Therapie

Schwellkörperinjektion (SKIT): Ablauf, Dosis und Sicherheit

SKIT bei Erektionsstörung: warum die erste Injektion in der Praxis erfolgt, wie oft angewendet werden darf und wann eine Erektion zum Notfall wird.
Redaktion: UroWissen
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Erstellt nach Leitlinien von EAU und DGU
In einfachen WortenWenn Tabletten gegen eine Erektionsstörung nicht wirken, gibt es die Möglichkeit, ein Medikament direkt in den Schwellkörper zu spritzen. Die Erektion entsteht dann unabhängig von Nervenreizen oder Erregung.Weiterlesen

Die Spritze klingt schlimmer, als sie ist. Die Nadel ist sehr fein, gespritzt wird seitlich in den Schwellkörper, die meisten spüren kaum etwas.

Die erste Anwendung findet immer in der Praxis statt. Dort wird die Dosis eingestellt, denn zu viel führt zu einer Dauererektion.

Hält eine Erektion länger als vier Stunden an, ist das ein Notfall. Dann gehört man in die Klinik, nicht ins Bett.

Wann Sie ärztlichen Rat brauchen

  • Eine Erektion, die länger als vier Stunden anhält
  • Zunehmende Schmerzen im Penis
  • Eine harte, schmerzhafte Stelle am Einstichort
  • Starke Blutung oder Schwellung nach dem Spritzen

Ab etwa vier Stunden sollte man in die Klinik, nicht ins Bett. Nach ungefähr sechs Stunden kann das Schwellkörpergewebe Schaden nehmen.

Wenn Tabletten nicht mehr reichen

Die Schwellkörper-Autoinjektionstherapie, kurz SKIT, ist eine Behandlung der Erektionsstörung, bei der ein gefäßerweiternder Wirkstoff mit einer sehr feinen Nadel direkt in den Schwellkörper gespritzt wird. Die Erektion entsteht dabei unabhängig von sexueller Erregung, weil das Medikament unmittelbar an den Blutgefäßen wirkt.

Genau das ist ihre Stärke: Sie funktioniert auch dann, wenn Tabletten versagen, etwa nach einer Prostataentfernung, bei Nervenschädigungen oder bei ausgeprägten Gefäßerkrankungen.

Wie die Injektion wirkt

Der Wirkstoff entspannt die glatte Muskulatur der Schwellkörperarterien. Dadurch strömt Blut ein, die Schwellkörper füllen sich, und der dabei entstehende Druck presst die abführenden Venen gegen die feste Bindegewebshülle. Der Abfluss wird gedrosselt, die Erektion bleibt bestehen.

Weil dieser Mechanismus rein örtlich abläuft, ist er unabhängig von Nervenbahnen und von sexueller Erregung. Genau deshalb funktioniert die Injektion, wenn Tabletten versagen: Tabletten verstärken ein vorhandenes Nervensignal, die Injektion ersetzt es.

Die Kehrseite ist, dass die Erektion auch ohne Erregung entsteht und nach dem Samenerguss bestehen bleibt, bis der Wirkstoff abgebaut ist. Das ist normal und kein Grund zur Sorge, solange die Vier-Stunden-Grenze eingehalten wird.

Wenn die Wirkung nachlässt

Bei langjähriger Anwendung berichten manche Männer, dass die gewohnte Dosis nicht mehr ausreicht. Dafür gibt es mehrere Erklärungen, die geprüft werden sollten, bevor einfach erhöht wird.

Möglich sind Verhärtungen an den Einstichstellen, die die Verteilung behindern, eine fortschreitende Grunderkrankung wie Diabetes, oder schlicht ein Anwendungsfehler, der sich über die Zeit eingeschlichen hat. Auch eine falsche Lagerung des Präparats kommt vor.

Deshalb gehört bei nachlassender Wirkung ein Kontrolltermin dazu, bei dem Technik und Einstichstellen überprüft werden, statt eigenmächtig die Dosis zu steigern. Höhere Dosen erhöhen vor allem das Risiko einer zu langen Erektion.

Der erste Termin

Die erste Injektion erfolgt immer in der Praxis, und das hat einen guten Grund: Die richtige Dosis ist von Mann zu Mann sehr verschieden und wird schrittweise ermittelt. Zu wenig wirkt nicht, zu viel führt zu einer zu langen Erektion.

Dabei lernen Sie zugleich die Technik: seitlich in den Schwellkörper, nicht an der Oberseite, wo die Gefäße verlaufen, und nicht an der Unterseite, wo die Harnröhre liegt. Die Seite wird bei jeder Anwendung gewechselt.

Die Wirkung setzt nach etwa fünf bis zwanzig Minuten ein und hält je nach Dosis dreißig bis sechzig Minuten an.

Die eine Regel, die Sie kennen müssen: Hält die Erektion länger als vier Stunden an, gehen Sie in die Notaufnahme, unabhängig von Uhrzeit und Wochentag. Das ist ein Priapismus, und ohne Behandlung kann das Schwellkörpergewebe dauerhaft geschädigt werden. Klären Sie schon bei der Einweisung, welche Klinik in Ihrer Nähe dafür zuständig ist.
Injektionslösung mit Spritze
Gespritzt wird seitlich in den Schwellkörper, mit wechselnder Seite und einer sehr feinen Nadel. Die erste Anwendung erfolgt immer unter ärztlicher Aufsicht.
Illustration: Servier Medical Art, lizenziert unter CC BY 4.0.

Was zu beachten ist

Angewendet wird höchstens zwei- bis dreimal pro Woche, mit mindestens 24 Stunden Abstand. Die Einstichstellen werden gewechselt, damit sich das Gewebe erholt.

Häufigste Nebenwirkungen sind ein Brennen oder Schmerz während der Wirkung, kleine Blutergüsse an der Einstichstelle und selten ein Schwindelgefühl. Bei langjähriger Anwendung können sich an den Einstichstellen Verhärtungen bilden, weshalb regelmäßige Kontrollen sinnvoll sind.

Nicht angewendet wird die Therapie bei bestimmten Blutkrankheiten mit erhöhtem Priapismusrisiko und bei Männern, die die Handhabung nicht sicher beherrschen.

Die Dosisfindung Schritt für Schritt

Beim ersten Termin wird mit einer niedrigen Dosis begonnen und beobachtet, was passiert. Reicht die Wirkung nicht, wird beim nächsten Termin erhöht, in kleinen Schritten. Das kann zwei bis vier Termine in Anspruch nehmen und ist keine Verzögerung, sondern der Sicherheitsmechanismus des Verfahrens.

Ziel ist eine Erektion, die für den Verkehr ausreicht und nach etwa dreißig bis sechzig Minuten wieder nachlässt. Eine Erektion, die deutlich länger anhält, bedeutet, dass die Dosis zu hoch war, und wird beim nächsten Mal reduziert.

Erst wenn die passende Dosis feststeht, üben Sie die Anwendung selbst, zunächst unter Aufsicht. Nehmen Sie sich für diesen Termin Zeit und stellen Sie alle Fragen, auch die, die Ihnen banal erscheinen. Die häufigsten Anwendungsfehler entstehen nicht aus Unfähigkeit, sondern daraus, dass jemand sich nicht getraut hat nachzufragen.

Was die Therapie im Alltag bedeutet

Die Planbarkeit ist der Unterschied zu Tabletten. Sie spritzen und wissen, dass es funktioniert, unabhängig von Tagesform und Erregung. Für viele Paare ist das nach einer langen Phase des Scheiterns eine Entlastung.

Der Preis dafür ist ein Stück Spontaneität. Deshalb sprechen viele Paare offen darüber und beziehen die Injektion in den Ablauf ein, statt sie zu verheimlichen. Das ist der Umgang, der in Befragungen am besten funktioniert.

Für die Praxis: Lagern Sie die Fertigspritzen nach Vorgabe, führen Sie Buch über die Anwendungen und lassen Sie die Einstichstellen etwa halbjährlich kontrollieren. Verhärtungen lassen sich früh erkennen und durch Wechsel der Technik oft aufhalten.

Alternativen

Wer sich mit dem Spritzen nicht anfreunden kann, dem steht derselbe Wirkstoff auch als kleines Stäbchen zur Verfügung, das in die Harnröhre eingeführt wird. Es ist angenehmer in der Anwendung, wirkt aber schwächer und weniger zuverlässig.

Daneben gibt es die Vakuumpumpe, die mechanisch arbeitet und ohne Medikament auskommt, sowie bei dauerhaftem Versagen aller Verfahren die Penisprothese.

Häufige Fragen

Tut das Spritzen weh?

Die Nadel ist sehr fein, der Einstich wird von den meisten als kaum spürbar beschrieben. Unangenehmer ist bei einem Teil der Anwender ein Brennen während der Wirkung, das durch die Substanz selbst entsteht. Bei starken Beschwerden gibt es Alternativpräparate.

Merkt meine Partnerin etwas davon?

Von der Injektion selbst nicht, sie erfolgt vorher und hinterlässt allenfalls einen kleinen Einstich. Was auffällt, ist eine Erektion, die auch nach dem Samenerguss bestehen bleibt, weil das Medikament unabhängig davon wirkt.

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Austausch mit anderen Betroffenen: Die Selbsthilfegruppe Impotenz-Selbsthilfe bietet moderierten Austausch für Männer mit Erektionsstörung, nach Prostataoperation ebenso wie bei anderen Ursachen. Viele Betroffene beschreiben das Gespräch mit anderen als den Schritt, der ihnen mehr geholfen hat als jede Broschüre.

Quellen

Leitlinien

• European Association of Urology. EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health. Ausgabe 2024.

Reviews

• Yuan, J. et al. Comparative effectiveness and safety of oral phosphodiesterase type 5 inhibitors and intracavernosal therapies for erectile dysfunction: a systematic review and network meta-analysis. European Urology, 2013;63(5):902-912. PMID 23395275

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⚠️ Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer einen Facharzt für Urologie. Die Inhalte wurden sorgfältig auf Basis aktueller Leitlinien und Fachliteratur erstellt, eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität kann nicht übernommen werden. Keine Haftung für Schäden durch Selbstmedikation.
Quelle: UroWissen.de, unabhängige urologische Patienteninformation. Dieser Ausdruck ersetzt keine ärztliche Beratung.
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