefüllt und verschließt die Harnröhre. Zum Wasserlassen drückt der Patient die Pumpe zwei- bis dreimal, die Flüssigkeit fließt ins Reservoir, die Harnröhre öffnet sich, und nach etwa drei Minuten füllt sich die Manschette von selbst wieder.
Für wen: Männer mit mittelschwerer bis schwerer Belastungsinkontinenz, die mindestens zwölf Monate nach Prostataoperation trotz Beckenbodentraining anhält, mit mehreren Vorlagen am Tag. Nach Bestrahlung ist er Bandoperationen überlegen. Voraussetzungen sind ausreichende Handfunktion und geistige Fähigkeit zur Bedienung, eine Harnröhre ohne Enge und keine aktive Infektion. Bei Frauen wird er selten und nur in Zentren eingesetzt.
Ergebnisse und Risiken: Etwa 80 bis 90 Prozent der Männer sind danach trocken oder brauchen höchstens eine Sicherheitsvorlage, die Zufriedenheit ist hoch. Der Eingriff dauert ein bis zwei Stunden, das System wird sechs Wochen nach der Operation aktiviert. Risiken sind Infektion und Druckschaden der Harnröhre mit Freilegung in etwa fünf Prozent, die eine Entfernung erfordern, mechanische Defekte und Harnröhrenschwund unter der Manschette nach Jahren. Innerhalb von zehn Jahren braucht etwa jeder dritte Patient eine Revision. Bei jedem Katheterwechsel muss das System zuvor deaktiviert werden, der Patient trägt einen Implantatausweis.