Ist der Hoden mit sechs Monaten noch nicht an seinem Platz, wird behandelt. Abgeschlossen sein sollte das bis zum ersten Geburtstag.
Der Grund für die Eile: Im Bauchraum ist es zu warm. Je länger der Hoden dort bleibt, desto stärker leidet die spätere Fruchtbarkeit.
Auch nach erfolgreicher Behandlung bleibt das Risiko für Hodenkrebs leicht erhöht. Deshalb gehört die Selbstuntersuchung später dazu.
Beim Hodenhochstand hat mindestens ein Hoden vor der Geburt nicht den Weg in den Hodensack gefunden. Er liegt dann im Leistenkanal oder im Bauchraum. Es ist die häufigste angeborene Besonderheit der männlichen Geschlechtsorgane: Etwa drei Prozent der reif geborenen Jungen sind betroffen, bei Frühgeborenen deutlich mehr, weil der Abstieg erst gegen Ende der Schwangerschaft stattfindet.
Bei einem Teil der Kinder wandert der Hoden in den ersten Lebensmonaten von selbst nach unten. Nach dem sechsten Lebensmonat ist damit kaum noch zu rechnen.

Die Unterscheidung zwischen Gleithoden und Pendelhoden ist für Eltern die verwirrendste und für die Behandlung die wichtigste. Sie gelingt nur bei entspanntem Kind in warmer Umgebung und gehört in kinderurologisch erfahrene Hände.
Im Bauchraum und im Leistenkanal ist es etwa zwei Grad wärmer als im Hodensack. Das klingt wenig, ist für das heranreifende Hodengewebe aber zu viel. Ab dem Ende des ersten Lebensjahres beginnen Veränderungen, die sich nicht mehr vollständig zurückbilden.
Zwei Gründe stehen dahinter. Erstens die spätere Fruchtbarkeit: Je länger der Hoden zu warm liegt, desto schlechter die spätere Spermienbildung, bei beidseitigem Befund deutlicher als bei einseitigem. Zweitens das Tumorrisiko, das bei Hodenhochstand erhöht ist. Die Operation senkt dieses Risiko nicht auf null, aber sie macht den Hoden tastbar und damit kontrollierbar, was für die Früherkennung entscheidend ist.
Standard ist die operative Verlagerung des Hodens in den Hodensack, wo er mit einer Naht fixiert wird. Der Eingriff erfolgt meist ambulant in Vollnarkose und dauert bei tastbarem Hoden etwa 30 bis 45 Minuten. Die Kinder erholen sich in der Regel innerhalb weniger Tage.
Ist der Hoden nicht tastbar, wird zuerst mit einer Bauchspiegelung nachgesehen. Dabei zeigt sich, ob der Hoden im Bauchraum liegt und verlagert werden kann oder ob er nicht angelegt beziehungsweise untergegangen ist.
Eine Hormonbehandlung wurde früher häufig vorgeschaltet. Sie wird heute zurückhaltend beurteilt, weil die Erfolgsquote gering ist und wertvolle Zeit vergeht.
Auch nach erfolgreicher Operation bleibt ein leicht erhöhtes Risiko für einen Hodentumor bestehen, und zwar auf beiden Seiten. Das ist kein Grund zur Sorge im Alltag, aber ein guter Grund, dem Sohn spätestens in der Pubertät die Selbstuntersuchung der Hoden beizubringen. Sie dauert eine Minute im Monat und hilft, Veränderungen früh zu bemerken. Ein Nutzen für die Sterblichkeit ist für die Selbstuntersuchung nicht belegt, sie ersetzt deshalb keine ärztliche Kontrolle.
In den ersten sechs Lebensmonaten ist das möglich und kommt häufig vor. Danach ist ein spontaner Abstieg unwahrscheinlich, und es sollte behandelt werden. Abwarten über den ersten Geburtstag hinaus bringt keinen Vorteil, sondern kostet Reifungszeit.
Das klingt nach einem Pendelhoden, und der ist normal. Er wandert bei Kälte oder Anspannung nach oben und liegt in entspanntem, warmem Zustand wieder im Hodensack. Behandlungsbedürftig wäre ein Gleithoden, der sofort zurückrutscht, wenn man ihn loslässt. Die Unterscheidung sollte ein erfahrener Untersucher treffen.
Bei einseitigem, rechtzeitig behandeltem Hodenhochstand ist die Fruchtbarkeit meist normal. Bei beidseitigem Befund ist sie häufiger eingeschränkt, aber keineswegs immer. Ein Spermiogramm im Erwachsenenalter schafft Klarheit, falls die Frage konkret wird.
Leitlinien
• European Association of Urology. EAU Guidelines on Paediatric Urology. Ausgabe 2025.