Striktur ist eine narbige Verengung eines Hohlorgans. In der Urologie sind vor allem die Harnröhrenstriktur beim Mann, die Harnleiterstriktur und die Anastomosenstriktur nach Prostataentfernung gemeint. Narbengewebe ersetzt dabei die elastische Wand, der Querschnitt verengt sich, der Abfluss wird behindert.
Harnröhrenstriktur: Ursachen sind Verletzungen durch Katheter oder Eingriffe, Beckenbrüche, Entzündungen, Lichen sclerosus und häufig keine erkennbare Ursache. Zeichen sind ein dünner, gespaltener oder spritzender Strahl, Pressen, Nachträufeln, wiederkehrende Infekte und Restharn. Die Diagnose stellen Harnstrahlmessung, Kontrastmitteldarstellung der Harnröhre und Spiegelung. Etwa 15.000 Harnröhreneingriffe werden in Deutschland jährlich stationär durchgeführt.
Behandlung: Die Schlitzung von innen (Urethrotomia interna) ist einfach, heilt aber nur kurze Erstengen dauerhaft; nach wiederholten Schlitzungen liegt die Rückfallrate über 80 Prozent, und jede Schlitzung verlängert die Narbe. Die Leitlinien empfehlen deshalb nach der ersten erfolglosen Schlitzung die offene Harnröhrenrekonstruktion: Bei kurzen Engen wird das Narbenstück entfernt und die Enden werden vernäht, bei längeren wird die Harnröhre mit Mundschleimhaut erweitert. Die Erfolgsraten liegen bei 85 bis 95 Prozent. Eine medikamentenbeschichtete Ballonaufdehnung ist eine neuere Option bei kurzen Engen.
Harnleiter und Anastomose: Harnleiterstrikturen entstehen nach Steinbehandlungen, Bestrahlung, Operationen und Tumoren; sie führen zum Harnstau und werden mit Schiene, Aufdehnung, Laserschlitzung oder Rekonstruktion behandelt. Die Anastomosenstriktur nach Prostatektomie bei zwei bis fünf Prozent wird meist durch Schlitzung oder Aufdehnung beseitigt. Bei allen Strikturen gilt: Je früher und je vollständiger die Behandlung, desto seltener der Rückfall.