Lexikon

Harnableitung

Harnableitung bezeichnet alle Verfahren, mit denen Urin nach Entfernung der Blase oder bei nicht mehr funktionsfähiger Blase abgeleitet wird. Man unterscheidet inkontinente Formen, bei denen der Urin dauerhaft in einen Beutel fließt, und kontinente Formen, bei denen er gespeichert und willentlich entleert wird.

Die wichtigsten Formen: Das Ileum-Conduit ist die häufigste: Ein kurzes Dünndarmstück leitet den Urin aus den Harnleitern zu einem Stoma in der Bauchdecke, versorgt mit einem Klebebeutel. Die Neoblase ist ein aus Dünndarm geformtes Reservoir, das an die Harnröhre angeschlossen wird; Wasserlassen erfolgt auf natürlichem Weg durch Bauchpresse. Der katheterisierbare Pouch wird über ein kleines Stoma am Bauch mehrmals täglich mit einem Katheter entleert. Die Harnleiter-Haut-Fistel, bei der die Harnleiter direkt in die Haut eingenäht werden, ist die einfachste Form für sehr kranke Patienten.

Wie entschieden wird: Nach Tumorausdehnung, Nierenfunktion, Darmgesundheit, Alter, Geschicklichkeit und Wunsch des Patienten. Eine Neoblase setzt eine tumorfreie Harnröhre, eine Nierenfunktion über etwa 35 bis 40 ml/min und die Bereitschaft zu Beckenbodentraining und gegebenenfalls Selbstkatheterismus voraus. In Deutschland erhalten nach Zystektomie etwa 15 Prozent eine Neoblase, die Mehrheit ein Conduit; der Anteil der Neoblasen ist seit 2021 rückläufig.

Langzeitfolgen: Weil Darm Urin aufnimmt, kann es zu Übersäuerung des Blutes und Vitamin-B12-Mangel kommen, beides wird jährlich kontrolliert. Harnwegsinfekte, Steine in Reservoir oder Niere und Engstellen an den Harnleiteranschlüssen sind die häufigsten Probleme. Die Lebenserwartung hängt vom Tumor ab, nicht von der Art der Harnableitung.

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Quelle: UroWissen.de, unabhängige urologische Patienteninformation. Dieser Ausdruck ersetzt keine ärztliche Beratung.
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