Muskelinvasiv bedeutet beim Blasenkrebs, dass der Tumor durch die Schleimhaut und die darunterliegende Bindegewebsschicht bis in die Blasenmuskulatur eingewachsen ist, Stadium T2 oder höher. Diese Grenze ist die wichtigste Weichenstellung der Behandlung: Oberflächliche Tumoren werden durch die Harnröhre abgetragen und mit Spülungen behandelt, muskelinvasive erfordern in der Regel die Entfernung der Blase.
Warum die Grenze zählt: Die Blasenmuskulatur ist von Blut- und Lymphgefäßen durchzogen. Erreicht der Tumor sie, kann er streuen; bei der Diagnose haben etwa 25 Prozent der muskelinvasiven Tumoren bereits Lymphknotenmetastasen. Deshalb reicht die Abtragung nicht mehr aus, und die Behandlung zielt auf den ganzen Körper. Etwa jeder vierte neu entdeckte Blasenkrebs ist muskelinvasiv, ein weiterer Teil entwickelt sich aus oberflächlichen Tumoren mit hohem Risiko.
Behandlung: Standard ist die radikale Zystektomie mit Entfernung der Beckenlymphknoten und Anlage einer Harnableitung. Davor wird bei geeigneten Patienten eine Chemoimmuntherapie aus Gemcitabin, Cisplatin und Durvalumab gegeben, die das Überleben verbessert; für Patienten, die kein Cisplatin vertragen, die Kombination aus Enfortumab vedotin und Pembrolizumab. Alternativ kommt bei ausgewählten Patienten die blasenerhaltende Trimodaltherapie infrage: maximale Abtragung, Bestrahlung und Chemotherapie, mit engmaschiger Kontrolle.
Prognose: Nach Zystektomie leben nach fünf Jahren etwa 60 bis 70 Prozent der Patienten ohne Lymphknotenbefall, bei befallenen Lymphknoten 25 bis 35 Prozent. Die Art der Harnableitung hat keinen Einfluss auf die Lebenserwartung. Die Ergebnisse sind in Kliniken mit vielen Eingriffen besser; in Deutschland führen 83 von 301 Häusern weniger als zehn Zystektomien im Jahr durch.