Ratgeber

Hoden-Selbstuntersuchung: Anleitung in fünf Schritten

Hoden abtasten: warum eine Minute im Monat genügt, worauf Sie achten, welche Befunde harmlos sind und warum die Schmerzlosigkeit das eigentliche Problem ist.
Redaktion: UroWissen
Redaktionell erstellt. Eine fachärztliche Einzelprüfung dieses Beitrags steht noch aus. Zum Medical Board
Erstellt nach Leitlinien von EAU und DGU
In einfachen WortenHodenkrebs trifft vor allem junge Männer zwischen 20 und 40. Es gibt dafür keine Vorsorgeuntersuchung der Kasse, nur das eigene Abtasten.Weiterlesen

Einmal im Monat unter der warmen Dusche, wenn die Haut entspannt ist. Jeden Hoden einzeln zwischen Daumen und Fingern rollen.

Gesucht wird eine schmerzlose Verhärtung oder eine Größenzunahme. Schmerzen fehlen bei Hodenkrebs meist, gerade deshalb wird zu lange gewartet.

Der Nebenhoden am hinteren Rand fühlt sich normalerweise wulstig an. Das ist kein Knoten. Im Zweifel lassen Sie es ansehen, ein Ultraschall dauert fünf Minuten.

Wann Sie zum Arzt sollten

Der typische Befund bei Hodenkrebs ist eine schmerzlose Verhärtung im Hoden selbst, die sich wie eine kleine harte Stelle in einem sonst gleichmäßigen Organ anfühlt. Genau die Schmerzlosigkeit ist der Grund, warum viele Männer abwarten.

Lassen Sie zeitnah untersuchen bei: einer neuen Verhärtung oder einem Knoten, einer deutlichen Größenzunahme eines Hodens, einem neuen Schweregefühl, einer Vergrößerung oder Spannung der Brustdrüsen und bei anhaltenden dumpfen Beschwerden in Hoden oder Leiste.

Sofort, nicht abwarten, bei plötzlichem heftigem Hodenschmerz. Das ist keine Frage der Selbstuntersuchung, sondern der Verdacht auf eine Hodentorsion, bei der ein Zeitfenster von etwa sechs Stunden gilt.

Eine Minute im Monat

Bei Hodenkrebs gibt es keine Vorsorgeuntersuchung, die von den Kassen angeboten wird, und keinen Bluttest zur Früherkennung. Umso wichtiger ist es, den eigenen Körper zu kennen und Veränderungen früh zu bemerken. Für ein bevölkerungsweites Untersuchungsprogramm fehlt der Nachweis, dass es die Sterblichkeit senkt. Die EAU empfiehlt, junge Männer über die Selbstuntersuchung zu informieren, und rät besonders dazu bei erhöhtem Risiko, etwa nach Hodenhochstand oder bei Hodenkrebs in der eigenen oder familiären Vorgeschichte.

Sie richtet sich an Männer zwischen etwa fünfzehn und vierzig Jahren, weil in dieser Altersgruppe der Altersgipfel liegt. Hodenkrebs ist der häufigste bösartige Tumor junger Männer, und er ist mit über fünfundneunzig Prozent Heilungsrate einer der am besten behandelbaren, wenn er früh erkannt wird.

1x
im Monat genügt
15-40
Jahre, der Altersgipfel
über 95 Prozent
Heilungsrate
Einmal im Monat, am besten nach dem Duschen Die Wärme entspannt die Haut, dadurch lässt sich der Hoden besser abtasten. 1. Einzeln prüfen Jeden Hoden zwischen Daumen und Fingern sanft rollen. 2. Worauf achten Harte, schmerzlose Knoten, Größenzunahme oder ein Schweregefühl. Normal ist dass ein Hoden etwas größer ist und tiefer hängt. Am hinteren oberen Rand liegt der Nebenhoden. Er fühlt sich wulstig an. Fällt Ihnen etwas auf, lassen Sie es zeitnah abklären. Hodenkrebs ist auch im fortgeschrittenen Stadium meist heilbar, früh erkannt sind es über 95 Prozent.
Ablauf der Selbstuntersuchung. Eigene Darstellung, schematisch.

So geht es

1. Nach dem Duschen oder Baden. Die Wärme entspannt den Hodensack, und der Hoden liegt tiefer und ist besser zu tasten.
2. Im Stehen, jeden Hoden einzeln. Legen Sie ihn zwischen Daumen und die übrigen Finger beider Hände.
3. Rollen Sie ihn sanft zwischen den Fingern. Ohne Druck, ohne Quetschen. Tasten Sie die gesamte Oberfläche ab.
4. Achten Sie auf Verhärtungen, Knoten und Unebenheiten, auf Größen- und Gewichtsunterschiede und auf ein neues Schweregefühl.
5. Wiederholen Sie es monatlich, am besten immer zur selben Gelegenheit, damit es zur Gewohnheit wird.
Hodencheck: Wie geht es richtig?
7:41 · beim Klick wird eine Verbindung zu YouTube hergestellt
Video: Urologische Stiftung Gesundheit, Reihe „Hose runter! Der Uro-Check“.

Was Sie tasten und was normal ist

Ein gesunder Hoden ist glatt, gleichmäßig fest und etwa pflaumengroß. Am hinteren oberen Rand liegt der Nebenhoden, ein länglicher, weicherer Strang, der sich deutlich anders anfühlt. Von dort zieht der Samenstrang nach oben, ein fester, strangförmiger Anteil.

Beide Strukturen sind normal und werden regelmäßig für Auffälligkeiten gehalten. Es ist ausdrücklich sinnvoll, sie bewusst zu ertasten und einzuordnen, damit Sie später Veränderungen erkennen.

Ebenfalls normal: Ein Hoden ist meist etwas größer als der andere, und meist hängt einer tiefer. Das ist bei den allermeisten Männern so.

Der Kern der Sache: Sie müssen nicht wissen, wie ein Tumor sich anfühlt. Sie müssen nur wissen, wie Ihre Hoden sich normalerweise anfühlen. Die Selbstuntersuchung funktioniert über den Vergleich mit dem Vormonat, nicht über das Erkennen einer bestimmten Beschaffenheit. Deshalb ist die Regelmäßigkeit wichtiger als die Technik.
Hoden und Nebenhoden
Am hinteren oberen Rand liegt der Nebenhoden als weicherer Strang. Ihn bewusst zu ertasten hilft, ihn nicht für einen Knoten zu halten.
Illustration: Servier Medical Art, lizenziert unter CC BY 4.0.

Die häufigsten Fehlalarme

Die meisten getasteten Veränderungen sind gutartig, und die drei häufigsten fühlen sich charakteristisch an.

Eine Nebenhodenzyste ist prall-elastisch, gut abgrenzbar und sitzt am oberen Pol, deutlich abgesetzt vom Hoden.

Eine Wasseransammlung umgibt den Hoden, fühlt sich prall an und lässt den Hoden selbst schlecht tasten.

Eine Varikozele fühlt sich an wie ein Sack voller Würmer, ist im Stehen deutlicher und verschwindet im Liegen weitgehend.

All das ist beruhigend, ersetzt aber die Untersuchung nicht. Ein Ultraschall dauert zehn Minuten und klärt die Frage eindeutig. Er ist die zehn Minuten Wartezeit allemal wert.

Wer besonders aufmerksam sein sollte

Wer als Kind einen Hodenhochstand hatte, wer bereits einen Hodentumor hatte, und wer in der Familie Betroffene hat. In diesen Gruppen ist das Risiko deutlich erhöht, und die Selbstuntersuchung ist entsprechend wichtiger.

Häufige Fragen

Ab welchem Alter soll ich damit anfangen?

Ab etwa fünfzehn Jahren, also mit der Pubertät. Der Altersgipfel liegt zwischen fünfzehn und vierzig, danach nimmt das Risiko ab, ohne zu verschwinden. Nach einer Hodenoperation wegen eines Tumors gilt die Empfehlung für den verbliebenen Hoden lebenslang.

Ich habe etwas getastet und bin unsicher. Was jetzt?

Vereinbaren Sie einen Termin, ohne wochenlang weiter zu tasten. Wiederholtes Betasten macht die Beurteilung nicht sicherer, sondern nur die Anspannung größer. Der Ultraschall klärt es in wenigen Minuten, und in den allermeisten Fällen mit einem beruhigenden Ergebnis.

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Quellen

Leitlinien

• Leitlinienprogramm Onkologie. S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Keimzelltumoren des Hodens. AWMF-Registernummer 043-049OL.

• European Association of Urology. EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health. Ausgabe 2025.

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⚠️ Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer einen Facharzt für Urologie. Die Inhalte wurden sorgfältig auf Basis aktueller Leitlinien und Fachliteratur erstellt, eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität kann nicht übernommen werden. Keine Haftung für Schäden durch Selbstmedikation.
Quelle: UroWissen.de, unabhängige urologische Patienteninformation. Dieser Ausdruck ersetzt keine ärztliche Beratung.
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