Der Eingriff dauert etwa 30 Minuten. Etwa 80 von hundert Frauen sind danach trocken oder deutlich gebessert.
Vorher gehört immer der Versuch mit Beckenbodentraining. Ein Band ist der zweite Schritt, nicht der erste.
Die Kunststoffnetze im Beckenboden sind in die Kritik geraten. Das betraf vor allem großflächige Netze bei Senkungen, nicht diese schmalen Bänder. Trotzdem gehören Nutzen und Risiken vorher besprochen.
Bei der Belastungsinkontinenz geht Urin ab, wenn der Druck im Bauchraum steigt, also beim Husten, Niesen, Lachen oder Heben. Ursache ist ein nachgebender Halt der Harnröhre, meist nach Geburten und begünstigt durch die hormonelle Umstellung.
Das suburethrale Band ist ein schmaler Kunststoffstreifen, der spannungsfrei unter der mittleren Harnröhre platziert wird. Es hebt nichts an und zieht nichts zusammen. Es liefert lediglich ein Widerlager: Steigt der Druck, wird die Harnröhre dagegen gedrückt und schließt.
Deshalb heißt das Verfahren spannungsfrei. Ein zu straff gelegtes Band würde die Entleerung behindern, ein zu lockeres nichts bewirken.

Retropubisch. Das Band wird hinter dem Schambein nach oben geführt. Etwas bessere Langzeitergebnisse, dafür ein sehr geringes Risiko einer Blasen- oder Gefäßverletzung, weshalb während der Operation eine Blasenspiegelung erfolgt.
Transobturatorisch. Das Band wird seitlich durch eine Öffnung im Beckenknochen geführt. Geringeres Risiko für Blasenverletzungen, dafür häufiger Schmerzen im Bereich der Leiste oder Oberschenkelinnenseite.
Beide Wege sind etabliert. Welcher gewählt wird, hängt vom Befund, von Voroperationen und von der Erfahrung des Operateurs ab.
Das Band wirkt ausschließlich gegen Belastungsinkontinenz. Bei einer Dranginkontinenz hilft es nicht, und bei einer Mischform bleibt der Drangteil bestehen. Diese Unterscheidung ist der wichtigste Schritt vor der Entscheidung.
Dazu gehören ein Blasentagebuch, die Restharnmessung, der Ausschluss eines Infekts und häufig eine urodynamische Untersuchung, insbesondere bei gemischten Beschwerden oder Voroperationen.
Vorher ausgeschöpft sein sollte außerdem das Beckenbodentraining, angeleitet und über mindestens drei Monate. Bei einem Teil der Frauen erübrigt sich die Operation dadurch.
Die Zufriedenheit nach dem Eingriff hängt weniger von der Operationstechnik ab als davon, ob die Indikation stimmte. Drei Situationen führen regelmäßig zu Enttäuschung.
Eine übersehene Drangkomponente. Wer vorher auch Drangbeschwerden hatte, hat sie hinterher noch, während die Belastungsinkontinenz verschwunden ist. Ohne vorherige Aufklärung wirkt das wie ein Misserfolg, obwohl der Eingriff genau das erreicht hat, was er soll.
Unbehandeltes Übergewicht. Ein hoher Bauchinnendruck belastet die Konstruktion dauerhaft. Eine Gewichtsabnahme vor dem Eingriff verbessert die Aussichten und lindert die Beschwerden oft schon für sich.
Fortbestehender Husten. Bei chronischem Husten, etwa bei Rauchern oder bei Lungenerkrankungen, wirkt bei jedem Hustenstoß eine Kraft auf das Band. Wer aufhören kann zu rauchen, sollte das vorher tun.
Die Operation dauert etwa dreißig Minuten und erfolgt in Regional- oder Vollnarkose. Über einen kleinen Schnitt in der Scheidenvorderwand und zwei winzige Hautschnitte wird das Band eingebracht. Der Aufenthalt beträgt ein bis zwei Tage, oft ist ein ambulantes Vorgehen möglich.
Die Wirkung ist meist sofort da. Für sechs Wochen gilt Schonung: kein schweres Heben, kein Sport, kein Geschlechtsverkehr, kein Vollbad. Verstopfung sollte konsequent vermieden werden, weil Pressen die Heilung stört.
Mögliche Komplikationen sind Restharn oder erschwerte Entleerung, neu auftretende Drangbeschwerden, Schmerzen und, selten, ein Durchtreten des Bandes durch die Scheidenwand. Letzteres erfordert einen Zweiteingriff.
Neben dem Beckenbodentraining stehen Pessare zur mechanischen Unterstützung, das Auffüllen der Harnröhrenwand mit einem Gel und bei ausgeprägten Formen der künstliche Schließmuskel zur Verfügung. Bei Frauen ohne Kunststoffwunsch ist außerdem die Kolposuspension eine etablierte Operation mit Eigengewebe.
Es wird nicht abgebaut und bleibt dauerhaft liegen. Langzeitdaten über zehn bis siebzehn Jahre zeigen bei der Mehrheit anhaltende Trockenheit. Die Wirkung kann über die Jahre nachlassen, insbesondere bei erneuten Belastungen oder Gewichtszunahme.
Eine Durchtrennung ist bei Entleerungsproblemen unkompliziert möglich und meist sofort wirksam. Eine vollständige Entfernung ist aufwendiger, weil das Band einwächst, aber an spezialisierten Zentren möglich. Beides sollte vor der Operation angesprochen werden.
Grundsätzlich ja, empfohlen wird der Eingriff aber erst nach abgeschlossener Familienplanung. Eine Schwangerschaft und besonders eine vaginale Geburt können den Erfolg zunichtemachen.
Leitlinien
• S2k-Leitlinie Belastungsinkontinenz der Frau. DGGG/AGUB, AWMF-Register-Nr. 015-005, 2022.
Reviews
• Ford, A. A. et al. Mid-urethral sling operations for stress urinary incontinence. Cochrane Database, 2017. PMID 28756647
• Ford, A. A. et al. Mid-urethral sling operations for stress urinary incontinence in women. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2017;7:CD006375. PMID 28756647