TVT-Band steht für Tension-free Vaginal Tape, das spannungsfreie Vaginalband, die heute weltweit häufigste Operation bei Belastungsinkontinenz der Frau. Ein etwa einen Zentimeter breites Kunststoffband wird über einen kleinen Schnitt in der Scheide unter die mittlere Harnröhre gelegt, wo es das überdehnte pubourethrale Band ersetzt und bei Belastung als Widerlager dient.
Prinzip: Das Band liegt in Ruhe locker, ohne Zug, daher spannungsfrei. Beim Husten oder Niesen drückt der Bauchdruck die Harnröhre gegen das Band, und sie wird verschlossen. Entwickelt wurde es 1996 von Ulf Ulmsten und Peter Petros auf Grundlage der Integraltheorie. Beim TVT werden die Bandenden hinter dem Schambein nach oben ausgeleitet, beim TOT oder TVT-O durch das Foramen obturatum seitlich zur Leiste; beide Wege sind gleichwertig, das TOT hat weniger Blasenverletzungen, das TVT etwas bessere Ergebnisse bei schwachem Schließmuskel.
Ablauf und Ergebnis: Ambulant oder mit einer Übernachtung, in örtlicher Betäubung, Rückenmarks- oder Vollnarkose, Dauer 20 bis 30 Minuten. Nach dem Eingriff wird geprüft, ob die Blase sich entleert. Heilungsraten liegen nach zehn Jahren bei 80 bis 90 Prozent, die Zufriedenheit ist hoch. Voraussetzung ist eine reine oder überwiegende Belastungsinkontinenz nach Hustentest und gegebenenfalls Blasendruckmessung; bei Drangbeschwerden hilft das Band nicht und kann sie verstärken.
Risiken: Blasenverletzung beim Einlegen bei zwei bis fünf Prozent, die durch die Blasenspiegelung während der Operation erkannt und ohne Folgen behandelt wird. Entleerungsstörung bei etwa fünf Prozent, selten dauerhaft; dann kann das Band gelockert oder durchtrennt werden. Neu auftretender Harndrang bei 5 bis 10 Prozent. Freiliegendes Band in der Scheide bei ein bis zwei Prozent, Schmerzen beim Sex oder in der Leiste selten. Im Unterschied zu großflächigen Senkungsnetzen gilt das schmale Band in den Leitlinien weiterhin als sicher und empfohlen.