Äußeres Genital

Nebenhodenentzündung (Epididymitis)

Nebenhodenentzündung: warum das Alter über den Erreger entscheidet, wie sie sich von der Hodentorsion unterscheidet und wie lange die Beschwerden dauern.
Redaktion: UroWissen
Redaktionell erstellt. Eine fachärztliche Einzelprüfung dieses Beitrags steht noch aus. Zum Medical Board
Erstellt nach Leitlinien von EAU und DGU
Zuletzt überarbeitet: August 2026
In einfachen WortenBei der Nebenhodenentzündung schwillt der Nebenhoden an und schmerzt, meist einseitig, oft mit Fieber. Die Beschwerden nehmen über Stunden bis Tage zu.Weiterlesen

Wichtig ist die Abgrenzung zur Hodendrehung. Diese beginnt schlagartig und kann ein Notfall sein. Im Zweifel gehört jeder plötzliche Hodenschmerz sofort untersucht.

Bei jüngeren Männern sind die Erreger meist sexuell übertragen, bei älteren stammen sie aus den Harnwegen. Danach richtet sich das Antibiotikum.

Die Behandlung dauert zwei bis vier Wochen. Hochlagern, kühlen und Schonung helfen mit. Bis alles abgeklungen ist, kann es Wochen dauern.

Wann Sie ärztlichen Rat brauchen

  • Plötzlicher, sehr starker Hodenschmerz aus der Ruhe heraus
  • Hodenschmerz zusammen mit Übelkeit oder Erbrechen
  • Hohes Fieber mit Schüttelfrost
  • Rötung und Schwellung, die sich rasch ausbreiten

Die ersten beiden Punkte können für eine Hodendrehung sprechen. Dabei kommt es auf eine rasche Abklärung an. Im Zweifel sollte jeder plötzliche Hodenschmerz umgehend untersucht werden.

Überblick

Die Nebenhodenentzündung ist die häufigste Ursache akuter Hodenschmerzen beim erwachsenen Mann. Betroffen ist nicht der Hoden selbst, sondern der Nebenhoden, ein feines Kanalsystem, das dem Hoden hinten aufsitzt und in dem die Spermien heranreifen. Die Beschwerden entwickeln sich über Stunden bis Tage, nicht schlagartig.

35
Lebensjahre trennen die Erregergruppen
10-14
Tage Antibiotikatherapie
Wochen
bis die Schwellung ganz zurückgeht
Querschnitt durch Hoden und Nebenhoden
Der Nebenhoden liegt dem Hoden hinten auf und geht nach oben in den Samenleiter über. Entzündet ist bei der Epididymitis dieses Kanalsystem, nicht der Hoden selbst.
Illustration: Servier Medical Art, lizenziert unter CC BY 4.0, Beschriftung UroWissen.

Warum das Alter über den Erreger entscheidet

Diese Unterscheidung bestimmt die gesamte Behandlung und wird deshalb als Erstes getroffen.

Unter etwa 35 Jahren stammen die Erreger überwiegend aus sexuell übertragbaren Infektionen, allen voran Chlamydien, seltener Gonokokken. Die Entzündung wandert aus der Harnröhre über den Samenleiter rückwärts zum Nebenhoden. Das bedeutet auch: Die Partnerin oder der Partner muss mitbehandelt werden, sonst kommt die Infektion zurück.

Über etwa 35 Jahren überwiegen die klassischen Harnwegskeime, vor allem Escherichia coli. Hier steckt fast immer ein Grund dahinter, etwa Restharn bei vergrößerter Prostata, ein liegender Katheter oder ein kurz zurückliegender Eingriff an den Harnwegen. Nach der Ausheilung gehört dieser Grund abgeklärt.

Bei Kindern ist die Ursache häufig viral oder folgt einer Infektion, gelegentlich steckt eine anatomische Besonderheit der Harnwege dahinter, die dann gesucht werden sollte.

Abgrenzung zur Hodentorsion

Diese Unterscheidung ist die wichtigste und in Einzelfällen schwierig. Sie entscheidet zwischen sofortiger Operation und Antibiotikatherapie.

Epididymitis
Beginn
Sekunden bis Minuten
Stunden bis Tage
Alter
meist 12 bis 18 Jahre
meist Erwachsene
Fieber
selten
häufig
Hochlagern
bessert nicht
bessert deutlich
Brennen
nein
oft

Keines dieser Merkmale ist für sich beweisend. Im Zweifel wird operativ freigelegt, weil ein verzögertes Handeln bei einer Torsion den Hoden kostet, während eine unnötige Freilegung folgenlos bleibt.

Behandlung

Die Antibiotikatherapie beginnt, sobald der Verdacht steht, und richtet sich zunächst nach dem Alter und den wahrscheinlichen Erregern. Sie dauert in der Regel zehn bis vierzehn Tage und muss vollständig zu Ende geführt werden, auch wenn die Schmerzen nach drei Tagen nachlassen.

Genauso wichtig sind die Maßnahmen daneben: Hochlagerung des Hodensacks, etwa mit einem zusammengerollten Handtuch oder einem festen Slip, Kühlung, entzündungshemmende Schmerzmittel und körperliche Schonung. Diese Kombination lindert stärker als das Antibiotikum allein, weil sie den Druck aus dem geschwollenen Gewebe nimmt.

Bei der sexuell übertragenen Form gehört die Partnerbehandlung dazu, und bis zum Abschluss der Therapie sollte auf Geschlechtsverkehr verzichtet werden.

Wie lange es dauert

Der Schmerz bessert sich meist innerhalb von zwei bis vier Tagen deutlich. Die Schwellung braucht länger, oft zwei bis sechs Wochen, gelegentlich bleibt eine tastbare Verhärtung des Nebenhodens dauerhaft zurück. Das ist kein Zeichen einer fortbestehenden Entzündung.

Bleibt der Schmerz über Wochen oder nimmt er wieder zu, gehört das kontrolliert. Möglich sind dann ein Abszess, eine chronische Entzündung oder eine falsche Antibiotikawahl.

Komplikationen und Fertilität

Ernste Verläufe sind selten, kommen aber vor: ein Abszess im Nebenhoden, das Übergreifen auf den Hoden, und in seltenen Fällen eine Durchblutungsstörung des Hodens durch die massive Schwellung.

Zur Fruchtbarkeit: Eine einseitige, gut behandelte Entzündung beeinträchtigt die Zeugungsfähigkeit in aller Regel nicht. Wiederholte oder beidseitige Entzündungen können den Nebenhodengang vernarben und verschließen. Bei bestehendem Kinderwunsch ist deshalb ein Spermiogramm einige Monate nach der Ausheilung sinnvoll.

Häufige Fragen

Muss meine Partnerin oder mein Partner mitbehandelt werden?

Bei Männern unter etwa 35 Jahren in der Regel ja, weil dort meist eine sexuell übertragbare Infektion zugrunde liegt, häufig Chlamydien. Ohne Mitbehandlung kommt die Infektion zurück. Bei älteren Männern mit Harnwegskeimen ist eine Partnerbehandlung nicht nötig, dafür gehört die Ursache im Harntrakt abgeklärt.

Warum ist der Hoden nach Wochen noch dick?

Die Schwellung des Nebenhodens bildet sich deutlich langsamer zurück als der Schmerz. Zwei bis sechs Wochen sind normal, eine kleine tastbare Verhärtung kann dauerhaft bleiben. Beunruhigend wäre eine erneut zunehmende Schwellung, neues Fieber oder wiederkehrende Schmerzen.

Kann ich Sport machen?

In der akuten Phase nicht. Erschütterung und Druck verstärken die Beschwerden deutlich. Leichte Bewegung ist erlaubt, sobald der Schmerz nachlässt, Sport mit Sprüngen oder Radfahren erst, wenn die Schwellung deutlich zurückgegangen ist, meist nach zwei bis drei Wochen.

Werde ich dadurch unfruchtbar?

Eine einseitige, rechtzeitig behandelte Entzündung beeinträchtigt die Fruchtbarkeit in aller Regel nicht. Ein Risiko besteht bei beidseitigen oder wiederholten Entzündungen, weil der Nebenhodengang vernarben kann. Bei Kinderwunsch ist ein Spermiogramm etwa drei Monate nach der Ausheilung sinnvoll.

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Quellen

Leitlinien

• European Association of Urology. EAU Guidelines on Urological Infections. Ausgabe 2025.

• Deutsche Gesellschaft für Urologie. S3-Leitlinie Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter Harnwegsinfektionen bei Erwachsenen. AWMF-Registernummer 043-044, Langversion 3.0, 2024.

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⚠️ Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer einen Facharzt für Urologie. Die Inhalte wurden sorgfältig auf Basis aktueller Leitlinien und Fachliteratur erstellt, eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität kann nicht übernommen werden. Keine Haftung für Schäden durch Selbstmedikation. Letzte inhaltliche Überarbeitung: August 2026.
Quelle: UroWissen.de, unabhängige urologische Patienteninformation. Dieser Ausdruck ersetzt keine ärztliche Beratung.
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