Eine Ursache im engeren Sinn findet sich häufig nicht. Wichtig ist deshalb, zuerst andere Gründe auszuschließen: eine Entzündung, einen Stein, bei Männern eine vergrößerte Prostata und in jedem Fall Blut im Urin.
Behandelt wird zuerst ohne Medikamente. Blasentraining dehnt die Abstände zwischen den Toilettengängen schrittweise aus. Beckenbodentraining hilft, den Drang auszusitzen. Kaffee, Alkohol und stark kohlensäurehaltige Getränke reizen die Blase zusätzlich.
Reicht das nicht, gibt es Medikamente, die die Blase beruhigen. Wirken auch die nicht, kann Botulinumtoxin in die Blasenwand gespritzt werden oder ein kleiner Schrittmacher die zuständigen Nerven beeinflussen. Es gibt also mehrere Stufen, und selten ist am Ende keine Besserung möglich.
Die überaktive Blase ist definiert durch einen plötzlichen, kaum unterdrückbaren Harndrang, meist mit häufigem Wasserlassen und nächtlichem Aufstehen, mit oder ohne Urinverlust. Voraussetzung ist, dass keine Infektion und keine andere erklärende Erkrankung vorliegt.
Es handelt sich also um eine Ausschlussdiagnose und um ein Beschwerdebild, nicht um einen Befund. Genau deshalb ist die Schilderung wichtiger als jede Untersuchung.

Normalerweise dehnt sich der Blasenmuskel während der Füllung passiv, und erst ab etwa zweihundert Millilitern meldet er den ersten Drang. Bei der überaktiven Blase zieht er sich schon vorher zusammen, oder die Nerven melden eine Füllung, die nicht besteht.
Warum das geschieht, ist nicht abschließend geklärt. Diskutiert werden eine veränderte Empfindlichkeit der Blasenwand, eine gesteigerte Erregbarkeit des Muskels und eine veränderte Verarbeitung der Signale im Nervensystem. Bei einem Teil der Betroffenen kommen mehrere Faktoren zusammen.
Bevor die Diagnose gestellt wird, gehören einige Ursachen geklärt, die dieselben Beschwerden machen und anders behandelt werden.
Verhaltenstherapeutische Maßnahmen sind der Grundstein und in Untersuchungen den Medikamenten ebenbürtig. Sie brauchen Wochen, wirken dafür ohne Nebenwirkungen und halten an.
Blasentraining. Die Abstände zwischen den Toilettengängen werden schrittweise um zehn bis fünfzehn Minuten verlängert. Kommt der Drang, gehen Sie nicht sofort, sondern bleiben stehen, spannen mehrmals kurz den Beckenboden an und atmen ruhig. Der Drang lässt nach einer bis zwei Minuten nach, weil die Beckenbodenanspannung den Blasenmuskel reflektorisch hemmt. Erst dann gehen Sie, in Ruhe.
Trinkmenge anpassen. Anderthalb bis zwei Liter über den Tag, abends weniger. Wer aus Sorge weniger trinkt, verschlimmert die Beschwerden, weil konzentrierter Urin die Blase zusätzlich reizt.
Reizstoffe einzeln testen. Kaffee, schwarzer Tee, Alkohol, kohlensäurehaltige Getränke, Süßstoffe, scharfe Speisen.
Verstopfung behandeln und bei Übergewicht abnehmen, beides senkt den Druck auf die Blase.
Bei Frauen kann eine Senkung der Scheide Drangbeschwerden auslösen. Sind die Haltebänder im Becken überdehnt, fehlt dem Blasenboden die Spannung, und die Dehnungsrezeptoren melden Füllung, obwohl die Blase noch nicht voll ist. Wird die Senkung behoben, können die Drangbeschwerden verschwinden.
Wann sich diese Frage lohnt, welche Zahlen dazu vorliegen und was eine Operation leisten kann, steht im eigenen Artikel Überaktive Blase durch Senkung.
Drangbeschwerden beim Mann über fünfzig gehen häufig auf eine vergrößerte Prostata zurück. Der Blasenmuskel arbeitet jahrelang gegen den Widerstand an, wird dickwandig und reizbar. Der Drang ist dann nicht die Erkrankung, sondern ihre Folge.
Praktisch bedeutet das zweierlei. Erstens gehört vor jeder Behandlung der Restharn gemessen, weil Blasenmedikamente bei bestehendem Restharn einen Harnverhalt auslösen können. Zweitens wird häufig zuerst die Abflussbehinderung behandelt, etwa mit einem Alpha-Blocker.
Die Drangbeschwerden bessern sich danach oft, aber langsam. Rechnen Sie mit mehreren Monaten, in denen sich die überdehnte Blasenwand erholt. Wer sofortige Besserung erwartet, hält den Eingriff fälschlich für erfolglos.
Als nächste Stufe stehen Medikamente zur Verfügung, entweder Anticholinergika oder Beta-3-Agonisten. Beurteilt wird nach vier bis acht Wochen anhand des Blasentagebuchs, nicht nach Gefühl.
Wirken sie nicht ausreichend oder werden sie nicht vertragen, folgen Botulinumtoxin in die Blasenwand oder die sakrale Neuromodulation. Beide sind gut untersucht und helfen einem erheblichen Teil derjenigen, bei denen Tabletten versagt haben.
Die Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu, aber es ist keine unvermeidliche Folge des Älterwerdens und keineswegs auf ältere Menschen beschränkt. Behandelt wird in jedem Alter, und die Erfolgsaussichten sind gut.
Die Blasenentzündung brennt und beginnt meist plötzlich innerhalb von Stunden. Die überaktive Blase brennt nicht und entwickelt sich über Wochen bis Monate. Sicherheit gibt die Urinuntersuchung, die bei wiederkehrenden Beschwerden zu Beginn gemacht werden sollte.
Erste Verbesserungen zeigen sich nach etwa vier Wochen, das volle Ergebnis nach zwei bis drei Monaten. Führen Sie parallel ein Tagebuch, weil eine Verbesserung um zwei Toilettengänge täglich im Alltag kaum spürbar ist, in der Aufzeichnung aber deutlich sichtbar.
Leitlinien
• S3-Leitlinie Harninkontinenz / Blasenkarzinom. DGU/DGGG, AWMF, 2023.
• European Association of Urology. EAU Guidelines on Non-muscle-invasive / Muscle-invasive Bladder Cancer. Ausgabe 2024.
Reviews
• Peyronnet, B. et al. A Comprehensive Review of Overactive Bladder Pathophysiology: On the Way to Tailored Treatment. European Urology, 2019;75(6):988-1000. PMID 30922690