Eine kinderurologische Vorstellung empfiehlt sich bei: wiederkehrenden Harnwegsinfekten (besonders bei Jungen und Mädchen unter 2 Jahren), pränatal diagnostizierter Harnwegsdilatation, Bettnässen über das 5. Lebensjahr hinaus, nicht tastbarem Hoden nach dem 6. Lebensmonat, Auffälligkeiten am äußeren Genitale, Blasenentleerungsstörungen und Schmerzen oder Schwellungen im Genitalbereich.
Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Die Kinderurologie berücksichtigt die altersspezifische Entwicklung der Harnwege, verwendet kindgerechte Diagnostik (z.B. Miktionszystourethrographie nur bei klarer Indikation) und minimal-invasive Operationstechniken. Viele Eingriffe können heute ambulant durchgeführt werden. Die enge Zusammenarbeit mit Kindernephrologen und Kinderchirurgen ist essentiell.
3% aller Jungen kommen mit einem nicht vollständig deszendierten Hoden zur Welt (bei Frühgeborenen bis 30%). Spontandeszensus in den ersten 6 Lebensmonaten möglich. Therapie: Orchidopexie (operative Verlagerung in den Hodensack) idealerweise mit 6-12 Monaten, spätestens bis 18 Monate. Jedes Jahr Hodenhochstand erhöht das Infertilitäts- und Hodenkrebsrisiko irreversibel. Auch nach erfolgreicher OP bleibt das Krebsrisiko 2-8-fach erhöht – lebenslange Selbstuntersuchung!
Phimose: Die physiologische Vorhautenge löst sich bei den meisten Jungen bis zum 6.-7. Lebensjahr spontan. Erst bei Beschwerden (Ballonierung, Infekte, Vernarbung) Therapie: Kortisonsalbe (70-90% Erfolg), Zirkumzision nur bei Versagen. Hypospadie (Harnröhrenmündung an Unterseite des Penis): betrifft 1:300 Jungen, OP meist mit 6-18 Monaten. Vesikoureteraler Reflux (VUR): Rückfluss von Urin aus der Blase in die Nieren, betrifft 1% aller Kinder, häufigste Ursache von Nierenschäden im Kindesalter. Grad I-III: konservativ (antibiotische Prophylaxe), Grad IV-V: operative Korrektur.
⚠️ Medizinischer Hinweis
Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung. Konsultieren Sie bei Beschwerden Ihren Urologen.