Die Erkrankung läuft in zwei Phasen. In der ersten, etwa sechs bis achtzehn Monate, verändert sich die Krümmung noch und es tut weh. In der zweiten steht sie still.
Operiert wird erst in der zweiten Phase, wenn nichts mehr in Bewegung ist. In der ersten geht es darum, die Schmerzen zu lindern und abzuwarten.
Die Erkrankung ist häufiger, als die meisten denken, und sie ist keine Folge von falschem Verhalten. Sie belastet Beziehungen oft mehr als den Körper, auch darüber lässt sich sprechen.
Bei der Induratio penis plastica, meist Morbus Peyronie genannt, bildet sich in der Bindegewebshülle des Schwellkörpers eine narbige Verhärtung. Weil diese Stelle sich bei der Erektion nicht mehr mitdehnt, zieht sie den Penis in ihre Richtung. Betroffen sind etwa drei bis neun Prozent der Männer, meist zwischen dem vierzigsten und sechzigsten Lebensjahr.
Die Ursache ist nicht abschließend geklärt. Angenommen werden kleinste, unbemerkte Verletzungen beim Geschlechtsverkehr, die bei entsprechender Veranlagung überschießend vernarben. Für die Veranlagung spricht, dass die Erkrankung gehäuft zusammen mit der Dupuytren-Kontraktur der Hand auftritt.
Diese Unterscheidung ist der wichtigste Punkt des gesamten Krankheitsbildes. Wer in der aktiven Phase operiert wird, riskiert, dass sich die Krümmung danach erneut verändert.

Meist fällt zuerst eine tastbare Verhärtung am Penisschaft auf, oft an der Oberseite. Dann folgt die Krümmung bei der Erektion, in der Mehrzahl nach oben. Häufig kommen eine Verkürzung, eine Einziehung wie eine Sanduhr und Schmerzen bei der Erektion hinzu.
Ein erheblicher Teil der Betroffenen entwickelt zusätzlich eine Erektionsstörung, teils durch die Erkrankung selbst, teils durch die verständliche Anspannung, die daraus entsteht.
Hier geht es um Schmerzlinderung und darum, das Fortschreiten zu bremsen. Wunder sind nicht zu erwarten, und das gehört ehrlich gesagt.
Orale Medikamente haben in Untersuchungen wenig überzeugt. Besser belegt sind die Traktionstherapie, bei der der Penis über Monate täglich mehrere Stunden mit einem Gerät gedehnt wird, und Injektionen in die Verhärtung. Die Stoßwellentherapie lindert vor allem den Schmerz, auf die Krümmung wirkt sie kaum.
Alle diese Verfahren verlangen Geduld über Monate. Wichtig ist die realistische Erwartung: Sie sollen verhindern, dass es schlimmer wird, und den Schmerz nehmen. Eine deutliche Begradigung leisten sie in der Regel nicht.
Operiert wird, wenn die Erkrankung mindestens drei Monate stabil ist, die Verkrümmung den Geschlechtsverkehr behindert und der Leidensdruck entsprechend ist. Drei Wege stehen zur Verfügung:
Raffung der Gegenseite. Die längere Seite wird durch Nähte verkürzt, bis der Penis gerade ist. Technisch einfach und zuverlässig, führt aber zwangsläufig zu einer Verkürzung. Geeignet bei mäßiger Krümmung und ausreichender Länge.
Ausschneiden der Verhärtung mit Gewebeersatz. Die Narbe wird eingeschnitten oder entfernt und die Lücke mit einem Transplantat gedeckt. Erhält die Länge, ist aber aufwendiger und geht häufiger mit einer nachlassenden Erektionsfähigkeit einher.
Penisprothese. Wenn zugleich eine ausgeprägte Erektionsstörung besteht, löst sie beide Probleme in einem Eingriff. Mehr dazu unter Penisprothese.
Die Induratio penis plastica, kurz IPP, entsteht aus winzigen Einrissen in der Hülle der Schwellkörper, der Tunica albuginea, die beim Sex durch Abknicken entstehen, oft unbemerkt. Bei den meisten Männern heilen sie folgenlos. Bei einer Veranlagung zu überschießender Narbenbildung entsteht stattdessen eine verhärtete Platte, die sich bei Erektion nicht dehnt und den Penis zur Narbe hin krümmt. Betroffen sind etwa drei bis neun Prozent der Männer, am häufigsten zwischen 50 und 60. Risikofaktoren sind Diabetes, Rauchen, Bluthochdruck, eine Erektionsstörung mit nicht ganz fester Erektion, Operationen an der Prostata und die Bindegewebserkrankung Morbus Dupuytren an den Händen, die bei jedem fünften Peyronie-Patienten vorkommt. Die Erkrankung ist nicht ansteckend, nicht bösartig und nicht selbst verschuldet.
Der Urologe tastet die Platte am schlaffen Penis, fragt nach Beginn, Schmerzen und Verlauf und lässt sich die Krümmung zeigen: ein Foto der Erektion von zu Hause, von oben und von der Seite, ist das wichtigste Dokument und erspart vieles. In der Praxis kann die Erektion mit einer Injektion ausgelöst und der Winkel mit dem Goniometer gemessen werden, zugleich wird per Ultraschall mit Farbdoppler die Durchblutung beurteilt, was für die Operationsplanung zählt. Röntgen oder MRT sind nur selten nötig. Eine Biopsie wird nicht gemacht.
Der Wunsch nach einer Therapie ohne OP ist verständlich, und die ehrliche Antwort lautet: Die Möglichkeiten sind begrenzt, aber nicht null. Tabletten wie Vitamin E, Potaba, Tamoxifen oder Colchicin haben in Studien keine Wirkung auf die Krümmung gezeigt und werden nicht mehr empfohlen. Schmerzmittel in der aktiven Phase lindern den Schmerz. PDE5-Hemmer in niedriger Dosis täglich verbessern die Erektion und könnten die Narbenbildung bremsen. Die Stoßwellentherapie lindert Schmerzen, korrigiert aber die Krümmung nicht. Streckgeräte (Traktionstherapie), täglich über Stunden getragen, sind die einzige nichtoperative Methode mit belegtem Effekt auf Krümmung und Länge, ein bis zwei Zentimeter Längengewinn und 10 bis 20 Grad weniger Krümmung sind in Studien beschrieben. Injektionen von Kollagenase direkt in die Platte, kombiniert mit Dehnung, waren in Europa zugelassen und sind seit 2020 vom Markt genommen; in Einzelfällen wird Verapamil oder Interferon in die Platte gespritzt, mit mäßigen Ergebnissen. Alle nichtoperativen Verfahren wirken, wenn überhaupt, in der aktiven Phase der ersten zwölf bis 18 Monate.
Eine Krümmung unter 30 Grad stört den Geschlechtsverkehr meist nicht. Ab 30 bis 45 Grad wird das Eindringen bei bestimmten Stellungen schwierig, ab 60 Grad oft unmöglich, und Schmerzen bei der Partnerin kommen hinzu. In der aktiven Phase sollte Sex vorsichtig und ohne Abknicken stattfinden, ein Verbot gibt es nicht. Viele Männer ziehen sich aus Scham zurück, was die Beziehung stärker belastet als die Krümmung selbst. Offen darüber zu sprechen, Stellungen anzupassen und die Partnerin in die Arztgespräche einzubeziehen hilft nachweislich. Eine psychologische Belastung, die bei etwa der Hälfte der Betroffenen auftritt, ist Teil der Erkrankung und darf mitbehandelt werden.
Nein, sie ist gutartig und entartet nicht. Belastend ist sie durch Schmerz, durch die eingeschränkte Möglichkeit zum Geschlechtsverkehr und durch die seelische Wirkung. Genau diese drei Punkte sind auch die Gründe, aus denen behandelt wird.
Vollständig nur bei einer Minderheit. Häufiger verschwinden die Schmerzen von selbst, während die Krümmung bleibt. Bei einem Teil schreitet sie ohne Behandlung weiter fort. Deshalb ist es sinnvoll, den Verlauf zu dokumentieren, statt einfach abzuwarten.
Als reine Dehnungsbehandlung wird sie eingesetzt und ist eine mögliche Alternative zur Traktionstherapie. Die Datenlage ist schwächer, der Effekt auf die Krümmung begrenzt. Besprechen Sie Anwendungsdauer und Häufigkeit, unsachgemäße Anwendung kann Blutergüsse verursachen.
Induratio penis plastica, der medizinische Name des Morbus Peyronie: eine bindegewebige Verhärtung (Induratio) des Penis, die ihn verformt (plastica). Beide Begriffe bezeichnen dieselbe Erkrankung.
In der aktiven Phase mit Streckgeräten und begleitenden Medikamenten teilweise. Eine seit über einem Jahr stabile, störende Krümmung lässt sich ohne Operation nicht mehr korrigieren. Ob eine Operation nötig ist, entscheidet der Leidensdruck, nicht der Winkel.
Diagnostik, Schmerzmittel und die Operation sind Kassenleistung. Streckgeräte werden auf Antrag teilweise erstattet, Stoßwellentherapie und Injektionen meist nicht.
Leitlinien
• European Association of Urology. EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health. Ausgabe 2025.