Lexikon

Botulinumtoxin

Botulinumtoxin ist ein von Bakterien gebildetes Nervengift, das in stark verdünnter Form als Medikament die Übertragung vom Nerv auf den Muskel blockiert. In der Urologie wird es in den Blasenmuskel gespritzt, um eine überaktive oder neurogene Blase ruhigzustellen, wenn Medikamente nicht ausreichen oder nicht vertragen werden. Seit 2011 ist es dafür zugelassen; in Deutschland werden jährlich etwa 3.800 stationäre Anwendungen gezählt, dazu viele ambulante.

Ablauf: Über das Zystoskop werden in örtlicher Betäubung oder kurzer Narkose 100 Einheiten bei überaktiver Blase oder 200 Einheiten bei neurogener Blase an 10 bis 30 Stellen in die Blasenwand gespritzt. Der Eingriff dauert zehn bis 20 Minuten und ist ambulant möglich. Die Wirkung beginnt nach ein bis zwei Wochen und hält sechs bis neun Monate, danach wird wiederholt; die Wirkung lässt auch nach vielen Wiederholungen nicht nach.

Ergebnisse: Etwa drei von vier Patienten mit überaktiver Blase berichten eine deutliche Besserung, die Inkontinenzepisoden halbieren sich oder verschwinden, bei neurogener Blase sinkt der Blasendruck und die Nieren werden geschützt. Bei neurogener Blase ist es nach Cochrane-Daten das wirksamste verfügbare Medikament.

Risiken: Die wichtigste Nebenwirkung ist Restharn durch eine zu ruhige Blase: Etwa 5 bis 10 Prozent der Patienten mit überaktiver Blase und die meisten mit neurogener Blase müssen sich vorübergehend oder dauerhaft selbst katheterisieren. Deshalb muss jeder Patient vor der Behandlung bereit und in der Lage sein, den Selbstkatheterismus zu erlernen. Harnwegsinfekte treten bei 10 bis 20 Prozent auf. Eine Ausbreitung des Toxins mit allgemeiner Muskelschwäche ist bei den verwendeten Dosen extrem selten. Die Behandlung ist Kassenleistung.

📖 Weiterführende Artikel

📖 Teil des UroWissen-Lexikons mit 134 Fachbegriffen. Alle Begriffe →
Quelle: UroWissen.de, unabhängige urologische Patienteninformation. Dieser Ausdruck ersetzt keine ärztliche Beratung.
Zum Schließen tippen · seitlich wischen für Details