Therapie

Botulinumtoxin in die Blase: Ablauf, Wirkdauer, Restharn

Botulinumtoxin bei überaktiver Blase: wie die Injektion abläuft, warum die Wirkung sechs bis neun Monate hält und warum die Bereitschaft zum Selbstkatheterismus Voraussetzung ist.
Redaktion: UroWissen
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Erstellt nach Leitlinien von EAU und DGU
In einfachen WortenBei einer überaktiven Blase, die auf Medikamente nicht anspricht, kann Botulinumtoxin in die Blasenwand gespritzt werden. Es dämpft die Übererregbarkeit des Muskels.Weiterlesen

Gespritzt wird bei einer Blasenspiegelung an etwa zwanzig Stellen. Das dauert wenige Minuten und geht ambulant.

Die Wirkung setzt nach ein bis zwei Wochen ein und hält sechs bis neun Monate. Danach wird die Behandlung wiederholt.

Eine mögliche Folge ist, dass die Blase sich vorübergehend nicht mehr vollständig entleert. Dann muss man sich selbst katheterisieren. Darüber sollten Sie vorher gesprochen haben.

Wenn Tabletten nicht mehr reichen

Botulinumtoxin wird bei überaktiver Blase in die Blasenwand gespritzt und hemmt dort die Übertragung des Nervensignals auf den Muskel. Der Muskel entspannt sich, die Blase fasst wieder mehr, und der plötzliche Drang lässt nach.

Eingesetzt wird es, wenn Medikamente nicht ausreichend wirken oder nicht vertragen werden. Es ist damit die zweite Behandlungsstufe und in dieser Rolle gut untersucht.

20-30
Einstiche in die Blasenwand
6-9
Monate hält die Wirkung
15 Min.
dauert der Eingriff
3.801
Anwendungen im Jahr 2025
So häufig im Krankenhaus
Ein erheblicher Teil der Behandlungen erfolgt allerdings ambulant und ist in dieser Zahl nicht enthalten. Wie verbreitet das Verfahren insgesamt ist, lässt sich daraus deshalb nicht ableiten.
Stationäre Fälle der Fachabteilung Urologie 2025. Ambulante Behandlungen und andere Fachabteilungen sind nicht enthalten. Quelle: Urologie in Zahlen

Der Ablauf

Die Behandlung erfolgt über eine Blasenspiegelung, meist ambulant und in örtlicher Betäubung, bei Bedarf in einer Kurznarkose. Über den Arbeitskanal des Instruments wird eine feine Nadel eingeführt, und der Wirkstoff wird an zwanzig bis dreißig Stellen verteilt in die Blasenwand gespritzt.

Das dauert etwa fünfzehn Minuten. Danach bleiben Sie kurz zur Beobachtung, insbesondere um zu prüfen, ob das Wasserlassen funktioniert.

Die Wirkung setzt nicht sofort ein, sondern über etwa eine bis zwei Wochen. Sie hält sechs bis neun Monate an, danach wird die Behandlung bei Bedarf wiederholt. Ein Nachlassen der Wirkung bei wiederholter Anwendung ist die Ausnahme.

Die wichtigste Nebenwirkung

Restharn und Selbstkatheterismus: Wird der Blasenmuskel zu stark gedämpft, entleert sich die Blase nicht mehr vollständig. Bei einem Teil der Behandelten wird dann vorübergehend der Einmalkatheterismus nötig, bei dem Sie sich selbst mehrmals täglich einen dünnen Katheter einführen. Das ist der häufigste Grund, warum Betroffene die Behandlung ablehnen, und es gehört ausdrücklich vor die Entscheidung, nicht danach. Sie sollten bereit und in der Lage sein, das im Bedarfsfall zu tun, sonst ist das Verfahren nicht geeignet.

Daneben sind Harnwegsinfekte häufiger, weshalb vor dem Eingriff der Urin untersucht und ein bestehender Infekt behandelt wird. Blut im Urin für ein bis zwei Tage ist normal.

Harnblase im Längsschnitt
Gespritzt wird über die Blasenspiegelung an zwanzig bis dreißig Stellen verteilt in die Blasenwand.
Illustration: Servier Medical Art, lizenziert unter CC BY 4.0.

Zwei verschiedene Anwendungsgebiete

Bei der idiopathischen überaktiven Blase, also ohne neurologische Ursache, wird eine niedrigere Dosis verwendet. Das Risiko für Restharn ist entsprechend geringer.

Bei der neurogenen Blasenfunktionsstörung, etwa bei Multipler Sklerose oder nach Rückenmarksverletzung, wird eine höhere Dosis eingesetzt. Hier geht es nicht nur um Beschwerden, sondern um den Schutz der Nieren, weil der hohe Druck in der Blase sie schädigt. Viele Betroffene katheterisieren sich ohnehin bereits selbst, wodurch der wichtigste Nachteil entfällt.

Wer besonders profitiert

In Untersuchungen zeigte sich der Nutzen am deutlichsten bei Betroffenen mit häufigen Inkontinenzepisoden. Wer mehrfach täglich unfreiwillig Urin verliert, erlebt die stärkste Veränderung.

Weniger überzeugend fällt das Ergebnis aus, wenn Drang ohne Inkontinenz im Vordergrund steht oder wenn zusätzlich eine Abflussbehinderung besteht. Dann sollte zuerst diese behandelt werden.

Ein besonderer Fall sind ältere Menschen mit bestehendem Restharn. Hier ist das Risiko für eine Entleerungsstörung erhöht, weshalb die Dosis niedriger gewählt und engmaschiger kontrolliert wird.

Die erste Behandlung planen

Legen Sie den Termin so, dass Sie in den folgenden zwei Wochen erreichbar sind und eine Kontrolle wahrnehmen können. Klären Sie vorher, an wen Sie sich außerhalb der Sprechzeiten wenden, falls die Entleerung nicht funktioniert.

Lassen Sie sich unabhängig davon, ob es voraussichtlich nötig wird, den Selbstkatheterismus zeigen. Wer die Technik einmal gesehen hat, gerät im Bedarfsfall nicht in Panik, und die Hemmschwelle sinkt erheblich.

Was danach zu beachten ist

Zwei bis vier Wochen nach dem Eingriff wird der Restharn kontrolliert, auch wenn Sie beschwerdefrei sind. Ein Restharn ohne Symptome kommt vor und muss erkannt werden.

Führen Sie in den ersten Wochen ein Blasentagebuch. Es zeigt objektiv, ob und wie stark die Wirkung eingetreten ist, und liefert die Grundlage für die Entscheidung über eine Wiederholung.

Melden Sie sich, wenn Sie das Gefühl haben, die Blase nicht mehr leeren zu können, bei Fieber oder bei erneut zunehmenden Beschwerden.

Im Vergleich zur Neuromodulation

Die sakrale Neuromodulation ist die Alternative auf derselben Behandlungsstufe. In direkten Vergleichen sind beide ähnlich wirksam.

Für Botulinumtoxin sprechen der geringere Aufwand, kein Implantat und die einfache Umkehrbarkeit. Dagegen sprechen die Notwendigkeit der Wiederholung alle sechs bis neun Monate und das Risiko des Selbstkatheterismus.

Für die Neuromodulation sprechen die dauerhafte Wirkung ohne Wiederholung und die Möglichkeit, sie vorher zu testen. Dagegen sprechen ein implantiertes Gerät, ein zweizeitiges Vorgehen und Nachfolgeeingriffe bei Batteriewechsel.

Häufige Fragen

Ist das dasselbe Botox wie in der Kosmetik?

Es ist derselbe Wirkstoff, aber ein anderes Präparat mit eigener Zulassung für die Blase und einer anderen Dosierung. Es wirkt ausschließlich örtlich am Injektionsort, eine Wirkung im übrigen Körper ist bei den verwendeten Mengen nicht zu erwarten.

Zahlt die Krankenkasse?

Ja, bei bestehender Zulassung für die jeweilige Indikation und nach erfolgloser oder nicht vertragener medikamentöser Behandlung. Dokumentieren Sie deshalb, welche Präparate Sie in welcher Dosierung und über welchen Zeitraum eingenommen haben.

Wie oft kann ich das wiederholen?

Grundsätzlich beliebig oft, üblicherweise mit einem Mindestabstand von drei Monaten. Langzeitdaten über viele Jahre und zahlreiche Behandlungen zeigen eine anhaltende Wirksamkeit ohne Gewöhnung.

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Quellen

Leitlinien

• S2k-Leitlinie Harninkontinenz. DGU, AWMF, 2024.

Studien

• Nitti, V. W. et al. OnabotulinumtoxinA for overactive bladder. Journal of Urology, 2013. PMID 23246476

Reviews

• Cheng, T. et al. Efficacy and safety of onabotulinumtoxinA in patients with neurogenic detrusor overactivity: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. PLoS One, 2016;11(7):e0159307.

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Quelle: UroWissen.de, unabhängige urologische Patienteninformation. Dieser Ausdruck ersetzt keine ärztliche Beratung.
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