Betroffene beschreiben ein hörbares Knacken, sofortigen Schmerz, den raschen Verlust der Erektion und eine starke Schwellung mit Bluterguss.
Das kann ein Notfall sein. Wird innerhalb weniger Stunden operiert, heilt es nach Studienlage meist folgenlos.
Wer aus Scham wartet, riskiert eine dauerhafte Krümmung und eine Erektionsstörung. Fahren Sie sofort in eine Notaufnahme.
Wird innerhalb weniger Stunden operiert, heilt es nach Studienlage meist folgenlos. Wer aus Scham wartet, riskiert eine dauerhafte Krümmung.
Der Begriff Fraktur ist irreführend, denn im Penis gibt es keinen Knochen. Reißen kann die feste Bindegewebshülle, die den Schwellkörper umgibt. Das geschieht nur im erigierten Zustand, wenn der Druck im Inneren hoch und die Hülle dünn ausgedehnt ist.
Der typische Hergang ist ein Anprall beim Geschlechtsverkehr, wenn der Penis abrutscht und gegen den Schambein- oder Dammbereich stößt. Seltener geschieht es beim gewaltsamen Abknicken.

Die Schilderung ist so charakteristisch, dass die Diagnose meist allein daraus gestellt wird. Drei Dinge treten fast immer gemeinsam auf:
Eine Bildgebung ist nicht immer nötig. Bei unklarem Befund oder zur Beurteilung der Ausdehnung kommen Ultraschall oder eine Kernspintomografie infrage, sie dürfen die Operation aber nicht verzögern.
Bei einem Teil der Betroffenen ist zusätzlich die Harnröhre verletzt. Hinweise darauf sind Blut am Harnröhrenausgang, Blut im Urin oder die Unfähigkeit, Wasser zu lassen.
Erwähnen Sie diese Symptome ausdrücklich, auch wenn nicht danach gefragt wird. Eine übersehene Harnröhrenverletzung führt später zu einer Harnröhrenenge, die deutlich aufwendiger zu behandeln ist als die ursprüngliche Verletzung.
Nicht jede schmerzhafte Schwellung nach dem Geschlechtsverkehr ist eine Ruptur. Zwei harmlosere Situationen kommen häufiger vor und lassen sich unterscheiden.
Eine geplatzte oberflächliche Vene verursacht einen Bluterguss, aber kein Knacken und keinen plötzlichen Verlust der Erektion. Die Schwellung ist begrenzt, der Penis bleibt gerade.
Ein Einriss des Vorhautbändchens blutet mitunter kräftig und wirkt dramatisch, ist aber oberflächlich und heilt meist ohne Operation.
Die Unterscheidung trifft die Untersuchung, nicht das Gefühl. Im Zweifel gilt: lieber einmal zu viel vorstellen als eine Ruptur verpassen.
Die Bindegewebshülle des Schwellkörpers ist im erschlafften Zustand etwa zwei Millimeter dick und sehr belastbar. Bei voller Erektion dehnt sie sich auf einen Bruchteil davon aus, weil der Innendruck sie über die gesamte Fläche spannt.
In diesem Zustand genügt eine plötzliche seitliche Krafteinwirkung, um sie einreißen zu lassen. Genau das passiert, wenn der Penis beim Geschlechtsverkehr abrutscht und gegen den Schambeinbogen oder den Damm stößt. Der Riss verläuft meist quer und ist einen bis zwei Zentimeter lang.
Daraus erklärt sich auch, warum es im nicht erigierten Zustand praktisch nicht vorkommt und warum bestimmte Positionen häufiger betroffen sind, insbesondere solche, bei denen der Partner die Bewegung führt.
Der Weg in die Notaufnahme sollte sofort angetreten werden, und zwar am besten nicht selbst fahrend. Bis dahin gelten drei Dinge.
Kühlen, aber mit Abstand. Kühlpack in ein Tuch gewickelt, nicht direkt auf die Haut, jeweils höchstens zwanzig Minuten. Das begrenzt die Einblutung.
Nicht selbst richten oder drücken. Jeder Versuch, die Schwellung zu verteilen oder den Penis zurechtzubiegen, vergrößert den Bluterguss.
Wasserlassen versuchen und beobachten. Gelingt es nicht oder kommt Blut, sagen Sie das sofort, weil dann die Harnröhre beteiligt sein könnte. Trinken Sie nichts in großen Mengen, falls eine Narkose bevorsteht.
Der Standard ist die zeitnahe Operation, möglichst innerhalb des ersten Tages. Über einen Zugang am Penisschaft wird das Blut entleert, der Riss aufgesucht und mit feinen Nähten verschlossen. Ist die Harnröhre beteiligt, wird sie in derselben Sitzung versorgt.
Eine rein abwartende Behandlung mit Kühlung und Schonung galt früher als Alternative. Sie führt jedoch deutlich häufiger zu bleibender Verkrümmung, tastbaren Knoten und Erektionsstörungen und wird deshalb nicht mehr empfohlen.
Nach dem Eingriff bleiben ein Druckverband und meist ein Blasenkatheter für einige Tage. Auf Geschlechtsverkehr sollte für etwa vier bis sechs Wochen verzichtet werden.
Der Hergang ist der wichtigste Baustein der Diagnose, und genau er wird aus Verlegenheit oft ausgelassen. Vier Angaben helfen dem Team sofort weiter:
Das medizinische Personal hat solche Situationen schon oft erlebt und bewertet sie nicht. Was zählt, ist die Zeit.
Bei früher operativer Versorgung sind die Ergebnisse gut. Die große Mehrheit der Betroffenen hat danach eine normale Erektionsfähigkeit und keine relevante Verkrümmung. Eine kleine tastbare Verhärtung an der Nahtstelle kann bleiben und ist ohne Bedeutung.
Deutlich schlechter fallen die Ergebnisse aus, wenn Tage vergehen. Genau hier liegt der praktische Kern: Die Verzögerung entsteht fast nie aus medizinischen Gründen, sondern aus Scham.
Bei einer gesicherten Ruptur ja. Die Operation ist der einzige Weg, der Verkrümmung und Erektionsstörungen zuverlässig vorbeugt. Konservatives Vorgehen kommt allenfalls bei sehr kleinen Einrissen ohne Formveränderung infrage und wird individuell entschieden.
Die Schwellung geht über zwei bis drei Wochen zurück, der Bluterguss verfärbt sich in dieser Zeit und verschwindet. Geschlechtsverkehr ist nach etwa vier bis sechs Wochen wieder möglich. Die endgültige Beurteilung von Form und Funktion erfolgt nach etwa drei Monaten.
Leitlinien
• European Association of Urology. EAU Guidelines on Urological Trauma. Ausgabe 2025.