Bei den meisten bessert sich das. Nach zwölf Monaten sind 85 bis 90 von hundert wieder kontinent. Der größte Fortschritt liegt in den ersten drei Monaten.
Beckenbodentraining wirkt nachweislich. Lassen Sie sich die Übungen zeigen, statt sie aus einem Heft zu lernen. Die häufigsten Fehler sind Pressen statt Anspannen und das Mitarbeiten von Bauch und Gesäß.
Bleibt es nach einem Jahr bestehen, gibt es Eingriffe, die helfen. Bis dahin lohnt sich Geduld mehr als Aktionismus.
Die Prostata liegt wie ein Ring um die Harnröhre, unmittelbar unterhalb der Blase. Bei der radikalen Prostatektomie wird sie vollständig entfernt, und mit ihr zwangsläufig der innere Schließmuskel, der am Blasenhals sitzt. Blase und Harnröhre werden anschließend neu miteinander vernäht.
Damit fällt die Kontinenz allein dem äußeren Schließmuskel zu, einem quergestreiften Muskel, der willkürlich ansteuerbar ist und im Beckenboden liegt. Er hat diese Aufgabe zuvor nie allein tragen müssen. Hinzu kommt, dass er während der Operation gedehnt, gedrückt und in seiner Nervenversorgung beeinträchtigt worden sein kann. Der Urinverlust in den ersten Wochen ist deshalb kein Zeichen dafür, dass etwas schiefgegangen ist, sondern der erwartete Zustand nach einem Eingriff, der die Anatomie der Harnröhre verändert.
Was daraus folgt, ist wichtig für die Erwartung: Die Kontinenz kehrt nicht durch Heilung im Sinne einer Wundheilung zurück, sondern durch Anpassung und Training eines Muskels. Deshalb dauert es Monate, und deshalb lässt sich der Verlauf aktiv beeinflussen.
Eine Einschränkung zu diesen Zahlen gehört dazu: Sie schwanken zwischen Studien erheblich, weil unterschiedlich definiert wird, was Kontinenz bedeutet. Manche Untersuchungen zählen nur den völlig trockenen Mann, andere lassen eine Sicherheitseinlage zu. Die häufig genannten über 90 Prozent stammen meist aus der zweiten Definition.
Nicht jeder Urinverlust nach der Operation ist derselbe, und die Unterscheidung entscheidet über die Behandlung.
Die Belastungsinkontinenz ist die typische und häufigste Form. Urin geht bei Husten, Niesen, Lachen, Heben oder beim Aufstehen verloren, also immer dann, wenn der Druck im Bauchraum steigt. Ursache ist die geschwächte Verschlussfunktion. Diese Form spricht auf Beckenbodentraining an.
Die Dranginkontinenz entsteht durch eine überaktive Blase. Der Urinverlust wird von einem plötzlichen, kaum unterdrückbaren Harndrang angekündigt. Sie kann schon vor der Operation bestanden haben oder durch die veränderten Verhältnisse neu auftreten. Hier hilft kein Beckenbodentraining allein, sondern Blasentraining und gegebenenfalls Medikamente.
Mischformen sind häufig. Deshalb lohnt sich ein Blasentagebuch über drei Tage, in dem Trinkmenge, Wasserlassen und Urinverlust mit Anlass notiert werden. Es beantwortet die Frage nach der Form zuverlässiger als jede Beschreibung aus der Erinnerung.
Einige Faktoren stehen fest, bevor die Operation beginnt, andere lassen sich beeinflussen.
Alter. Der wichtigste unbeeinflussbare Faktor. Je jünger der Patient, desto schneller und vollständiger die Erholung.
Körpergewicht. Übergewicht verzögert die Kontinenz messbar, weil der Druck auf den Beckenboden dauerhaft erhöht ist.
Beschwerden vor der Operation. Wer schon vorher eine schwache Blasenfunktion oder ausgeprägte Beschwerden beim Wasserlassen hatte, braucht länger.
Die Operationstechnik. Der Erhalt der Nervenbündel, die Länge der erhaltenen Harnröhre und die Rekonstruktion der umgebenden Strukturen wirken sich auf die Kontinenzrate aus. Das nervenschonende Verfahren verbessert nicht nur die Erektionsfähigkeit, sondern auch die Kontinenz.
Die Erfahrung des Operateurs und des Zentrums. Bei kaum einem anderen Eingriff hängt das funktionelle Ergebnis so deutlich von der Routine ab. Die Frage nach der jährlichen Fallzahl ist vor der Operation berechtigt.
Eine vorausgegangene Bestrahlung im Beckenbereich verschlechtert die Aussichten deutlich und ist auch bei späteren Korrektureingriffen ein erschwerender Faktor.
Die Weichen für einen guten Verlauf werden zu einem erheblichen Teil vor dem Eingriff gestellt. Vier Dinge lohnen sich.
Beckenboden kennenlernen. Wer den Muskel vor der Operation gezielt ansteuern kann, hat danach einen messbaren Vorsprung. Eine physiotherapeutische Anleitung von zwei bis drei Terminen genügt für den Einstieg.
Nach der Fallzahl fragen. Das funktionelle Ergebnis hängt bei kaum einem anderen Eingriff so stark von der Routine ab. Die Frage, wie viele Prostatektomien das Zentrum und der Operateur pro Jahr durchführen und welche Kontinenzraten dort erreicht werden, ist üblich und wird beantwortet.
Hilfsmittel im Voraus organisieren. Lassen Sie sich die Verordnung für Inkontinenzeinlagen bereits vor dem Krankenhausaufenthalt ausstellen. Nach der Katheterentfernung brauchen Sie sie sofort, und die Lieferung dauert einige Tage.
Erwartung klären. Lassen Sie sich sagen, wie der Verlauf in den ersten Wochen aussieht. Wer weiß, dass drei bis fünf Einlagen am Tag in Woche vier der Normalfall sind, erlebt sie als Etappe und nicht als Katastrophe.
Es gibt keine zweite Maßnahme mit vergleichbarem Effekt. Wer nach der Operation zügig kontinent werden will, trainiert.
Vor der Operation beginnen. Wer den Beckenboden bereits einige Wochen vor dem Eingriff kennenlernt und ansteuern kann, tut sich danach erheblich leichter. Diese Vorbereitung wird in vielen Zentren angeboten und ist die am wenigsten genutzte Chance im gesamten Ablauf.
Angeleitet statt allein. Physiotherapie mit Biofeedback, bei der die Muskelanspannung sichtbar gemacht wird, ist dem eigenständigen Üben nach Merkblatt deutlich überlegen. Der häufigste Fehler beim Selbsttraining ist, statt des Beckenbodens die Gesäß- oder Bauchmuskulatur anzuspannen und dabei zu pressen, was den gegenteiligen Effekt hat.
Dosierung. Üblich sind drei Trainingseinheiten täglich mit jeweils zehn bis fünfzehn Anspannungen, mit langsam steigender Haltezeit. Konsequenz über mindestens drei bis sechs Monate ist wichtiger als Intensität in einzelnen Wochen.
In den Alltag übertragen. Die wirksamste Einzeltechnik ist das bewusste Anspannen des Beckenbodens unmittelbar vor Husten, Niesen, Aufstehen oder Heben. Sie verhindert genau den Moment des Verlusts, statt ihn hinterher zu kompensieren.
Trinken Sie normal weiter. Die naheliegende Idee, weniger zu trinken, ist die häufigste und schädlichste Fehlreaktion.
Koffein und Alkohol reizen die Blase und verstärken den Drang. Eine Reduktion in der Erholungsphase lohnt sich, ein vollständiger Verzicht ist nicht nötig.
Gewicht. Bei Übergewicht ist eine Reduktion eine der wenigen Maßnahmen mit direktem Effekt auf den Beckenbodendruck.
Verstopfung vermeiden. Starkes Pressen beim Stuhlgang belastet genau die Struktur, die sich gerade erholen soll.
Blasentagebuch führen. Es macht Fortschritte sichtbar, die im Alltag untergehen, und ist die Grundlage jedes späteren Gesprächs über weitere Maßnahmen.
Aufsaugende Hilfsmittel sind in der Erholungsphase kein Eingeständnis, sondern das Mittel, das Ihnen den Alltag zurückgibt. Wichtig ist, keine Damenbinden zu verwenden: Männerspezifische Vorlagen und Tropfenfänger sind anders geschnitten, halten besser und binden Geruch zuverlässiger.
Die Kosten übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung bei entsprechender Verordnung. Aufsaugende Inkontinenzhilfsmittel sind im Hilfsmittelverzeichnis gelistet, es fällt die übliche gesetzliche Zuzahlung an. Sie haben Anspruch auf eine Versorgung, die Ihrem tatsächlichen Bedarf entspricht. Wenn die von der Vertragsapotheke oder dem Sanitätshaus gelieferte Standardversorgung nicht ausreicht oder nicht passt, ist das ein Grund, nachzufragen und nicht, aufzuzahlen und zu schweigen. Mehr dazu unter Kontinenzversorgung.
Penisklemmen können bei einzelnen Gelegenheiten helfen, etwa bei Sport oder längeren Wegen. Als Dauerlösung sind sie ungeeignet, weil sie die Durchblutung beeinträchtigen können. Ein intermittierender Selbstkatheterismus ist bei dieser Form der Inkontinenz nicht sinnvoll, sie entsteht ja nicht aus einer Entleerungsstörung.
Die Faustregel lautet zwölf Monate. Bis dahin verbessert sich die Situation bei den meisten Männern weiter, und ein Eingriff würde eine Erholung unterbrechen, die noch im Gange ist. Bei sehr ausgeprägtem Urinverlust ohne jede Besserung nach sechs Monaten kann im Einzelfall früher gehandelt werden.
Vor jedem Eingriff steht eine Abklärung. Dazu gehören das Blasentagebuch, die Messung des Verlusts über einen definierten Zeitraum mit gewogenen Vorlagen, eine Blasenspiegelung zum Ausschluss einer Enge an der Nahtstelle und häufig eine Blasendruckmessung. Sie klärt, ob wirklich der Verschluss das Problem ist oder ob eine überaktive Blase den Hauptanteil trägt. Diese Unterscheidung ist entscheidend, denn eine Schlinge oder ein künstlicher Schließmuskel bessern eine Dranginkontinenz nicht.
Bei einem kleinen Teil der Operierten vernarbt die Verbindung zwischen Blase und Harnröhre und verengt sich. Das äußert sich nicht durch mehr Urinverlust, sondern durch das Gegenteil: ein zunehmend schwächerer Strahl, längeres Warten bis zum Beginn und das Gefühl, die Blase nicht mehr zu entleeren. Manchmal kommt beides zusammen, weil die überfüllte Blase überläuft.
Diese Anastomosenstriktur ist gut behandelbar, muss aber erkannt werden. Sie wird bei der Blasenspiegelung sichtbar und meist endoskopisch gedehnt oder eingeschnitten. Wichtig ist die Reihenfolge: Eine Enge muss behandelt sein, bevor über eine Schlinge oder einen künstlichen Schließmuskel gesprochen wird. Verwandtes Thema unter Harnröhrenstriktur.
Melden Sie deshalb jede Verschlechterung des Harnstrahls aktiv, auch wenn Sie annehmen, sie gehöre zum normalen Verlauf. Ein nachlassender Strahl nach anfänglicher Besserung ist kein typisches Zeichen der Erholung, sondern ein Grund zur Kontrolle.
Die suburethrale Schlinge ist ein Band, das über einen kleinen Schnitt am Damm eingebracht wird und die Harnröhre anhebt und leicht verlagert. Der Eingriff ist vergleichsweise klein, oft ambulant oder mit kurzem Aufenthalt möglich, und der Patient muss nichts bedienen: Die Kontinenz stellt sich passiv ein. Geeignet ist das Verfahren bei leichter bis mittlerer Ausprägung. Bei sehr schwerem Verlust und nach vorausgegangener Bestrahlung ist die Erfolgswahrscheinlichkeit deutlich geringer.
Der künstliche Schließmuskel gilt als Goldstandard bei ausgeprägtem Urinverlust und ist seit Jahrzehnten im Einsatz. Er besteht aus drei Teilen: einer aufblasbaren Manschette um die Harnröhre, einem Flüssigkeitsreservoir im Bauchraum und einer Pumpe im Hodensack. Im Ruhezustand hält die Manschette die Harnröhre verschlossen. Zum Wasserlassen drückt der Patient die Pumpe, die Manschette öffnet sich für einige Minuten und füllt sich anschließend selbsttätig wieder.
Die Ergebnisse sind gut, ein großer Teil der Operierten wird trocken oder nahezu trocken. Das System ist allerdings Technik im Körper: Über zehn Jahre benötigt etwa jeder vierte bis fünfte Patient einen Revisionseingriff, sei es wegen Materialermüdung, Infektion oder einer Schrumpfung des Gewebes unter der Manschette. Außerdem muss die Bedienung sicher beherrscht werden, was bei eingeschränkter Handfunktion oder kognitiven Einschränkungen eine echte Hürde sein kann. Details unter artifizieller Sphinkter und suburethrale Bänder.
Zwei Themen kommen im Aufklärungsgespräch regelmäßig zu kurz.
Das erste ist der Urinverlust beim Orgasmus, in der Fachsprache Klimakturie. Er betrifft einen erheblichen Teil der Operierten, ist harmlos und wird fast nie angesprochen, weder von den Ärzten noch von den Betroffenen. Er lässt sich gut handhaben: vorher die Blase entleeren, Beckenbodenanspannung üben, im Bedarfsfall ein Kondom verwenden.
Das zweite ist der Rückzug. Viele Männer meiden in der Erholungsphase Sport, Treffen und Reisen, aus Sorge vor einem sichtbaren Missgeschick. Das ist verständlich, verschlechtert aber die Stimmung und damit die Motivation zum Training. Hilfreich sind eine verlässliche Hilfsmittelversorgung, ein realistischer Zeithorizont und der Austausch in einer der zahlreichen Selbsthilfegruppen für Prostatakrebs. Psychoonkologische Unterstützung ist an zertifizierten Zentren verfügbar und kostenfrei.
Diese Fragen helfen, das Gespräch zu strukturieren. Über die Druckfunktion können Sie die Liste mitnehmen.
Die Hauptphase der Erholung liegt zwischen dem dritten und dem sechsten Monat. Nach einem Jahr sind 85 bis 90 Prozent der Männer kontinent oder benötigen nur noch eine Sicherheitseinlage. In den ersten Wochen nach der Katheterentfernung verliert nahezu jeder Mann Urin, das ist der erwartete Verlauf und kein Hinweis auf ein schlechtes Ergebnis.
Nein, das ist die häufigste Fehlreaktion. Weniger Trinken führt zu konzentriertem Urin, der die Blase zusätzlich reizt, den Drang verstärkt und Infekte begünstigt. Der Verlust wird dadurch nicht geringer. Sinnvoll ist eine normale Trinkmenge von etwa anderthalb bis zwei Litern über den Tag verteilt, mit einer Reduktion nur in den letzten zwei Stunden vor dem Schlafengehen.
In der Regel frühestens zwölf Monate nach der Prostataentfernung, weil sich die Situation bis dahin bei den meisten Männern weiter bessert. Vorher steht eine Abklärung an, denn Schlinge und künstlicher Schließmuskel helfen nur bei einem Verschlussproblem. Liegt in Wahrheit eine überaktive Blase vor, wäre der Eingriff wirkungslos.
Ja, aufsaugende Inkontinenzhilfsmittel sind bei entsprechender ärztlicher Verordnung Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung, es fällt die übliche gesetzliche Zuzahlung an. Sie haben Anspruch auf eine Versorgung, die zu Ihrem tatsächlichen Bedarf passt. Reicht die gelieferte Standardversorgung nicht aus, sprechen Sie das bei Ihrer Kasse oder im Sanitätshaus an, statt privat aufzuzahlen.
Leitlinien
• Leitlinienprogramm Onkologie. S3-Leitlinie Prostatakarzinom. AWMF-Registernummer 043-022OL, Version 8.1, August 2025.
• European Association of Urology. EAU Guidelines on Management of Non-neurogenic Female LUTS and Urinary Incontinence in Adults. Ausgabe 2025.
• Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU). S2e-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Belastungsinkontinenz. AWMF-Register-Nr. 043-054.
Studien
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Reviews
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