Die Untersuchung beantwortet eine Frage, die man von außen nicht klären kann: Ist der Blasenmuskel zu schwach, oder steht dem Urin etwas im Weg?
Das ist entscheidend, weil beides gegensätzlich behandelt wird. Eine falsche Zuordnung führt zu einer Behandlung, die nichts bringt oder schadet.
Angenehm ist es nicht, aber kurz. Nach der Untersuchung sind Brennen und häufiger Drang für ein bis zwei Tage normal.
Alle anderen Untersuchungen zeigen, wie die Blase aussieht. Die Urodynamik zeigt, wie sie arbeitet: wie viel sie fasst, wann sie den ersten Drang meldet, ob sie sich unwillkürlich zusammenzieht, mit welchem Druck sie sich entleert und ob der Verschluss dichthält.
Sie ist deshalb keine Routineuntersuchung, sondern kommt dann zum Einsatz, wenn die einfacheren Verfahren keine Antwort geben oder wenn vor einem Eingriff Sicherheit gebraucht wird.
Vor einer Operation wegen Inkontinenz, weil das Ergebnis die Verfahrenswahl ändern kann. Bei neurologischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose oder nach Rückenmarksverletzung, weil dort der Druck in der Blase über den Erhalt der Nieren entscheidet. Bei widersprüchlichen Befunden, etwa wenn die Beschwerden nicht zum Ultraschall passen. Und wenn eine Behandlung nicht angeschlagen hat und die Frage im Raum steht, ob die Diagnose stimmt.
Nicht durchgeführt wird sie bei einer typischen unkomplizierten überaktiven Blase, die zunächst ohne weitere Diagnostik behandelt wird, und bei einer gewöhnlichen Prostatavergrößerung mit eindeutigem Befund.
Zunächst lassen Sie in ein Messgerät Wasser, damit der Harnstrahl aufgezeichnet und der Restharn bestimmt wird. Dann werden zwei sehr dünne Messkatheter gelegt, einer über die Harnröhre in die Blase, einer in den Enddarm oder die Scheide. Der zweite misst den Druck im Bauchraum, damit sich rechnerisch trennen lässt, welcher Druck vom Blasenmuskel selbst stammt und welcher vom Pressen oder Husten.
Anschließend wird die Blase langsam mit körperwarmer Flüssigkeit gefüllt. Sie melden, wann Sie den ersten Drang spüren, wann er normal wird und wann er stark wird. Zwischendurch werden Sie zum Husten aufgefordert, um zu prüfen, ob dabei Urin abgeht.
Zum Schluss entleeren Sie die Blase, während die Katheter liegen bleiben. Genau diese Phase liefert die entscheidende Information: den Druck, mit dem der Muskel arbeitet, im Verhältnis zum Fluss.

Die Blasenkapazität. Normal sind etwa 400 bis 600 Milliliter. Eine deutlich kleinere Kapazität spricht für eine überaktive oder wenig dehnbare Blase.
Ungewollte Kontraktionen während der Füllung. Sie sind der objektive Nachweis einer überaktiven Blase, fehlen aber bei einem Teil der Betroffenen trotz eindeutiger Beschwerden.
Die Dehnbarkeit. Steigt der Druck während der Füllung stark an, ist die Blasenwand steif geworden. Das ist der gefährlichste Befund, weil der Druck sich auf die Nieren überträgt.
Der Druck beim Entleeren im Verhältnis zum Fluss. Hoher Druck bei schwachem Fluss bedeutet ein Hindernis. Niedriger Druck bei schwachem Fluss bedeutet einen schwachen Muskel. Diese Unterscheidung ist der häufigste Grund für die Untersuchung überhaupt.
Der Verschlussdruck der Harnröhre und ob bei Husten Urin abgeht.
Bei bestimmten Fragestellungen wird die Untersuchung mit Röntgendurchleuchtung kombiniert. Die Blase wird dann mit Kontrastmittel gefüllt, und man sieht zusätzlich zu den Druckwerten, wie sich die Blase formt, ob Urin in die Harnleiter zurückfließt und wie sich der Blasenhals beim Wasserlassen öffnet.
Sinnvoll ist das vor allem bei neurogenen Blasenfunktionsstörungen, bei Verdacht auf einen Rückfluss und bei komplizierten Situationen nach Voroperationen. Für die einfache Fragestellung genügt die Messung ohne Bild.
Sie erhalten Kurven und Zahlen, die ohne Erläuterung schwer zu deuten sind. Vier Fragen sollten im Gespräch beantwortet werden, und danach zu fragen ist Ihr gutes Recht.
Erstens: Ist die Kapazität normal? Zweitens: Kam es zu ungewollten Kontraktionen? Drittens: War der Druck während der Füllung niedrig? Viertens: Liegt beim Entleeren ein Hindernis vor oder ein schwacher Muskel?
Aus diesen vier Antworten ergibt sich die Behandlungsentscheidung. Alles Weitere ist Detail. Lassen Sie sich den Befund erklären, statt nur das Papier mitzunehmen.
Sie kommen mit normal gefüllter Blase und ohne Harnwegsinfekt, weshalb vorher der Urin untersucht wird. Ein bestehender Infekt verschiebt den Termin, weil er die Messwerte verfälscht und das Risiko erhöht.
Bestimmte Medikamente, die auf die Blase wirken, werden nach Absprache einige Tage vorher pausiert. Setzen Sie nichts eigenmächtig ab.
Danach können Brennen beim Wasserlassen und etwas Blut im Urin für ein bis zwei Tage auftreten. Trinken Sie reichlich. Bei Fieber oder starken Schmerzen melden Sie sich, weil in seltenen Fällen ein Infekt entsteht.
Schmerzhaft ist sie in der Regel nicht. Das Legen der dünnen Katheter ist kurz unangenehm, ein Gel mit Betäubungsmittel lindert das. Als belastender wird meist die Situation empfunden, nicht der Eingriff. Eine Narkose ist weder üblich noch sinnvoll, weil die Mitarbeit gebraucht wird.
Das kommt vor und ist ein Ergebnis, kein Misserfolg. Eine überaktive Blase lässt sich in der Untersuchung nicht immer provozieren. Der unauffällige Befund schließt dann bestimmte Ursachen aus, etwa eine Abflussbehinderung oder eine steife Blasenwand, und lenkt die Behandlung entsprechend.
Nicht zwingend. Bei einer eindeutigen Belastungsinkontinenz ohne Drangkomponente und ohne Voroperationen kann darauf verzichtet werden. Empfohlen wird sie bei gemischten Beschwerden, bei Restharn, nach voraus gegangenen Eingriffen und bei neurologischer Vorgeschichte.
Leitlinien
• European Association of Urology. EAU Guidelines on Neuro-Urology. Ausgabe 2025.
• European Association of Urology. EAU Guidelines on Management of Non-neurogenic Female LUTS and Urinary Incontinence in Adults. Ausgabe 2025.