Wie stark sie ausgeprägt ist, entscheidet über das Vorgehen. Bei leichten Formen ist keine Operation nötig, bei ausgeprägten wird meist im ersten oder zweiten Lebensjahr operiert.
Die Vorhaut wird für die Operation gebraucht. Deshalb sollte bei bekannter Hypospadie vorher nicht beschnitten werden.
Die häufigsten Nachbesserungen betreffen Fisteln und Engstellen. Sie sind kein Zeichen für ein Missgeschick, sondern gehören zu diesem Eingriff dazu.
Bei einer Hypospadie mündet die Harnröhre nicht an der Spitze der Eichel, sondern weiter unten an der Unterseite des Penis. Sie entsteht in der Schwangerschaft, wenn sich die Harnröhrenrinne nicht vollständig schließt. Etwa eines von 200 bis 300 neugeborenen Jungen ist betroffen, damit gehört sie zu den häufigeren angeborenen Besonderheiten.
Zur Hypospadie gehören meist zwei weitere Merkmale, die zusammen das typische Bild ergeben: eine nur auf der Oberseite ausgebildete Vorhaut, die wie eine Schürze wirkt, und eine Krümmung des Penis nach unten.

Bei einer ausgeprägten Form, besonders wenn zugleich beide Hoden nicht im Hodensack liegen, wird vor der Operation eine hormonelle und genetische Abklärung empfohlen.
Nicht aus kosmetischen Gründen allein. Drei Ziele stehen dahinter: ein gerader Penis, eine Harnröhrenmündung an der Spitze, damit im Stehen gezielt Wasser gelassen werden kann, und ein Erscheinungsbild, das dem Kind später keine Erklärungen abverlangt.
Bei sehr gering ausgeprägten Formen ohne Krümmung und mit weit vorne liegender Mündung kann auch bewusst nicht operiert werden. Diese Entscheidung will jedoch gut besprochen sein, weil sie später schwerer nachzuholen ist.
Operiert wird üblicherweise zwischen dem sechsten und dem achtzehnten Lebensmonat. In diesem Alter ist die Narkose gut steuerbar, die Wundheilung besonders gut, und das Kind erinnert sich später nicht daran.
Der Eingriff dauert je nach Ausprägung ein bis drei Stunden. Aus der Vorhaut oder aus der vorhandenen Harnröhrenrinne wird ein Rohr geformt, die Krümmung wird begradigt, und die neue Mündung wird an der Spitze angelegt. Für einige Tage bis zwei Wochen bleibt ein dünner Katheter liegen, über den der Urin abfließt, damit die Naht in Ruhe heilen kann.
Der stationäre Aufenthalt beträgt meist wenige Tage. Danach folgen zu Hause Bad- und Salbenpflege nach Anleitung sowie eine Zeit ohne Toben, Radfahren und Sandkasten.
Die häufigste Komplikation ist eine kleine Fistel, also eine zusätzliche Öffnung an der Unterseite, aus der beim Wasserlassen ein zweiter Strahl austritt. Sie ist unangenehm, aber gut zu verschließen, allerdings erst nach einigen Monaten, wenn das Gewebe ausgeheilt ist. Seltener sind eine Verengung der neuen Mündung oder eine Enge im Verlauf der neuen Harnröhre.
Wichtig für Eltern: Eine Nachoperation ist kein Zeichen dafür, dass beim ersten Eingriff etwas schiefgelaufen ist. Sie gehört bei diesem Krankheitsbild zu den einkalkulierten Möglichkeiten, besonders bei den ausgeprägten Formen.
Nach einer gelungenen Korrektur ist das Wasserlassen normal, die Erektionsfähigkeit unbeeinträchtigt und die Zeugungsfähigkeit nicht eingeschränkt, sofern keine weiteren Besonderheiten vorliegen.
Sinnvoll ist eine urologische Kontrolle in der Pubertät. In dieser Zeit wächst der Penis stark, und gelegentlich zeigt sich dann noch eine Restkrümmung oder eine Enge, die vorher nicht auffiel.
In aller Regel ja. Nach erfolgreicher Korrektur ist der Strahl gerade und gezielt, die Erektion normal und die Fruchtbarkeit nicht durch die Hypospadie selbst eingeschränkt. Anders kann es aussehen, wenn zusätzlich beide Hoden nicht abgestiegen waren, das wird gesondert abgeklärt.
Weil die Heilung in diesem Alter am besten ist, das Kind keine Erinnerung daran behält und die Sauberkeitserziehung noch nicht begonnen hat. Eine spätere Operation ist möglich, aber für das Kind belastender.
Fragen Sie nach der Zahl der Hypospadiekorrekturen pro Jahr und danach, wie häufig dort Nachoperationen nötig werden. Bei diesem Eingriff hängt das Ergebnis stark von der Erfahrung ab, deshalb ist die Frage angemessen und wird an guten Zentren gern beantwortet.
Leitlinien
• European Association of Urology. EAU Guidelines on Paediatric Urology. Ausgabe 2025.