In einfachen WortenEin Urostoma ist eine künstliche Öffnung an der Bauchdecke, über die der Urin den Körper verlässt. Sie wird angelegt, wenn die Blase entfernt werden musste und keine Ersatzblase infrage kommt oder wenn sich jemand bewusst für diesen Weg entscheidet.Weiterlesen

Der Urin läuft ununterbrochen, nicht in Portionen. Deshalb wird er in einem Beutel gesammelt, der an der Haut klebt und mehrmals täglich geleert wird. Der Beutel liegt unter der Kleidung und ist von außen nicht zu erkennen.

Das meiste am Anfang ist Handwerk: die Platte richtig zuschneiden, die Haut trocken bekommen, den Beutel dicht bekommen. Das lernt man in wenigen Wochen, meist mit Hilfe einer Stomatherapeutin.

Schwimmen, Sport, Sex und Reisen sind mit einem Stoma möglich. Geruch und ein sichtbarer Beutel, die häufigsten Sorgen vor der Operation, lassen sich mit einer gut sitzenden Versorgung meist vermeiden.

Das Wichtigste für den Alltag

  • Versorgung: Beim zweiteiligen System wird die Basisplatte alle 3 bis 5 Tage gewechselt. Den Beutel leeren Sie mehrmals täglich, sobald er etwa zu einem Drittel gefüllt ist.
  • Haut: Die Öffnung der Platte sollte 2 bis 3 mm größer sein als das Stoma. Reinigen Sie mit klarem Wasser und tupfen Sie die Haut gründlich trocken.
  • Nachts: Ein größerer Nachtbeutel wird an den Urostomiebeutel angeschlossen, so können Sie durchschlafen.
  • Trinken: 2 bis 2,5 Liter am Tag, sofern Herz oder Nieren keine geringere Menge erfordern. Das hält den Schleim flüssig und senkt das Risiko für Infekte und Steine.
  • Kleidung, Sport, Reisen: Der Beutel liegt flach unter der Kleidung. Sport ist nach 3 bis 6 Monaten weitgehend möglich, schweres Heben sollten Sie meiden. Auf Reisen gehört Material für die doppelte Reisedauer ins Handgepäck.
  • Kosten: Stomamaterial zahlt die Krankenkasse, die Zuzahlung beträgt höchstens 10 Euro im Monat. Ein Schwerbehindertenausweis kann beantragt werden.

Wann Sie ärztlichen Rat brauchen

  • Fieber über 38,5 Grad oder Schüttelfrost
  • Über mehrere Stunden kommt kein oder deutlich weniger Urin
  • Die Haut um das Stoma ist wund, nässt oder blutet stark
  • Das Stoma zieht sich ein oder tritt deutlich weiter hervor als sonst

Etwas Schleim im Urin ist normal, er stammt aus dem Darmstück. Auch eine leichte Blutung direkt am Stoma nach dem Wechsel ist harmlos.

Vier Schritte der Stomaversorgung: Platte zuschneiden, Fläche säubern, Platte bereitlegen, Beutel aufsetzen
Die Vorbereitung in vier Schritten: Platte auf die Größe des Stomas zuschneiden, Fläche säubern, Platte bereitlegen, Beutel aufsetzen.
Illustration: UroWissen, KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft.
Urostomabeutel und Basisplatte nebeneinander
Die Versorgung besteht aus zwei Teilen: der Basisplatte auf der Haut und dem aufgesetzten Beutel.
Illustration: UroWissen, KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft.

Dieser Ratgeber beschreibt den Alltag. Wie die Operation abläuft und welche Komplikationen auftreten können, steht im Artikel zum Ileum-Conduit.

Was ein Urostoma ist

Ein Urostoma ist eine Öffnung in der Bauchhaut, über die der Urin nach außen in einen Beutel läuft. Fast immer wird es nach einer Blasenentfernung als Ileum-Conduit angelegt: Ein kurzes Stück Dünndarm leitet den Urin von den Harnleitern zur Bauchhaut.

Wie die Operation abläuft, wann ein Conduit statt einer Ersatzblase gewählt wird und welche Komplikationen möglich sind, erklärt der Artikel Ileum-Conduit. Die Entscheidung zwischen Conduit und Neoblase behandelt unser Vergleich. Hier geht es um den Alltag: Versorgung, Haut, Schleim, die Nacht, Kleidung, Sport, Reisen, Beruf und Kosten. Wie sich das Leben nach der Blasenentfernung insgesamt verändert, auch mit Ersatzblase, beschreibt der Beitrag Leben ohne Blase.

Ein Punkt gehört trotzdem vor die Operation: Eine Stomatherapeutin sollte die Stelle für das Stoma im Sitzen, Stehen und Liegen markieren. Fragen Sie danach, falls es nicht angeboten wird.

Die ersten Wochen nach der Operation

Der stationäre Aufenthalt nach einer Zystektomie mit Conduit dauert in der Regel 10 bis 14 Tage.

In den ersten Tagen tragen die Patienten Ureterschienen: kleine Plastikröhrchen, die durch die Harnleiter, das Conduit und das Stoma nach außen geführt sind. Sie sichern den Urinfluss, während die Nähte heilen. Diese Schienen bleiben etwa 10 bis 14 Tage liegen und werden vor der Entlassung gezogen, ein kurzer, weitgehend schmerzfreier Eingriff. Auch eine Magensonde ist in den ersten Tagen üblich, um die postoperative Darmpassage zu entlasten.

Die wichtigste Lernaufgabe der stationären Zeit ist die Versorgung des Stomas. Die Stomatherapeutin schult Patient und Angehörige täglich: Wie wird die Basisplatte zugeschnitten? Wie wird sie aufgeklebt? Wie wechselt man den Beutel? Wie sieht ein gesundes Stoma aus? Welche Veränderungen sind ein Warnzeichen? Die meisten Patienten sind nach 2 bis 3 Wochen selbstständig in der Versorgung. Wer das schneller schafft, erlebt die Entlassung deutlich entspannter.

Vor der Entlassung wird das Stomamaterial für zu Hause verordnet. Wie die Versorgung mit Hilfsmitteln läuft und wer die Kosten trägt, steht im Abschnitt Beruf, Schwerbehindertenausweis und Kosten.

Stomaversorgung: Plattenwechsel, Beutel und Hautpflege

Die alltägliche Versorgung des Conduit-Stomas folgt einer klaren Routine. Es gibt zwei grundsätzliche Systeme: das einteilige System (Basisplatte und Beutel sind verbunden) und das zweiteilige System (Basisplatte und Beutel separat, der Beutel rastet auf einem Ring ein). Das zweiteilige System ist häufiger in Verwendung, weil es einen einfachen Beutelwechsel ohne Plattenwechsel erlaubt.

Einteiliges SystemZweiteiliges System
AufbauPlatte und Beutel fest verbundenPlatte und Beutel getrennt, Rastring oder Klebe
Platte wechselnmit jedem Beutelwechselalle 3 bis 5 Tage
Beutel wechselnalle 1 bis 3 Tage kompletttäglich bis alle 2 Tage, Platte bleibt
Auf der Hautflacher, unauffälliger unter Kleidungetwas aufträgt durch den Ring
Hautbelastunghöher, die Platte wird oft abgezogengeringer, die Platte bleibt liegen
Handhabungeinfacher, weniger Teileetwas mehr Übung nötig
Gut geeignet fürebene Haut, wenig Wechsel gewünschtempfindliche Haut, häufiger Beutelwechsel

Beide Systeme sind gleichwertig, es gibt kein besseres. Welches passt, hängt von Hauttyp, Stomaform und Gewohnheit ab. Die Stomatherapeutin probiert das mit Ihnen aus. Ein Wechsel ist jederzeit möglich.

Der Plattenwechsel erfolgt typischerweise alle 3 bis 5 Tage. Beim Wechsel wird die alte Platte vorsichtig abgelöst, am besten unter der Dusche, weil Wasser den Hautkleber löst. Die Stomaumgebung wird mit klarem Wasser gereinigt; auf Seifen mit Zusatzstoffen sollte verzichtet werden, weil sie den späteren Plattenhalt schwächen. Die Haut wird gründlich trocken getupft.

Die richtige Zeit. Am besten wechseln Sie die Platte morgens vor dem Frühstück, wenn am wenigsten Urin fließt. Manche trinken 30 Minuten vorher etwas weniger. Nehmen Sie sich Zeit: Der ganze Wechsel sollte in Ruhe ablaufen und mindestens 15 Minuten dauern.

Beim Aufkleben der neuen Platte ist die Größenanpassung entscheidend: Die Öffnung der Platte muss exakt 2 bis 3 mm größer sein als das Stoma. Zu groß, Hautfalten und Urin kommen mit der Haut in Kontakt, das verursacht Reizungen. Zu klein, die Stomaschleimhaut wird mechanisch belastet. Viele Patienten messen ihr Stoma in den ersten Monaten regelmäßig, weil es nach der Operation noch leicht schrumpft. Nach etwa 3 bis 6 Monaten ist die endgültige Größe erreicht.

Der Beutel selbst wird mehrmals täglich geleert, immer dann, wenn er etwa zu einem Drittel gefüllt ist. Ein voller Beutel ist sichtbar, schwer und kann den Halt der Platte gefährden. Für die Nacht wird ein größerer Nachtbeutel an den Urostomiebeutel angeschlossen, mehr dazu im Abschnitt Nachts.

Die Hautpflege rund um das Stoma ist der wichtigste Schlüssel zu einer komplikationsarmen Versorgung. Eine gesunde Stomaumgebung ist trocken, glatt, ohne Rötungen. Bei beginnender Reizung helfen Stomapuder (saugt Feuchtigkeit auf), Hautschutzpaste (gleicht Hautunebenheiten aus) oder Hautschutzringe (gleichen Falten aus, bei Bedarf zusammen mit einer gewölbten Convex-Platte). Bleibt die Haut trotzdem gereizt, ist die Stomatherapeutin die wichtigste Ansprechpartnerin.

Hautprobleme sind die häufigste Schwierigkeit mit einem Urostoma. Etwa 30 Prozent der Betroffenen entwickeln in den ersten Monaten Hautreizungen, meist durch undichte Platten, eine falsch angepasste Öffnung oder Reibung. Meist hilft es, die Versorgung anzupassen. Bei hartnäckigen Reizungen sollten Sie nicht abwarten, sondern die Stomatherapeutin aufsuchen.

Schleim im Beutel: normal, aber lästig

Ein Punkt, der Betroffene im Alltag häufig beschäftigt und in Aufklärungsgesprächen selten vorkommt: Aus dem Stoma kommt nicht nur Urin, sondern auch Schleim. Er sieht weißlich bis milchig aus, manchmal fadenförmig, gelegentlich flockig.

Das ist kein Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt. Das Darmstück, aus dem das Conduit gebildet wurde, bleibt Darm. Seine Becherzellen produzieren weiterhin Schleim, so wie sie es im Bauchraum getan haben. Daran ändert sich dauerhaft nichts. In den ersten Wochen nach der Operation ist die Menge am größten, danach nimmt sie meist etwas ab, verschwindet aber nie ganz.

Praktisch stört der Schleim vor allem an einer Stelle, nämlich am Auslass des Beutels. Er kann den Ablasshahn verkleben, sich im Schlauch des Nachtbeutels sammeln und dazu führen, dass sich der Beutel nicht mehr richtig entleeren lässt. Das schildern viele Betroffene.

Was zuverlässig hilft

Ausreichend trinken. Das ist die wirksamste Maßnahme und zugleich die einfachste. Je verdünnter der Urin, desto flüssiger der Schleim und desto seltener verstopft der Auslass. Empfohlen werden meist 2 bis 2,5 Liter täglich, sofern Herz oder Nieren keine geringere Menge erfordern. Ein heller, fast farbloser Urin ist dabei ein guter Anhaltspunkt.

Häufiger entleeren. Wer den Beutel früh leert, spätestens wenn er zu einem Drittel gefüllt ist, gibt dem Schleim weniger Gelegenheit, sich am Auslass zu sammeln.

Den Auslass nach dem Entleeren ausspülen. Ein Schwall Leitungswasser durch den geöffneten Hahn, dann abwischen. Das dauert Sekunden und verhindert das Verkleben.

Das Beutelsystem prüfen. Auslässe unterscheiden sich erheblich. Manche Systeme haben einen Ablasshahn mit engem Querschnitt, andere einen breiteren Auslass, der mit Schleim deutlich besser zurechtkommt. Auch beim Nachtbeutel gibt es Unterschiede im Schlauchdurchmesser. Wenn der Auslass regelmäßig verstopft, lohnt das Gespräch mit dem Stomatherapeuten oder dem Versorger über ein anderes Modell. Es besteht Anspruch auf eine passende Versorgung, nicht nur auf irgendeine.

Zur häufigsten Frage: Ob sich der Schleim über die Ernährung beeinflussen lässt, wird oft gefragt und unterschiedlich beantwortet. Mal heißt es, säuernde Getränke wie Cranberrysaft würden helfen, mal das Gegenteil. Belastbare Daten dazu gibt es nicht. Es existiert keine Untersuchung, die zeigt, dass eine saure oder eine basische Ernährung die Schleimbildung zuverlässig verringert. Wer es ausprobieren möchte, kann das gefahrlos tun, sollte aber keine großen Erwartungen haben. Die Trinkmenge bleibt in jedem Fall der entscheidende Hebel.

Was in besonderen Fällen infrage kommt: Bei sehr zähem Schleim wird gelegentlich der schleimlösende Wirkstoff Acetylcystein eingesetzt, meist bei kontinenten Reservoirs, die gespült werden müssen. Beim Ileum-Conduit ist das selten nötig, weil das Darmstück frei nach außen abläuft. Wer darüber nachdenkt, sollte es mit dem behandelnden Urologen besprechen und nicht auf eigene Faust versuchen.

Wann Sie sich melden sollten: Wenn die Schleimmenge plötzlich stark zunimmt, der Urin trüb wird und unangenehm riecht, besonders zusammen mit Fieber, Flankenschmerz oder Krankheitsgefühl, kann eine Infektion dahinterstecken. Und wenn aus dem Stoma über mehrere Stunden gar kein Urin mehr kommt, obwohl Sie ausreichend getrunken haben, gehört das noch am selben Tag abgeklärt.

Nachts: der Nachtbeutel

Weil der Urin auch im Schlaf ununterbrochen fließt, reicht der Urostomiebeutel für die Nacht nicht aus. Abends wird deshalb ein größerer Nachtbeutel an den Urostomiebeutel angeschlossen. Er fasst ein bis zwei Liter, so kann die Nacht durchgeschlafen werden.

Der Nachtbeutel hängt tiefer als der Körper, damit der Urin nicht zurückfließt. Morgens wird er entleert und gespült. Sammelt sich Schleim im Schlauch, kann ein Modell mit größerem Schlauchdurchmesser helfen, siehe den Abschnitt zum Schleim.

Kleidung, Sport und Sexualität

Viele fragen vor der Operation, ob ihr Leben so bleibt wie vorher. Es ändert sich: Die Versorgung gehört künftig zum Tagesablauf. Die meisten beherrschen sie nach etwa drei Monaten sicher, Kleidung, Sport und Reisen bleiben möglich.

Zur Kleidung: Der Urostomiebeutel ist flach, geräuschlos und liegt unter der Kleidung. Auch eng anliegende Hosen, Anzüge oder Sportkleidung sind möglich. Manche Patienten verwenden Stomagürtel oder Unterwäsche mit integrierter Beuteltasche für zusätzlichen Halt. Schwimmbekleidung mit hohem Bund oder spezielle Stoma-Badebekleidung erlauben unauffälliges Schwimmen.

Der Sport ist nach 3 bis 6 Monaten weitgehend uneingeschränkt möglich. Dazu gehören Schwimmen mit speziellen Schutzkappen oder einem flachen Mini-Beutel, Radfahren, Wandern, Yoga und Fitness. Beim Kontaktsport (Fußball, Kampfsport) wird ein Stomaschutzgürtel empfohlen, um direkte Stöße auf das Stoma zu vermeiden. Schweres Gewichtheben und extreme Bauchpressen sollten vermieden werden, weil sie das Risiko einer parastomalen Hernie erhöhen (Vorwölbung des Bauchinhalts durch die Bauchwand-Schwachstelle um das Stoma).

Die Sexualität bleibt nach Zystektomie häufig herausfordernd, nicht wegen des Stomas selbst, sondern wegen der Operation der Beckenorgane. Bei Männern können Erektionsstörungen auftreten (PDE5-Hemmer, Vakuumpumpe oder SKAT helfen oft). Bei Frauen sind sexuelle Funktionsstörungen ebenfalls möglich. Das Stoma selbst ist kein Hindernis: Spezielle Mini-Beutel, Stomakappen oder Stomabandagen ermöglichen sexuelle Aktivität diskret. Ein offenes Gespräch in der Partnerschaft hilft.

Reisen und unterwegs

Reisen sind mit einem Urostoma gut möglich, wenn das Material geplant ist. Nehmen Sie Versorgungsmaterial für die doppelte Reisedauer mit. Es gehört ins Handgepäck, damit ein verlorener Koffer nicht zum Versorgungsproblem wird. Ein ärztliches Attest auf Englisch hilft bei Sicherheitskontrollen. Klären Sie bei Fernreisen vorab, ob Ihr Material im Zielland erhältlich ist. Eine Auslandskrankenversicherung, die Stomamaterial einschließt, ist empfehlenswert.

Notfall-Set für unterwegs. Ein komplettes Wechselset (Platte, Beutel, Pflegetücher, kleine Mülltüte) gehört in Handtasche, Aktentasche oder Auto. Das gibt Sicherheit im Alltag und bei spontanen Unternehmungen.

Ernährung und Trinkmenge

Mit einem Urostoma gibt es praktisch keine Ernährungseinschränkungen. Anders als beim Kolostoma (Stuhl-Stoma) braucht man hier nicht auf blähende oder schwer verdauliche Lebensmittel zu achten. Was gegessen wird, beeinflusst hauptsächlich den Urin, bestimmte Speisen können den Geruch verändern.

Die Trinkmenge ist hingegen kritisch. Mindestens 2 bis 2,5 Liter pro Tag, am besten Wasser oder ungesüßte Tees. Urostomaträger haben ein erhöhtes Risiko für Harnwegsinfekte und für Steinbildung, wenn der Urin zu konzentriert ist. Ob Cranberrysaft oder Vitamin-C-reiche Kost Infekten zusätzlich vorbeugen, ist nicht sicher belegt.

Was Patienten oft überrascht: Der Geruch des Urins kann durch bestimmte Speisen deutlich verändert werden. Spargel ist der bekannteste Geruchsverstärker, daneben Knoblauch, Zwiebeln, Kohlsorten und bestimmte Gewürze. Wer in geselliger Runde auf Nummer sicher gehen will, kann diese Speisen vor Treffen meiden. Ein dicht sitzender, geschlossener Beutel hält den Geruch zurück.

Langfristig werden beim Conduit auch Nierenwerte, Salze im Blut und Vitamin B12 kontrolliert. Warum das nötig ist, erklärt der Artikel zum Ileum-Conduit.

Beruf, Schwerbehindertenausweis und Kosten

Hilfsmittel und Kosten. Stomamaterial ist eine Leistung der Krankenkasse: Basisplatten, Beutel, Pflegeprodukte und Hautschutz. Die Verordnung kommt vom Urologen oder Hausarzt auf einem Hilfsmittelrezept. Die Zuzahlung ist auf 10 Euro im Monat begrenzt, bei Befreiung entfällt sie. Ein Homecare-Anbieter liefert das Material nach Hause, berät bei der Produktwahl und rechnet direkt mit der Kasse ab. Diese Begleitung ist in Deutschland Standard. Passt ein Produkt nicht, besteht Anspruch auf eine passende Versorgung.

Schwerbehindertenausweis. Eine künstliche Harnableitung nach außen wird mit einem Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50 bewertet. Nach einer Blasenentfernung wegen Krebs gilt in den ersten fünf Jahren meist ein GdB von 80. Der Ausweis bringt steuerliche Vorteile, mögliche Parkerleichterungen und einen erweiterten Kündigungsschutz im Beruf. Der Antrag wird beim Versorgungsamt gestellt.

Im Beruf. Wann Sie nach der Operation wieder arbeiten können, besprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam. Für den Arbeitstag hilft es, die Platte morgens zu Hause zu wechseln und ein Notfall-Set am Arbeitsplatz oder in der Tasche zu haben.

Kontrollen und Komplikationen

Welche Spätfolgen ein Conduit haben kann und wie die Nachsorge aufgebaut ist, steht ausführlich im Artikel zum Ileum-Conduit. Für den Alltag sind drei Punkte wichtig.

Bakterien im Urin sind normal. Bei einem Conduit findet sich praktisch immer eine Bakteriurie. Sie wird nicht antibiotisch behandelt, solange keine Beschwerden bestehen. Bei Fieber, Flankenschmerzen oder ausgeprägtem Krankheitsgefühl dagegen sofort urologisch vorstellen, eine aufsteigende Infektion kann die Nieren schädigen.

Bruch neben dem Stoma. Eine parastomale Hernie ist eine Vorwölbung des Bauchinhalts durch die Bauchwand neben dem Stoma. Eine kleine Hernie lässt sich meist mit einem Stomagürtel versorgen. Operiert wird nur, wenn sie stört, einklemmt oder die Versorgung unmöglich macht. Schweres Heben zu meiden und ein normales Körpergewicht zu halten senkt das Risiko.

Kontrollen auch ohne Beschwerden. Die Tumornachsorge richtet sich nach Tumorstadium und Rückfallrisiko, den Plan legt Ihr Behandlungsteam fest. Davon getrennt werden das Conduit, die Nieren, die Blutwerte und die Stomaversorgung lebenslang kontrolliert.

Stomatherapie und Selbsthilfe

Die Stomatherapeutin bleibt Ansprechpartnerin. Sie ist nicht nur für die Anfangsphase wichtig. Auch nach Jahren lohnt sich der Kontakt, etwa wenn sich die Form des Stomas oder des Bauches verändert, neue Produkte auf den Markt kommen oder kleine Versorgungsprobleme auftreten. Ein Termin ein- bis zweimal im Jahr ist auch dann sinnvoll, wenn alles gut läuft. Termine bei spezialisierten Stomaberatungen vermittelt die Hausarztpraxis oder der Homecare-Anbieter.

Selbsthilfegruppen nutzen. Die Deutsche ILCO e. V. ist die wichtigste Selbsthilfeorganisation für Stomaträger im deutschsprachigen Raum. Regionale Gruppen bieten regelmäßige Treffen, telefonische Beratung und Erfahrungsaustausch. Der Kontakt zu jemandem, der den Weg schon vor Jahren gegangen ist, ist oft hilfreicher als jeder Ratgebertext.

Fragen an meinen Arzt

Diese Fragen helfen, das Gespräch zu strukturieren. Über die Druckfunktion können Sie die Liste mitnehmen.

Welche Beutelsysteme kommen für meine Stomaform infrage? Kann ich mehrere ausprobieren?
Wer betreut meine Stomaversorgung? Wie erreiche ich die Stomatherapie bei Problemen?
Wie erkenne ich eine Stomaverengung oder einen Stomabruch früh?
Welche Blutwerte und Untersuchungen gehören zu meiner jährlichen Kontrolle?
Darf ich schwimmen, Sport treiben und reisen? Was muss ich dabei beachten?
Wo bekomme ich einen Stomapass und einen Nachweis für Flugreisen?

Häufige Fragen (FAQ)

Weil das Conduit aus einem Stück Dünndarm gebildet wurde und dieses Darmstück weiterhin Schleim produziert. Das ist normal und bleibt dauerhaft so. In den ersten Wochen ist die Menge am größten, danach nimmt sie meist etwas ab. Wenn der Schleim den Auslass verstopft, helfen vor allem eine ausreichende Trinkmenge, häufigeres Entleeren und ein Beutelsystem mit breiterem Auslass.

Dazu gibt es keine belastbaren Daten. Weder für säuernde Getränke wie Cranberrysaft noch für eine basische Ernährung ist belegt, dass sie die Schleimbildung verringern. Ausprobieren schadet nicht, entscheidend ist aber die Trinkmenge: Je verdünnter der Urin, desto flüssiger der Schleim.

Das Ileum-Conduit ist die einfachere Variante: Aus einem 15 bis 20 cm langen Dünndarmstück wird ein Leitungsrohr gebildet, der Urin fließt kontinuierlich durch ein Stoma in einen Auffangbeutel. Bei der Neoblase wird aus 50 bis 60 cm Darm eine kugelförmige Ersatzblase geformt, die an die Harnröhre angeschlossen wird, Wasserlassen auf natürlichem Weg. Vorteile Conduit: einfacher Eingriff, kein Training, keine Nachtinkontinenz. Vorteile Neoblase: kein sichtbares Stoma, natürlicher Weg des Wasserlassens. Beide Verfahren sind gut bewährt, die Wahl hängt von medizinischen Voraussetzungen und persönlichen Prioritäten ab.

Das hängt vom System ab. Beim zweiteiligen System wird die Basisplatte alle 3 bis 5 Tage gewechselt, der Beutel täglich bis alle 2 Tage. Beim einteiligen System wird das gesamte System alle 1 bis 3 Tage komplett gewechselt. Geleert wird der Beutel mehrmals täglich, sobald er etwa zu einem Drittel gefüllt ist. Nachts wird ein größerer Nachtbeutel an den Urostomiebeutel angeschlossen.

In der Regel nicht. Die Beutel sind flach, hautfarben und liegen unter der Kleidung. Auch eng anliegende Hosen, Anzüge oder Sportbekleidung sind möglich. Stomabandagen, Bauchgürtel oder Unterwäsche mit integrierter Beuteltasche geben zusätzlichen Halt. Zum Schwimmen gibt es Schutzkappen oder flache Mini-Beutel.

Ja, nach 3 bis 6 Monaten Heilung sind fast alle Sportarten möglich, etwa Schwimmen mit Schutzkappen oder Mini-Beuteln, Radfahren, Wandern, Fitness, Yoga oder Joggen. Bei Kontaktsport wird ein Stomaschutzgürtel empfohlen, um direkte Stöße abzufedern. Schweres Gewichtheben und extreme Bauchpressen sollten vermieden werden, weil sie das Risiko einer parastomalen Hernie erhöhen. Schwerathletik, Kampfsport mit Schlägen auf den Bauch und Extremsportarten sollten individuell mit dem Urologen besprochen werden.

Stomamaterial ist eine Leistung der Krankenkasse: Basisplatten, Beutel, Pflegeprodukte und Hautschutz. Die Verordnung erfolgt durch den Urologen oder Hausarzt auf einem Hilfsmittelrezept. Die Zuzahlung beträgt höchstens 10 Euro im Monat, bei Zuzahlungsbefreiung entfällt sie. Die Versorgung läuft über spezialisierte Homecare-Anbieter, die nach Hause liefern und direkt mit der Kasse abrechnen. Sie können unter den Vertragspartnern Ihrer Krankenkasse wählen.

Die meisten Patienten beschreiben die ersten 4 bis 8 Wochen als die anspruchsvollste Phase, körperlich (Heilung nach der OP) und psychisch (Auseinandersetzung mit dem veränderten Körperbild). Nach etwa 3 Monaten beherrschen die meisten die Versorgung sicher und im Alltag tritt das Stoma zunehmend in den Hintergrund. Nach 6 bis 12 Monaten ist die volle Anpassung erreicht, Patienten beschreiben rückblickend oft, dass sie an manchen Tagen kaum noch an das Conduit denken. Eine psychoonkologische Begleitung in den ersten Monaten ist hilfreich und wird von Krankenkassen erstattet.

Bei Männern ist nach Zystektomie die natürliche Fortpflanzungsfähigkeit verloren, die Samenbläschen und die Prostata werden mitentfernt, das bedeutet keine Ejakulation mehr. Wer vor der OP Kinderwunsch hat, sollte unbedingt vorher Sperma kryokonservieren lassen. Bei Frauen werden je nach Operationsausmaß auch Gebärmutter und Eierstöcke mitentfernt, was die Fertilität beendet. Bei jüngeren Frauen mit Kinderwunsch sollte vor der OP eine Beratung in einer Kinderwunschklinik erfolgen, Eizellen können vor der OP entnommen und tiefgefroren werden.

Aus dem Urostoma fließt Urin, aus dem Ileostoma Dünndarmstuhl. Das Urostoma wird über ein Dünndarmstück (Ileum-Conduit) angelegt, weshalb die Begriffe verwechselt werden, der Darm selbst bleibt aber intakt und entleert sich normal.

Das ist der deutsche Begriff für das Urostoma: eine Öffnung in der Bauchdecke, über die der Urin nach Entfernung oder Stilllegung der Blase in einen Beutel abfließt. Der oft gehörte Begriff künstlicher Darmausgang ist dafür falsch.

Selbsthilfe und Austausch
Deutsche ILCO e.V.
Selbsthilfevereinigung für Menschen mit Stoma und künstlicher Harnableitung, rund 6.500 Mitglieder in etwa 300 Gruppen.
ilco.de · Telefon 0228 33889450

Weiterlesen: Leben ohne Blase: der Alltag danach

Weiterlesen: Urostoma, Ileostoma, Kolostoma: die Unterschiede

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Quellen

Leitlinien

• European Association of Urology. EAU Guidelines on Muscle-invasive and Metastatic Bladder Cancer. Ausgabe 2024.

• Leitlinienprogramm Onkologie. S3-Leitlinie Früherkennung, Diagnose, Therapie und Nachsorge des Harnblasenkarzinoms. AWMF-Registernummer 032-038OL, 2024.

• American Urological Association (AUA). Treatment of Non-Metastatic Muscle-Invasive Bladder Cancer Guideline. AUA, 2023.

• Hautmann, R. E. et al. ICUD-EAU International Consultation on Bladder Cancer 2012: Urinary diversion. European Urology, 2013;63(1):67-80. PMID 22995974

• Salvadalena, G. et al. WOCN Society and AUA position statement on preoperative stoma site marking for patients undergoing urostomy surgery. Journal of Wound, Ostomy and Continence Nursing, 2015;42(3):253-256. PMID 25695928

Studien

• Bricker, E. M. Bladder substitution after pelvic evisceration. Surgical Clinics of North America, 1950;30(5):1511-1521. PMID 14782163

• Madersbacher, S. et al. Long-term outcome of ileal conduit diversion. Journal of Urology, 2003;169(3):985-990. PMID 12576827

• Deutsche ILCO e. V., Selbsthilfeorganisation für Stomaträger und Menschen mit Darmkrebs. www.ilco.de

Reviews

• Cerruto, M. A. et al. Systematic review and meta-analysis of non randomized studies comparing quality of life outcomes in patients with bladder cancer following orthotopic neobladder vs. ileal conduit. European Journal of Surgical Oncology, 2016;42(3):343-360. PMID 26620844

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