Lexikon

Zystektomie

Zystektomie ist die operative Entfernung der Harnblase. Bei der radikalen Zystektomie wegen Blasenkrebs werden beim Mann zusätzlich Prostata und Samenblasen, bei der Frau meist Gebärmutter und ein Teil der Scheidenvorderwand sowie bei beiden die Beckenlymphknoten entfernt. Anschließend wird eine Harnableitung angelegt.

Wann sie nötig ist: Beim muskelinvasiven Blasenkrebs (ab Stadium T2) ist sie die Standardbehandlung, außerdem bei oberflächlichen Tumoren mit sehr hohem Risiko oder wenn die Blaseninstillation mit BCG versagt hat. Seltenere Gründe sind eine zerstörte Schrumpfblase nach Bestrahlung oder Dauerentzündung und nicht beherrschbare Blutungen. Vor der Operation wird bei geeigneten Patienten eine Chemoimmuntherapie gegeben, die die Heilungschance verbessert.

Ablauf: Offen über einen Unterbauchschnitt oder roboterassistiert, Dauer vier bis acht Stunden je nach Harnableitung, Krankenhausaufenthalt ein bis zwei Wochen. Die Zystektomie gehört zu den größten Eingriffen der Urologie; Komplikationen in den ersten 90 Tagen sind mit etwa 60 Prozent häufig, meist leichte wie Darmträgheit oder Infekte, schwere bei 10 bis 15 Prozent. Ergebnisse sind in Kliniken mit hoher Fallzahl besser.

Zahlen: In Deutschland wurden 2025 rund 7.300 radikale Zystektomien in urologischen Abteilungen durchgeführt, dazu etwa 900 vordere Exenterationen bei Frauen, die dasselbe bedeuten. Etwa 15 Prozent erhalten eine Neoblase, die meisten ein Ileum-Conduit. Die Zahl der Kliniken, die den Eingriff anbieten, ist groß, 83 von 301 Häusern führen ihn aber seltener als zehnmal im Jahr durch.

📖 Weiterführende Artikel

📖 Teil des UroWissen-Lexikons mit 134 Fachbegriffen. Alle Begriffe →
Quelle: UroWissen.de, unabhängige urologische Patienteninformation. Dieser Ausdruck ersetzt keine ärztliche Beratung.
Zum Schließen tippen · seitlich wischen für Details