Bei Jungen tritt sie oft nach einer Beschneidung auf, bei Erwachsenen nach Entzündungen oder bei einer Hauterkrankung namens Lichen sclerosus.
Ein einfaches Aufdehnen hilft meist nur vorübergehend. Dauerhaft wirkt ein kleiner Eingriff, bei dem die Öffnung erweitert und vernäht wird.
Steckt ein Lichen sclerosus dahinter, gehört die Haut mitbehandelt. Sonst kommt die Enge zurück.
Die Meatusstenose ist eine Verengung der äußeren Harnröhrenmündung, also der Öffnung an der Spitze. Der Urin muss durch ein zu kleines Loch, und das verändert den Strahl auf eine Weise, die Eltern und Betroffenen meist als Erstes auffällt.
Schmerzen bestehen häufig nicht. Genau deshalb bleibt die Verengung oft lange unbemerkt, bis jemand auf den auffälligen Strahl aufmerksam wird.
Bei Jungen nach einer Beschneidung. Ohne die schützende Vorhaut liegt die Mündung dem Windelinhalt und der Kleidung unmittelbar an. Wiederholte Reizungen führen zu einer entzündlichen Verklebung, die vernarbt. Das ist die häufigste Ursache im Kindesalter.
Bei Jugendlichen und Erwachsenen durch eine Hauterkrankung. Der Lichen sclerosus ist eine chronische, weißlich vernarbende Veränderung an Eichel und Vorhaut, die sich in die Mündung fortsetzen kann. Sie ist die wichtigste Ursache jenseits des Kindesalters, wird oft spät erkannt und braucht eine eigene Behandlung.
Seltener entsteht die Enge nach Verletzungen, nach Kathetereinlagen oder nach einer Hypospadiekorrektur.

Eine verengte Mündung wirkt zunächst wie ein kosmetisches Detail. Tatsächlich verändert sie die gesamte Mechanik des Wasserlassens, und zwar von unten nach oben.
Um dieselbe Menge durch eine kleinere Öffnung zu pressen, muss der Blasenmuskel mehr Kraft aufwenden. Über Jahre verdickt sich die Blasenwand, sie wird weniger dehnbar, und es bleibt Restharn zurück. Restharn wiederum begünstigt Infekte und in seltenen Fällen Steine.
Bei Kindern kommt hinzu, dass die Blase sich noch in der Entwicklung befindet. Eine langjährige Abflussbehinderung kann dann Muster hinterlassen, die auch nach der Erweiterung bestehen bleiben und ein Blasentraining erfordern.
Genau deshalb wird nicht nur nach dem Aussehen der Öffnung entschieden, sondern nach dem Strahl, der Miktionsdauer und dem Restharn im Ultraschall.
Der wichtigste Befund ist banal: das Zusehen beim Wasserlassen. Ein dünner, spritzender oder abgelenkter Strahl ist aussagekräftiger als jede Messung, und bei Kindern schildern ihn die Eltern oft treffender als jeder Befundbogen.
Ergänzt wird das durch die Harnstrahlmessung, bei der in ein Trichtergerät uriniert und der Fluss aufgezeichnet wird. Typisch für eine Enge an der Mündung ist eine flache, langgezogene Kurve statt des normalen Glockenverlaufs.
Dazu kommen der Ultraschall mit Restharnmessung und die Inspektion der Mündung. Eine Spiegelung ist selten nötig und wird meist erst erwogen, wenn sich der Verdacht auf eine Enge tiefer in der Harnröhre ergibt, siehe Harnröhrenstriktur.
Eine relevante Verengung wird durch einen kleinen Eingriff erweitert: Die Mündung wird auf der Unterseite eingeschnitten und die Ränder werden vernäht, damit sie nicht wieder verkleben. Das ist bei Kindern eine kurze Narkose, bei Erwachsenen häufig in örtlicher Betäubung möglich.
Der Schlüssel liegt in der Nachbehandlung. Ohne konsequentes Auseinanderhalten in den ersten Wochen, meist durch tägliches Auftragen einer Salbe und vorsichtiges Spreizen nach Anleitung, verklebt die Stelle erneut. Genau daran scheitern die meisten Rückfälle, nicht am Eingriff selbst.
Reine Aufdehnungen ohne Schnitt sind wenig erfolgreich und schmerzhaft, sie werden nicht mehr empfohlen.
Weil die häufigste Ursache im Kindesalter die Reizung der ungeschützten Mündung ist, lohnt sich in den ersten Monaten nach einer Beschneidung besondere Aufmerksamkeit.
Sinnvoll sind häufige Windelwechsel, eine dünne Schicht Wund- oder Vaselinesalbe auf der Mündung als mechanischer Schutz, und der Verzicht auf scharfe Reinigungsmittel. Ein leichtes Verkleben der Ränder am Morgen ist häufig und lässt sich beim Waschen sanft lösen.
Beobachten Sie den Strahl. Wird er über Wochen dünner, spritzt er weit oder lenkt er nach oben ab, ist das der Zeitpunkt für eine Vorstellung, nicht erst dann, wenn das Wasserlassen sichtbar Mühe macht.
Beim Lichen sclerosus reicht die Erweiterung allein nicht aus. Behandelt wird zusätzlich mit einer stark wirksamen kortisonhaltigen Salbe über mehrere Wochen, und der Verlauf wird kontrolliert, weil die Erkrankung wiederkehren und weiter in die Harnröhre hineinreichen kann.
Zwei Punkte machen sie besonders: Sie betrifft auch Erwachsene mit langem Verlauf, und sie geht mit einem geringen, aber bestehenden Risiko für bösartige Veränderungen an der Eichel einher. Regelmäßige Kontrollen gehören deshalb dazu.
Nein. Behandelt wird, wenn der Strahl deutlich verändert ist, das Wasserlassen erschwert oder verlängert ist, wenn die Blase sich nicht vollständig entleert oder wiederholt Infekte auftreten. Eine optisch kleine Öffnung ohne Beschwerden braucht keinen Eingriff.
Sie kann, vor allem wenn die Nachbehandlung nicht konsequent erfolgt oder wenn ein Lichen sclerosus zugrunde liegt. Halten Sie sich genau an die Anweisungen zur Salbenanwendung in den ersten Wochen, das ist der wirksamste Schutz vor einem Rückfall.
Leitlinien
• European Association of Urology. EAU Guidelines on Urethral Strictures. Ausgabe 2025.