Äußeres Genital

Priapismus

Priapismus: warum eine Erektion über vier Stunden ein Notfall ist, wie sich die beiden Formen unterscheiden und was in der Klinik gemacht wird.
Redaktion: UroWissen
Redaktionell erstellt. Eine fachärztliche Einzelprüfung dieses Beitrags steht noch aus. Zum Medical Board
Erstellt nach Leitlinien von EAU und DGU
Zuletzt überarbeitet: August 2026
In einfachen WortenEin Priapismus ist eine Erektion, die nicht aufhört, ohne sexuelle Erregung und meist schmerzhaft. Das kann ein Notfall sein.Weiterlesen

Ab vier Stunden gehört man in die Klinik. Nach etwa sechs Stunden beginnt das Schwellkörpergewebe zu leiden, nach vierundzwanzig ist der Schaden oft dauerhaft.

Auslöser sind häufig Medikamente zur Behandlung von Erektionsstörungen, vor allem Spritzen in den Schwellkörper, dazu bestimmte Blutkrankheiten wie die Sichelzellanämie.

Warten Sie nicht ab und versuchen Sie keine Hausmittel. Je früher behandelt wird, desto besser bleibt die Erektionsfähigkeit erhalten.

Wann Sie ärztlichen Rat brauchen

  • Eine Erektion, die länger als vier Stunden anhält
  • Schmerzen im Penis ohne sexuelle Erregung
  • Der Penis ist hart, die Eichel weich
  • Es ist nach einer Spritze in den Schwellkörper aufgetreten

Ab etwa vier Stunden sollte man in die Klinik. Nach ungefähr sechs Stunden kann das Gewebe Schaden nehmen, nach vierundzwanzig Stunden bleibt er häufig bestehen.

Wenn eine Erektion nicht aufhört

Priapismus bezeichnet eine Erektion, die länger als vier Stunden anhält und nicht durch sexuelle Erregung ausgelöst oder aufrechterhalten wird. Sie ist in der häufigen Form schmerzhaft, und sie kann ein Notfall sein, weil dem Schwellkörpergewebe Sauerstoff fehlt.

Notaufnahme, nicht abwarten: jede Erektion, die länger als vier Stunden besteht, besonders wenn sie schmerzt und die Eichel dabei weich bleibt. Der Gang in die Notaufnahme ist vielen unangenehm. Er ist trotzdem der einzig richtige Weg, denn jede weitere Stunde erhöht das Risiko eines dauerhaften Schadens.
539
stationäre Fälle im Jahr 2025
So häufig im Krankenhaus
In 169 Fällen war eine Shuntoperation am Schwellkörper nötig, also bei etwa jedem dritten. Das zeigt, wie oft die einfacheren Maßnahmen nicht mehr ausreichen, wenn zu lange gewartet wurde.
Stationäre Fälle der Fachabteilung Urologie 2025. Ambulante Behandlungen und andere Fachabteilungen sind nicht enthalten. Quelle: Urologie in Zahlen

Zwei Formen, zwei völlig verschiedene Situationen

Ischämisch (häufig)
Arteriell (selten)
Ursache
Blut fließt nicht ab
zu viel Zufluss nach Verletzung
Schmerz
ja, zunehmend
nein
Tastbefund
bretthart
eher weich, teilsteif
Dringlichkeit
Notfall
dringlich, aber kein Notfall

Unterschieden werden beide Formen durch eine Blutentnahme direkt aus dem Schwellkörper. Dunkles, sauerstoffarmes Blut spricht für die ischämische Form, hellrotes für die arterielle. Ergänzend kommt ein Ultraschall mit Dopplerfunktion zum Einsatz.

Wie es dazu kommt

Die häufigsten Auslöser der ischämischen Form sind Medikamente zur Schwellkörperinjektion, wie sie bei Erektionsstörungen eingesetzt werden, bestimmte Antidepressiva und Neuroleptika, Blutkrankheiten wie die Sichelzellkrankheit sowie Leukämien. In einem Teil der Fälle findet sich keine Ursache.

Die arterielle Form entsteht fast immer nach einer stumpfen Verletzung im Damm- oder Genitalbereich, etwa nach einem Sturz auf eine Fahrradstange. Sie tritt oft erst Tage später auf und ist schmerzlos.

Warum die Uhr läuft

4 Stunden 24 Stunden meist noch folgenlos Gewebeschaden beginnt, Behandlung meist erfolgreich Vernarbung wahrscheinlich, Erektionsfähigkeit gefährdet Die Prognose hängt fast ausschließlich davon ab, wie schnell behandelt wird.
Injektionslösung mit Spritze
Nach der Punktion wird ein gefäßverengendes Medikament in kleinen Portionen in den Schwellkörper gegeben, unter Blutdruck- und Pulskontrolle.
Illustration: Servier Medical Art, lizenziert unter CC BY 4.0.

Was in der Klinik gemacht wird

Behandelt wird stufenweise, und die erste Stufe hilft in vielen Fällen bereits. Nach örtlicher Betäubung wird der Schwellkörper punktiert und das gestaute Blut abgesaugt, oft ergänzt durch Spülung mit Kochsalzlösung.

Reicht das nicht, wird ein gefäßverengendes Medikament in kleinen Mengen in den Schwellkörper gespritzt, in Abständen von einigen Minuten und unter Kreislaufüberwachung. Erst wenn auch das erfolglos bleibt, folgt ein operativer Eingriff, der eine Verbindung zum Blutabfluss schafft.

Bei der arteriellen Form wird zunächst abgewartet, weil sie sich häufig von selbst zurückbildet. Bleibt sie bestehen, kann das zuführende Gefäß gezielt verschlossen werden.

Der Sonderfall Sichelzellkrankheit

Bei Menschen mit Sichelzellkrankheit ist der Priapismus eine häufige Komplikation, und er verläuft anders. Typisch sind wiederholte kurze Episoden von einigen Minuten bis zu wenigen Stunden, meist nachts, die man als stotternden Priapismus bezeichnet.

Diese Episoden gelten als Vorboten: Wer sie erlebt, hat ein erhöhtes Risiko für eine langanhaltende, gewebeschädigende Attacke. Sie gehören deshalb angesprochen und behandelt, statt sie als lästige Begleiterscheinung hinzunehmen.

Vorbeugend kommen die konsequente Behandlung der Grunderkrankung, ausreichend Flüssigkeit und je nach Situation Medikamente zur Anfallsverhütung infrage. Betroffene sollten außerdem wissen, an welche Klinik sie sich im Ernstfall wenden, weil dort die Kombination aus Blutkrankheit und urologischem Notfall verstanden werden muss.

Was sich vorher vorbereiten lässt

Weil die Situation nachts eintritt und mit Scham besetzt ist, verstreichen häufig Stunden bis zur Vorstellung. Drei Vorbereitungen verkürzen diese Zeit erheblich.

Wissen, wohin. Klären Sie im Vorfeld, welche Klinik in Ihrer Nähe eine urologische Notaufnahme rund um die Uhr betreibt. Das gilt besonders für Männer, die Schwellkörperinjektionen anwenden, siehe SKIT.

Die Vier-Stunden-Grenze beim Wort nehmen. Nicht bis zum Morgen warten und nicht auf einen Termin beim niedergelassenen Urologen.

Beim Eintreffen die Uhrzeit des Beginns nennen, nicht ungefähre Stunden. Die Dauer bestimmt das Vorgehen unmittelbar, und eine ungenaue Angabe kostet Zeit.

Was danach bleibt

Wird innerhalb der ersten Stunden behandelt, bleibt in der Regel keine dauerhafte Einschränkung. Je länger der Zustand bestand, desto höher ist das Risiko, dass das Gewebe vernarbt und die Erektionsfähigkeit dauerhaft eingeschränkt bleibt.

Für Betroffene ist das ein schwieriges Thema, und es wird oft nicht angesprochen. Nachfragen lohnt sich: Für die Folgen gibt es Behandlungsmöglichkeiten, von Medikamenten bis zur Penisprothese.

Häufige Fragen

Ab wann ist es wirklich ein Notfall?

Ab vier Stunden. Eine schmerzhafte, harte Erektion, die von selbst nicht nachlässt, gehört dann in die Notaufnahme, unabhängig von Uhrzeit und Wochentag. Warten Sie nicht bis zum Morgen und nicht auf einen Termin beim Urologen.

Hilft Kühlen, Bewegung oder eine kalte Dusche?

In den ersten ein bis zwei Stunden kann leichte körperliche Aktivität einen beginnenden Priapismus lösen. Ist die vierte Stunde erreicht, ändern solche Maßnahmen nichts mehr und kosten nur Zeit. Eiskühlung wird nicht empfohlen, weil sie die Durchblutung zusätzlich verschlechtert.

Kann das durch Potenzmittel ausgelöst werden?

Bei Tabletten ist das sehr selten. Deutlich häufiger tritt es nach Spritzen in den Schwellkörper auf. Wer diese Therapie anwendet, sollte die Vier-Stunden-Regel kennen und wissen, an welche Notaufnahme er sich wendet, bevor der Fall eintritt.

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Quellen

Leitlinien

• European Association of Urology. EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health. Ausgabe 2025.

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⚠️ Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer einen Facharzt für Urologie. Die Inhalte wurden sorgfältig auf Basis aktueller Leitlinien und Fachliteratur erstellt, eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität kann nicht übernommen werden. Keine Haftung für Schäden durch Selbstmedikation. Letzte inhaltliche Überarbeitung: August 2026.
Quelle: UroWissen.de, unabhängige urologische Patienteninformation. Dieser Ausdruck ersetzt keine ärztliche Beratung.
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