Ileum-Conduit, auch Bricker-Conduit oder Urostoma, ist die häufigste Form der Harnableitung nach Entfernung der Harnblase. Ein 12 bis 15 Zentimeter langes Stück Dünndarm wird ausgeschaltet, die Harnleiter werden an ein Ende angeschlossen, das andere Ende wird als Stoma in die Bauchdecke eingenäht. Der Urin fließt dauerhaft in einen Beutel.
Warum so oft: Die Operation ist kürzer, einfacher und komplikationsärmer als die Neoblase, braucht kein Training, keinen Selbstkatheterismus und keine tumorfreie Harnröhre. Sie eignet sich auch für ältere und kranke Patienten und für Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion. Das Conduit ist ein Kanal, kein Speicher: Der Urin tropft kontinuierlich, Kontinenz gibt es nicht.
Versorgung: Das Stoma sitzt meist rechts unterhalb des Nabels, ist rot, feucht und schmerzunempfindlich. Die Versorgung besteht aus einer Hautschutzplatte und einem Beutel mit Ablassventil, ein- oder zweiteilig. Die Platte wird alle zwei bis vier Tage gewechselt, der Beutel mehrmals täglich entleert, nachts wird ein großer Nachtbeutel angeschlossen. Stomatherapeuten leiten an, Hilfsmittel werden von der Krankenkasse übernommen. Schleim im Beutel ist normal, weil der Darm ihn weiter produziert.
Langzeit: Häufigste Probleme sind Hautreizungen unter der Platte, ein Stomavorfall oder -bruch, Verengung des Stomas oder der Harnleiteranschlüsse, Harnwegsinfekte und Nierensteine. Jährlich werden Nierenfunktion, Blutsalze, Vitamin B12 und die Nieren per Ultraschall kontrolliert. Duschen, Baden, Schwimmen, Sport, Reisen und Sexualität sind mit Conduit möglich. Die Selbsthilfeorganisation ILCO begleitet Betroffene.