Urothel ist die Schleimhaut, die den gesamten ableitenden Harntrakt von den Nierenkelchen über Nierenbecken, Harnleiter und Blase bis zur hinteren Harnröhre auskleidet. Es ist ein Übergangsepithel aus mehreren Zellschichten, das sich bei gefüllter Blase flach ausdehnt und bei leerer Blase zusammenfaltet, und es bildet eine Barriere, die verhindert, dass Urin ins Gewebe eindringt.
Eigenschaften: Die obersten Zellen, die Deckzellen, sind groß und tragen eine Schicht aus Uroplakinen und einen Schleimfilm, der die Zellen vor dem aggressiven Urin schützt. Ist diese Barriere geschädigt, etwa bei der interstitiellen Zystitis, dringt Urin in die Wand ein und reizt Nerven und Muskel. Das Urothel erneuert sich langsam, etwa alle drei bis sechs Monate, heilt nach Verletzungen aber rasch.
Urothelkarzinom: Weil dasselbe Gewebe den ganzen Trakt auskleidet, können Tumoren überall entstehen, am häufigsten in der Blase, wo der Urin am längsten verweilt, seltener in Nierenbecken und Harnleiter. Auslöser sind Schadstoffe im Urin, vor allem aus dem Tabakrauch, der für etwa die Hälfte der Blasenkrebsfälle verantwortlich ist, sowie bestimmte Farbstoffe, Lösungsmittel und Medikamente. Weil das ganze Urothel den Schadstoffen ausgesetzt war, entstehen Tumoren oft mehrfach und an verschiedenen Stellen, weshalb nach einem Blasentumor der gesamte Harntrakt kontrolliert wird.
Praktische Folgen: Nach einem Tumor im Nierenbecken entwickeln bis zu 40 Prozent später einen Blasentumor, umgekehrt nach Blasentumor nur wenige Prozent einen Tumor im oberen Harntrakt. Deshalb werden Niere und Harnleiter bei Nierenbeckenkrebs vollständig entfernt, und Blasenspiegelungen gehören jahrelang zur Nachsorge. Urothel findet sich nicht in der vorderen Harnröhre, die von Plattenepithel ausgekleidet ist.