Meist fällt sie beim Abtasten als kleine, glatte Kugel oberhalb des Hodens auf. Sie schmerzt nicht und wächst langsam.
Behandelt wird nur, wenn sie stört oder so groß wird, dass sie drückt. Der Ultraschall klärt zuverlässig, dass nichts anderes dahintersteckt.
Bei einer Operation besteht ein kleines Risiko für den Samenleiter auf dieser Seite. Bei bestehendem Kinderwunsch wird deshalb eher abgewartet.
Eine Spermatozele ist eine mit Flüssigkeit gefüllte Zyste am Nebenhoden, meist am oberen Pol, direkt über dem Hoden. Die Flüssigkeit enthält Spermien, daher der Name. Es handelt sich um eine gutartige Rückstauung, nicht um eine Geschwulst und nicht um eine Entzündung.
Spermatozelen sind häufig. Untersucht man Männer mit Ultraschall, ohne dass sie Beschwerden haben, finden sich bei einem erheblichen Teil kleine Zysten. Die meisten davon merkt niemand je.

Typisch ist ein glatter, prall-elastischer, schmerzloser Knoten, der vom Hoden gut abgrenzbar ist und sich oberhalb davon tasten lässt. Genau diese Abgrenzbarkeit ist das wichtigste Unterscheidungsmerkmal: Ein Hodentumor sitzt im Hoden und lässt sich nicht davon trennen, eine Spermatozele sitzt daneben.
Trotzdem sollte kein neu getasteter Knoten am Hodensack ohne Ultraschall bleiben. Die Unterscheidung dauert dort zwei Minuten und schafft Sicherheit, die kein Tastbefund liefern kann.
Der Nebenhoden besteht aus einem einzigen, mehrere Meter langen und vielfach aufgeknäuelten Kanal, in dem die Samenzellen reifen und gespeichert werden. Kommt es an einer Stelle zu einer Abflussbehinderung, staut sich die Flüssigkeit davor und weitet den Kanal zu einer Zyste.
Ursache können abgelaufene Entzündungen, kleine Verletzungen oder schlicht altersbedingte Veränderungen sein. Häufig findet sich gar kein Auslöser. Nach einer Vasektomie treten Spermatozelen gehäuft auf, weil der Abfluss dauerhaft unterbrochen ist.
Weil die Flüssigkeit aus dem Nebenhoden stammt, enthält sie Samenzellen. Das ist der einzige, aber eindeutige Unterschied zur Hydrozele, deren Flüssigkeit aus der Hodenhülle kommt und keine Zellen enthält.
Die Untersuchung dauert wenige Minuten und beantwortet die entscheidende Frage. Eine Spermatozele stellt sich als runde, glatt begrenzte, vollständig echofreie Struktur dar, meist am oberen Pol des Nebenhodens, deutlich vom Hoden abgesetzt.
Ein Hodentumor sieht anders aus: solide, ungleichmäßig, innerhalb des Hodens und mit eigener Durchblutung im Dopplerbild. Diese Unterscheidung ist im Ultraschall so eindeutig, dass sie in aller Regel keine weitere Bildgebung erfordert.
Deshalb der praktische Rat: Wer eine Verhärtung tastet und unsicher ist, braucht keinen langen Weg. Ein Ultraschall beim Urologen klärt es, und die Erleichterung danach ist die zehn Minuten Wartezeit wert.
Eine beschwerdefreie Spermatozele wird nicht behandelt. Sie wächst in der Regel langsam oder gar nicht, entartet nicht und richtet keinen Schaden an. Eine Kontrolle bei Größenzunahme oder neuen Beschwerden genügt.
Eine Operation kommt in Betracht, wenn die Zyste so groß wird, dass sie beim Sitzen, Gehen oder Sport stört. Entfernt wird sie über einen kleinen Schnitt am Hodensack, meist ambulant.
Von Punktion und Verödung wird abgeraten. Die Zyste füllt sich fast immer wieder, und die Verödungsflüssigkeit kann den Nebenhoden schädigen.
Der Eingriff heißt Spermatozelektomie und wird über einen kleinen Schnitt an der Naht des Hodensacks durchgeführt, meist ambulant in örtlicher Betäubung oder Kurznarkose. Die Zyste wird vom Nebenhoden abgelöst und vollständig entfernt, die Wunde mit selbstauflösendem Faden verschlossen.
Danach gelten für ein bis zwei Wochen die üblichen Regeln: stützender Slip, Kühlung in den ersten Tagen, kein schweres Heben, kein Radfahren, kein Sport. Eine Schwellung und ein Bluterguss am Hodensack sind normal und brauchen mehrere Wochen, bis sie ganz verschwinden.
Rückfälle sind möglich, weil im Nebenhoden weitere kleine Zysten angelegt sein können. Das ist kein Zeichen eines Fehlers bei der Operation.
Eine bekannte, abgeklärte Spermatozele braucht keine festen Kontrolltermine. Sinnvoll ist es aber, den Befund bei der monatlichen Selbstuntersuchung mitzutasten, damit Ihnen eine Veränderung auffällt.
Wieder vorstellen sollten Sie sich, wenn die Zyste deutlich wächst, wenn sie schmerzt, wenn sie sich hart anfühlt oder wenn zusätzlich eine Verhärtung im Hoden selbst auftaucht. Alle vier Punkte sind selten, aber sie sind der Grund, warum man einmal weiß, was man da tastet.
Nein. Eine Spermatozele ist eine gutartige Zyste und entartet nicht. Wichtig ist nur die einmalige Abklärung per Ultraschall, damit gesichert ist, dass es sich tatsächlich um eine Zyste handelt und nicht um einen soliden Knoten im Hoden.
Nur wenn sie stört. Beschwerdefreie Zysten bleiben unbehandelt. Bei Kinderwunsch ist besondere Zurückhaltung angebracht, weil der Eingriff den Nebenhodengang vernarben lassen kann. Punktion oder Verödung sind keine sinnvolle Alternative.
Leitlinien
• European Association of Urology. EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health. Ausgabe 2025.