Das klingt zunächst abschreckend und ist nach kurzer Übung Routine. Der Vorteil gegenüber einem Dauerkatheter ist erheblich: deutlich weniger Infekte, mehr Freiheit, keine Beutel.
Nötig wird es, wenn die Blase sich nicht mehr ausreichend entleert, etwa nach Nervenschäden oder bei bestimmten Blasenstörungen.
Die Einweisung macht eine Fachkraft, das Material zahlt die Kasse. Wichtig ist die Regelmäßigkeit: lieber einmal zu oft als eine überdehnte Blase.
Bakterien im Urin ohne Beschwerden sind beim Selbstkatheterismus häufig und werden nicht behandelt. Erst Fieber oder Schmerzen machen daraus eine Infektion.
Beim intermittierenden Selbstkatheterismus führen Sie sich mehrmals täglich einen dünnen Einmalkatheter in die Blase ein, lassen den Urin ablaufen und ziehen ihn wieder heraus. Zwischen den Anwendungen tragen Sie nichts am Körper.
Für viele klingt das zunächst abschreckend, und die Vorstellung ist meist schlimmer als die Wirklichkeit. Tatsächlich ist es dem Dauerkatheter in nahezu jeder Hinsicht überlegen: weniger Infekte, weniger Steine, weniger Schäden an Harnröhre und Blasenwand, keine sichtbaren Beutel und volle Bewegungsfreiheit.
Immer dann, wenn sich die Blase nicht ausreichend von selbst entleert. Die häufigsten Situationen sind eine neurogene Blasenfunktionsstörung bei Querschnittlähmung, Multipler Sklerose oder Spina bifida, ein schwacher Blasenmuskel, hoher Restharn nach Operationen und der Zeitraum nach einer Botulinumtoxin-Behandlung.
Der Zweck ist in allen Fällen derselbe: die Blase regelmäßig leeren, damit kein hoher Druck entsteht und kein Restharn zurückbleibt. Beides schützt die Nieren, und darum geht es letztlich.

Die ersten Male sollten unter Anleitung erfolgen, in der Regel durch eine Pflegefachkraft mit Kontinenzqualifikation. Rechnen Sie damit, dass es beim ersten Mal nicht auf Anhieb klappt. Das ist normal und kein Zeichen von Ungeschick.
Ziel ist es, die Blase nie über etwa 400 bis 500 Milliliter zu füllen. Daraus ergeben sich bei üblicher Trinkmenge vier bis sechs Anwendungen täglich, also etwa alle vier Stunden, plus einmal vor dem Schlafengehen.
Wer viel trinkt, muss häufiger. Wer die Abstände zu weit dehnt, riskiert genau das, was verhindert werden soll: hohen Druck, Restharn und Infekte. Die Katheterisierung zu überspringen, weil es gerade unpassend ist, ist der häufigste Fehler.
Es gibt beschichtete und unbeschichtete Katheter, Sets mit integriertem Beutel für unterwegs, verschiedene Längen und Spitzenformen. Die Auswahl richtet sich nach Geschlecht, Handfunktion und Lebenssituation.
Die Kosten übernimmt bei entsprechender Verordnung die Krankenkasse, in der Regel für die benötigte Anzahl pro Tag. Lassen Sie sich verschiedene Systeme zeigen, bevor Sie sich festlegen: Der Unterschied in der Handhabung ist erheblich, und das falsche Produkt ist der häufigste Grund für Abbrüche.
Bei eingeschränkter Handfunktion gibt es Hilfsmittel: Katheter mit Griffhilfe, Spiegel zur Positionierung, Halterungen. Sprechen Sie das offen an, statt aufzugeben.
Katheter sind klein, unauffällig und passen in jede Tasche. Praktisch sind Sets mit integriertem Auffangbeutel, mit denen auch eine unzureichend ausgestattete Toilette kein Problem ist.
Nehmen Sie auf Reisen deutlich mehr mit als berechnet, verteilt auf Handgepäck und Koffer. Ein ärztliches Attest in englischer Sprache erleichtert die Sicherheitskontrolle. Bei längeren Aufenthalten im Ausland klären Sie vorher, ob Ihr Produkt dort verfügbar ist.
Muss das steril sein? Nein, und das ist die wichtigste Entlastung. Zu Hause reicht ein sauberes Vorgehen: Hände waschen, Katheter aus der Verpackung, direkt verwenden. Steriles Arbeiten mit Handschuhen und Abdecktuch ist nur im Krankenhaus üblich. Studien zeigen für den Alltag keinen Vorteil des sterilen Vorgehens.
Wie oft am Tag? In der Regel vier- bis sechsmal, also etwa alle vier bis sechs Stunden. Entscheidend ist nicht die Uhrzeit, sondern dass die Blase nicht über 400 bis 500 Milliliter gefüllt wird. Wer viel trinkt, muss häufiger, nicht seltener.
Ist es schwierig zu lernen? Die meisten brauchen wenige Tage. Die erste Hürde ist fast immer die Überwindung, nicht die Technik. Angeleitet wird das in der Urologie oder durch spezialisierte Pflegekräfte, und es lohnt sich, das in Ruhe zu üben statt allein herumzuprobieren.
Blut am Katheter, was nun? Ein paar Tropfen kommen besonders am Anfang vor, wenn die Schleimhaut noch empfindlich ist. Das gibt sich meist. Kommt regelmäßig Blut oder wird es mehr, sollte die Technik überprüft werden: oft liegt es an zu wenig Gleitmittel oder zu schnellem Vorschieben.
Dauerkatheter oder Einmalkatheter? Wo beides möglich ist, spricht vieles für den Einmalkatheter. Ein Dauerkatheter liegt ständig und ist ein Fremdkörper, an dem sich Bakterien ansiedeln. Das Risiko für Harnwegsinfekte ist deutlich höher, ebenso das für Blasensteine und langfristig für Veränderungen der Blasenschleimhaut. Der Einmalkatheter wird nur für Sekunden eingeführt und wieder entfernt.
Wie mache ich das unterwegs? Es gibt kompakte Katheter, die kaum größer als ein Kugelschreiber sind, sowie Ausführungen mit integriertem Auffangbeutel für Situationen ohne Toilette. Wer das anspricht, bekommt Muster zum Ausprobieren.
In der Regel nicht. Die ersten Male sind ungewohnt und können leicht brennen. Mit beschichteten Kathetern und etwas Routine beschreiben die meisten es als unangenehm, aber schmerzlos. Anhaltende Schmerzen sind kein normaler Teil des Verfahrens und sollten angesprochen werden, oft passt dann Größe oder Typ nicht.
Im Gegenteil, es ist hygienischer als ein Dauerkatheter, weil kein Fremdkörper dauerhaft in der Blase liegt, an dem sich ein Bakterienfilm bildet. Wichtig ist das Händewaschen. Eine sterile Umgebung ist zu Hause nicht nötig, saubere Bedingungen genügen.
Ja. Viele Menschen katheterisieren sich über Jahrzehnte ohne relevante Folgen. Regelmäßige Kontrollen von Nierenwerten, Ultraschall und bei bestimmten Grunderkrankungen der Blasenschleimhaut gehören dazu.
Weiterlesen: Was die Krankenkasse in der Urologie zahlt
Muss das steril sein? Nein. Für den Selbstkatheterismus zu Hause gilt die aseptische Technik: saubere Hände, ein steril verpackter Einmalkatheter, keine sterilen Handschuhe. Studien zeigen keinen Vorteil für aufwendigere Verfahren, wohl aber mehr Aufwand und Kosten.
Wie oft muss ich das machen? In der Regel vier- bis sechsmal täglich. Entscheidend ist nicht die Uhrzeit, sondern die Menge: Mehr als 400 bis 500 Milliliter sollten nicht in der Blase stehen, weil die Wand sonst überdehnt wird und die Durchblutung leidet. Wer regelmäßig größere Mengen ableitet, sollte häufiger katheterisieren, nicht seltener.
Ist das schwierig zu lernen? Die meisten brauchen einige Tage Übung. Bei Männern ist der Weg länger und die Harnröhre gekrümmt, was anfangs ungewohnt ist, aber nicht schmerzhaft sein sollte. Wenn es schmerzt, stimmt etwas nicht: falsche Größe, zu wenig Gleitmittel oder zu schnelles Vorschieben.
Welche Nebenwirkungen gibt es? Am häufigsten sind Harnwegsinfekte, allerdings deutlich seltener als bei einem Dauerkatheter. Kleine Blutungen an der Harnröhre kommen besonders am Anfang vor und sind meist harmlos. Bei Fieber, trübem Urin mit Geruch oder anhaltenden Schmerzen gehört das abgeklärt.
Wie lange muss ich das machen? Das hängt vom Grund ab. Nach einer Operation oder bei vorübergehender Blasenschwäche kann es Wochen bis Monate sein. Bei einer dauerhaften Nervenschädigung, etwa nach Querschnittlähmung oder bei Multipler Sklerose, ist es eine Dauerlösung.
Dauerkatheter oder Selbstkatheterismus? Wo beides möglich ist, ist der intermittierende Weg klar zu bevorzugen: weniger Infekte, keine dauerhafte Fremdkörperreizung, mehr Selbstständigkeit. Ein Dauerkatheter ist sinnvoll, wenn die Handkraft oder die Beweglichkeit nicht ausreicht oder eine Pflegesituation es erfordert. Mehr dazu im Ratgeber Dauerkatheter.
Und bei einer Ersatzblase? Auch nach Anlage einer Neoblase kann der Selbstkatheterismus nötig werden, wenn sich die Blase nicht vollständig entleert. Das betrifft besonders Frauen. Es ist keine Komplikation im engeren Sinn, sondern eine bekannte Möglichkeit, über die vor der Operation gesprochen werden sollte.
Leitlinien
• European Association of Urology. EAU Guidelines on Neuro-Urology. Ausgabe 2025.
• European Association of Urology. EAU Guidelines on Management of Non-neurogenic Female LUTS and Urinary Incontinence in Adults. Ausgabe 2025.