Neoblase ist eine Ersatzblase, die nach Entfernung der Harnblase aus einem etwa 50 bis 60 Zentimeter langen Stück Dünndarm geformt und an die eigene Harnröhre angeschlossen wird. Der Urin wird wie vorher auf natürlichem Weg entleert, ein Stoma ist nicht nötig. Bekannte Varianten sind die Studer- und die Hautmann-Neoblase.
Wie sie funktioniert: Das Darmstück wird längs aufgeschnitten und zu einer Kugel vernäht, damit ein druckarmes Reservoir entsteht, das 400 bis 500 Milliliter fasst. Oben werden die Harnleiter eingepflanzt, unten wird die Neoblase an den Harnröhrenstumpf genäht. Weil der Darm keine eigene Entleerungsmuskulatur hat, erfolgt das Wasserlassen durch Bauchpresse und Entspannung des Beckenbodens, am besten im Sitzen. Ein Harndrang wie früher fehlt, die Füllung wird als dumpfes Druckgefühl wahrgenommen.
Für wen: Voraussetzungen sind eine tumorfreie Harnröhre, ausreichende Nierenfunktion, keine schwere Darmerkrankung und die Bereitschaft zu Beckenbodentraining und regelmäßigen Entleerungen nach der Uhr, auch nachts. Das Alter ist kein Ausschluss, Fitness und Motivation zählen. In Deutschland wurden 2025 rund 1.100 Neoblasen angelegt, das ist etwa jede siebte Zystektomie.
Was Patienten erwartet: In den ersten Monaten sind fast alle inkontinent, nach einem Jahr sind tagsüber etwa 80 bis 90 Prozent trocken, nachts 60 bis 70 Prozent; ein Wecker alle drei bis vier Stunden hilft. Etwa jeder zehnte Mann und jede vierte Frau kann die Neoblase nicht vollständig entleeren und katheterisiert sich selbst. Schleim im Urin ist normal. Lebenslang werden Nierenfunktion, Blutsalze und Vitamin B12 kontrolliert.