Urologie der Frau

Urologie der Frau

Urologische Erkrankungen betreffen keineswegs nur Männer. Frauen leiden häufig unter Harnwegsinfekten, Inkontinenz und Beckenbodenproblemen.

Häufige Krankheitsbilder

  • Belastungsinkontinenz – Urinverlust bei Husten, Niesen, Heben (häufigste Form bei Frauen)
  • Dranginkontinenz/OAB – überaktive Blase mit imperativem Harndrang
  • Rezidivierende Harnwegsinfekte – ≥3 Infekte pro Jahr, besonders postmenopausal
  • Interstitielle Zystitis/Blasenschmerzsyndrom – chronischer Beckenschmerz mit Pollakisurie
  • Beckenbodensenkung (Prolaps) – Descensus von Blase (Zystozele), Uterus, Rektum (Rektozele)
  • Urethraldivertikel – Aussackung der Harnröhre mit rezidivierenden Infekten
  • Urethralkarunkel – gutartige Schleimhautvorwölbung am Harnröhrenausgang

Beckenboden & Inkontinenz

Der Beckenboden ist eine komplexe Muskel-Bindegewebsplatte, die die Beckenorgane (Blase, Uterus, Rektum) stützt und an der Kontinenz beteiligt ist. Schwangerschaft, vaginale Geburten, Übergewicht, chronischer Husten und Alterungsprozesse (Östrogenmangel postmenopausal) können den Beckenboden schwächen. Therapieoptionen: konservativ (Beckenbodentraining, Biofeedback, Pessare, Elektrostimulation), medikamentös (Anticholinergika, Mirabegron, lokale Östrogene), minimal-invasiv (Botulinumtoxin, sakrale Neuromodulation) und operativ (TVT/TOT-Bänder bei Belastungsinkontinenz, Kolposuspension, Mesh-gestützte Prolapsrekonstruktion).

Vorsorge

Regelmäßiges Beckenbodentraining (auch präventiv!), ausreichende Trinkmenge, D-Mannose, Cranberry, Immunstimulation (Uro-Vaxom, StroVac). Postmenopausal: lokale Östrogentherapie. Auch Frauen gehören zum Urologen – Urogynäkologie ist ein wichtiges Subspezialgebiet!

Harnwegsinfekte und Rezidivprophylaxe

Frauen sind aufgrund der kurzen Harnröhre (3-4 cm) deutlich häufiger von Harnwegsinfekten betroffen als Männer. 50% aller Frauen erleben mindestens eine Zystitis, 20-30% entwickeln Rezidive. Postmenopausale Frauen: Östrogenmangel führt zu Veränderungen der Vaginalflora und erhöht das HWI-Risiko. Prophylaxeoptionen: ausreichende Trinkmenge (>2L/Tag), D-Mannose, Cranberry-Präparate, vaginale Östrogenisierung, Immunstimulation (Uro-Vaxom, StroVac), antibiotische Langzeitprophylaxe als letzte Option.

Inkontinenz und Beckenbodenschwäche

25% aller Frauen sind von Harninkontinenz betroffen, nach Schwangerschaft und Geburt deutlich häufiger. Belastungsinkontinenz (Urinverlust bei Husten, Niesen, Lachen) ist die häufigste Form. Therapie: Beckenbodentraining als First-Line (Evidenzgrad 1A, 50-70% Besserung), Pessartherapie, Duloxetin, suburethrale Bänder (TVT/TOT) mit 80-90% Langzeiterfolg. Senkungsbeschwerden (Deszensus): Beckenbodentraining, Pessartherapie, operative Korrektur bei fortgeschrittenem Deszensus.

⚠️ Medizinischer Hinweis

Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung. Konsultieren Sie bei Beschwerden Ihren Urologen.