Ursachen sind Entzündungen, Verletzungen, frühere Katheter oder Eingriffe über die Harnröhre. Manchmal findet sich kein Grund.
Ein kurzer Schnitt von innen ist schnell gemacht, die Enge kommt aber häufig wieder. Bei etwa der Hälfte kehrt sie innerhalb von zwei Jahren zurück.
Dauerhaft hilft meist nur eine offene Rekonstruktion, oft mit Schleimhaut aus der Wange. Sie ist aufwendiger und hält bei den meisten.
Bei einer Harnröhrenstriktur ist die Harnröhre durch narbiges Gewebe eingeengt. Anders als bei einer Prostatavergrößerung, die von außen drückt, ist hier die Wand selbst verändert: Sie verliert ihre Elastizität und kann sich beim Wasserlassen nicht mehr weiten.
Betroffen sind fast ausschließlich Männer, weil ihre Harnröhre zwanzig Zentimeter lang ist und in weiten Teilen ungeschützt verläuft. Bei Frauen sind Strikturen eine Rarität.
Nach ärztlichen Eingriffen. Dies ist heute die häufigste Ursache: nach Kathetereinlagen, nach Blasenspiegelungen, nach Prostataoperationen. Der Grund ist meist eine Druckschädigung der Schleimhaut, die über Wochen vernarbt.
Nach Verletzungen. Ein Sturz auf den Damm, ein Beckenbruch bei einem Unfall oder eine Penisfraktur mit Beteiligung der Harnröhre.
Nach Entzündungen. Früher waren Gonokokken die Hauptursache, heute selten. Häufiger ist der Lichen sclerosus, eine chronische, weißlich vernarbende Hauterkrankung, die sich von der Eichel in die Harnröhre fortsetzen kann und lange Strikturen erzeugt.
Bei einem Teil der Betroffenen findet sich keine Ursache.
Das Leitsymptom ist ein schwacher Harnstrahl, der sich über Monate bis Jahre schleichend entwickelt. Typisch sind zusätzlich ein aufgesplitterter oder verdrehter Strahl, verlängertes Wasserlassen, Nachtröpfeln und das Gefühl, nicht fertig zu werden.
Weil das genauso klingt wie eine Prostatavergrößerung, werden Strikturen häufig zunächst mit Prostatamedikamenten behandelt, die naturgemäß nicht wirken. Ein Hinweis auf die Striktur ist ein junges Alter, eine Vorgeschichte mit Kathetern oder Verletzungen und ein Strahl, der eher spritzt als schwach fließt.
Im Verlauf kommen wiederholte Harnwegsinfekte, Restharn, Blasensteine und schließlich der Harnverhalt hinzu.

Die Harnstrahlmessung zeigt eine charakteristische Kurve: flach und langgezogen wie ein Plateau, während sie bei einer Prostatavergrößerung eher abgerundet abfällt. Diese Form ist so typisch, dass sie den Verdacht meist begründet.
Bestätigt wird er durch die Darstellung der Harnröhre mit Kontrastmittel, die Lage und Länge der Enge zeigt, sowie durch die Spiegelung. Beide zusammen liefern die Information, die für die Wahl des Verfahrens entscheidend ist: Wie lang ist die Enge und wo genau sitzt sie?
Ergänzend kommen Ultraschall mit Restharnmessung und Urinuntersuchung hinzu.
Die Schlitzung oder Bougierung ist der schnellste Weg: Die Enge wird endoskopisch eingeschnitten oder aufgedehnt. Der Eingriff ist kurz und wenig belastend, und der Strahl ist sofort besser.
Der Haken: Es wird nichts entfernt, sondern nur ein Kanal durch die Narbe gebahnt. Über Monate vernarbt dieselbe Stelle erneut, oft ausgedehnter als vorher. Die Rückfallrate liegt bei über der Hälfte, und mit jeder Wiederholung sinken die Aussichten weiter.
Die offene Rekonstruktion entfernt das narbige Stück. Bei kurzen Engen werden die gesunden Enden direkt vernäht. Bei längeren wird die Harnröhre mit körpereigenem Gewebe erweitert, meist mit Mundschleimhaut von der Wangeninnenseite, die sich dafür besonders eignet und an der Entnahmestelle folgenlos abheilt.
Der Eingriff ist aufwendiger, erfordert einen Klinikaufenthalt und für zwei bis drei Wochen einen Katheter. Dafür liegt die dauerhafte Erfolgsrate bei über 85 Prozent.
Nach der Rekonstruktion wird der Katheter nach zwei bis drei Wochen entfernt, häufig nach einer Röntgenkontrolle, die zeigt, dass die Naht dicht ist. Schweres Heben und Radfahren sind für einige Wochen tabu.
Kontrolliert wird über Jahre mit der Harnstrahlmessung, weil ein Rückfall sich zuerst dort zeigt, lange bevor Beschwerden auftreten. Ein Abfall der Werte ist der Anlass, genauer hinzusehen.
Bei zugrunde liegendem Lichen sclerosus gehört die Hauterkrankung dauerhaft mitbehandelt, sonst kehrt die Enge zurück.
Weil jede Schlitzung neues Narbengewebe erzeugt. Die erste hat eine gewisse Aussicht auf Dauerhaftigkeit, bei kurzen Engen und erstem Auftreten. Ab der zweiten sinkt sie stark, und die Enge wird länger, was die spätere Rekonstruktion schwieriger macht. Deshalb ist der frühe Wechsel des Vorgehens die bessere Entscheidung.
Dabei führt man sich regelmäßig selbst einen Katheter ein, um die Enge offen zu halten. Es ist eine Möglichkeit, wenn eine Operation nicht infrage kommt, etwa bei erheblichen Begleiterkrankungen. Es heilt nichts, sondern hält den Zustand, und es muss lebenslang fortgeführt werden.
Vorübergehende Veränderungen kommen vor und bilden sich meist innerhalb weniger Monate zurück. Dauerhafte Erektionsstörungen sind bei den üblichen Verfahren selten, das Risiko steigt bei Eingriffen im hinteren Harnröhrenabschnitt nach Beckenverletzungen. Das gehört ins Aufklärungsgespräch.
Leitlinien
• European Association of Urology. EAU Guidelines on Urethral Strictures. Ausgabe 2025.