Carcinoma in situ, kurz CIS oder Tis, ist ein flacher, auf die oberste Schleimhautschicht begrenzter, aber hochgradig bösartiger Tumor. In der Blase ist er tückisch: Er bildet keinen Knoten, ist im Weißlicht der Blasenspiegelung oft nur als gerötete Stelle zu sehen und wird leicht mit einer Entzündung verwechselt. Unbehandelt wird er bei etwa der Hälfte der Betroffenen innerhalb von fünf Jahren muskelinvasiv.
Erkennung: Hinweise sind Drangbeschwerden, Brennen und häufiges Wasserlassen ohne Infekt, oft über Monate als Blasenentzündung behandelt, und positive Urinzytologie, also Tumorzellen im Urin. Die Fluoreszenzzystoskopie mit Blaulicht macht das Carcinoma in situ deutlich besser sichtbar als Weißlicht und findet etwa ein Drittel mehr Herde. Zur Sicherung werden Proben aus den verdächtigen Stellen und aus den übrigen Blasenabschnitten entnommen, bei Männern auch aus der prostatischen Harnröhre.
Behandlung: Standard ist die Instillation von BCG, einem abgeschwächten Tuberkuloseimpfstoff, in die Blase: sechs wöchentliche Gaben, dann Erhaltungsgaben über ein bis drei Jahre. Das Immunsystem zerstört dabei die Tumorzellen. Die Ansprechrate liegt bei 70 bis 80 Prozent. Die Abtragung allein reicht nicht, weil der Tumor flächig wächst. Wegen des BCG-Lieferengpasses werden Dosis und Schema in manchen Zentren angepasst.
Wenn BCG versagt: Kehrt das CIS unter oder nach BCG wieder, gilt der Tumor als BCG-refraktär, und die Blasenentfernung ist die sicherste Behandlung mit Heilungsraten über 90 Prozent. Für Patienten, die nicht operiert werden können oder wollen, gibt es neuere Optionen wie Pembrolizumab, Nadofaragen oder Gerätesysteme zur Chemotherapie in der Blase, mit niedrigeren Erfolgsraten. Das Carcinoma in situ ist der Hauptgrund, warum beim Blasenkrebs ein oberflächlicher Befund hohes Risiko bedeuten kann.