Lexikon

Neurogene Blase

Neurogene Blase bezeichnet jede Störung der Blasenfunktion, die durch eine Erkrankung oder Verletzung des Nervensystems verursacht wird. Je nachdem, wo die Schädigung liegt, kann die Blase überaktiv, schlaff, unkoordiniert oder alles zusammen sein. Ursachen sind Querschnittlähmung, Multiple Sklerose, Parkinson, Schlaganfall, Spina bifida, Diabetes, Bandscheibenvorfälle und Operationen im kleinen Becken.

Muster: Schädigungen oberhalb des Hirnstamms, etwa nach Schlaganfall oder bei Parkinson, führen zu einer überaktiven Blase mit Drang und Dranginkontinenz, die Koordination bleibt erhalten. Schädigungen des Rückenmarks oberhalb des Kreuzbeins, etwa bei Querschnittlähmung oder Multipler Sklerose, führen zu einer überaktiven Blase, bei der sich gleichzeitig der Schließmuskel verkrampft; die Blase arbeitet gegen Widerstand, baut hohen Druck auf und gefährdet die Nieren. Schädigungen des Kreuzbeins oder der peripheren Nerven, etwa bei Bandscheibenvorfall oder Diabetes, führen zu einer schlaffen Blase mit Restharn und Überlaufinkontinenz.

Das Wichtigste: Gefährlich ist nicht die Inkontinenz, sondern der Druck. Eine Blase, die bei der Speicherung oder Entleerung Drücke über 40 Zentimeter Wassersäule aufbaut, staut den Urin in die Nieren zurück und schädigt sie dauerhaft; Nierenversagen war früher die häufigste Todesursache Querschnittgelähmter. Deshalb ist die Blasendruckmessung bei jeder neurogenen Blase unverzichtbar, und das Behandlungsziel lautet: niedriger Druck, vollständige Entleerung, kein Infekt, dann Kontinenz.

Behandlung: Grundpfeiler sind der intermittierende Selbstkatheterismus vier- bis sechsmal täglich zur vollständigen und druckarmen Entleerung und Anticholinergika oder Botulinumtoxin-Injektionen, um die Blase ruhigzustellen. Bei schlaffer Blase ebenfalls Selbstkatheterismus. Weitere Optionen sind die sakrale Neuromodulation bei unvollständigen Läsionen, Blasenaugmentation mit Darm bei hohem Druck trotz Medikamenten und in seltenen Fällen eine Harnableitung. Dauerkatheter sind wegen Infekten, Steinen und Harnröhrenschäden die letzte Wahl. Jährliche Kontrollen von Nieren, Restharn und bei Bedarf Blasendruck gehören lebenslang dazu.

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Quelle: UroWissen.de, unabhängige urologische Patienteninformation. Dieser Ausdruck ersetzt keine ärztliche Beratung.
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