Das kann ein Notfall sein. Die Blase muss entlastet werden, mit einem Katheter über die Harnröhre oder durch die Bauchdecke.
Häufigste Ursache beim Mann ist eine vergrößerte Prostata, oft ausgelöst durch Medikamente, Alkohol oder langes Zurückhalten.
Warten Sie nicht ab. Eine überdehnte Blase kann dauerhaft geschädigt bleiben, und der Rückstau belastet die Nieren.
Warten Sie nicht ab. Eine überdehnte Blase kann dauerhaft geschädigt bleiben, und der Rückstau belastet die Nieren.
Beim akuten Harnverhalt ist die Blase gefüllt, aber die Entleerung gelingt nicht. Das ist einer der schmerzhaftesten Zustände in der Urologie und zugleich einer der dankbarsten, weil die Behandlung innerhalb von Minuten wirkt.
Die chronische Form ist die tückischere. Sie tut nicht weh, und das ständige Tröpfeln wird oft für eine Blasenschwäche gehalten. Tatsächlich läuft die überfüllte Blase nur über, während sich der Druck bis in die Nieren fortsetzt. Wer über Monate tröpfelt und dabei nie das Gefühl einer vollständigen Entleerung hat, sollte den Restharn messen lassen.

Beim Mann steht die vergrößerte Prostata an erster Stelle, gefolgt von einer Harnröhrenenge und Blutgerinnseln nach Eingriffen. Bei der Frau sind Ursachen seltener und häufiger neurologisch bedingt oder Folge einer ausgeprägten Senkung.
Unabhängig vom Geschlecht sind zwei Auslöser bemerkenswert häufig und werden oft übersehen: Medikamente und Verstopfung. Zu den auslösenden Wirkstoffgruppen zählen Mittel gegen Allergien, bestimmte Antidepressiva, krampflösende Präparate, Opioide sowie abschwellende Erkältungsmittel. Ein voller Enddarm kann die Harnröhre mechanisch so weit einengen, dass die Entleerung nicht mehr gelingt.
Zuerst wird die Blase entlastet, in der Regel über einen dünnen Katheter durch die Harnröhre. Die Erleichterung setzt sofort ein. Lässt sich die Harnröhre nicht passieren, etwa bei einer Enge oder einer entzündeten Prostata, wird der Katheter durch die Bauchdecke oberhalb des Schambeins eingelegt.
Anschließend wird nach der Ursache gesucht: Ultraschall von Blase, Prostata und Nieren, Urinuntersuchung, Nierenwerte und ein kritischer Blick auf den Medikamentenplan.
Bei einer sehr großen entleerten Menge wird für einige Stunden überwacht, weil danach vorübergehend viel Urin ausgeschieden werden kann und der Flüssigkeitshaushalt aus dem Gleichgewicht gerät.
Nach ein bis drei Tagen wird ein Versuch unternommen, den Katheter wieder zu entfernen. Vorher wird meist ein Alpha-Blocker begonnen, der die Muskulatur am Blasenausgang entspannt und die Erfolgsaussichten deutlich verbessert.
Gelingt der Versuch nicht, ist das kein Rückschlag, sondern eine Information: Die Ursache ist mechanisch und wird planbar behandelt, etwa durch eine Operation der Prostata. Der Katheter überbrückt die Zeit bis dahin.
Gelingt der Auslassversuch nicht sofort, geht es häufig mit einem Katheter nach Hause, bis die eigentliche Behandlung ansteht. Das ist unangenehm, aber gut handhabbar, wenn drei Dinge geklärt sind.
Welches System? Ein Beinbeutel für tagsüber, unter der Kleidung getragen, und ein größerer Beutel für die Nacht. Beides wird verordnet und von der Krankenkasse übernommen.
Was ist normal? Ein Ziehen im Bereich der Harnröhre, gelegentlicher Harndrang trotz liegendem Katheter und eine leichte Trübung des Urins. Bakterien im Urin sind bei liegendem Katheter die Regel und werden ohne Beschwerden nicht behandelt.
Wann melden? Bei Fieber, bei Blut mit Gerinnseln, wenn kein Urin mehr fließt oder wenn der Katheter herausrutscht. Der letzte Punkt ist kein Grund zur Panik, aber ein Grund, zeitnah eine Praxis oder Ambulanz aufzusuchen.
Bei beginnenden Beschwerden kann ein warmes Sitzbad oder eine warme Dusche helfen, ebenso das Wasserlassen im Sitzen und ein laufender Wasserhahn. Wenn nach ein bis zwei Stunden nichts geht und der Unterbauch schmerzt, ist die Zeit für Hausmittel vorbei. Trinken Sie dann nicht zusätzlich, das verschlimmert die Situation nur.
Diese Regel galt lange, gilt heute aber als überholt. Die vollständige Entlastung in einem Zug ist üblich und sicher. Beobachtet wird danach die Urinmenge, weil nach einer sehr großen entleerten Menge vorübergehend viel ausgeschieden werden kann.
Ohne Behandlung der Ursache ist das Wiederholungsrisiko hoch, besonders bei vergrößerter Prostata. Mit Alpha-Blocker gelingt der Auslassversuch häufiger, und wenn eine relevante Vergrößerung vorliegt, ist eine Operation der zuverlässigste Weg, es nicht erneut erleben zu müssen.
Weiterlesen: Urologische Notfälle
Leitlinien
• European Association of Urology (EAU). Guidelines on the Management of Non-neurogenic Male LUTS, incl. Benign Prostatic Obstruction. EAU, 2025.
• Deutsche Gesellschaft für Urologie. S2e-Leitlinie Therapie des Benignen Prostatasyndroms. AWMF-Registernummer 043-035.