Bei der gutartig vergrößerten Prostata gibt es zwei grundsätzliche Wege, das behindernde Gewebe zu entfernen: Man kann es über die Harnröhre abhobeln, das ist die klassische Elektroresektion, oder man kann den vergrößerten Innenteil vollständig aus seiner Kapsel ausschälen. Die zweite Variante heißt Enukleation und erfolgt meist mit einem Holmium- oder Thulium-Laser.
Die Enukleation ist von 13.013 auf 31.319 Eingriffe gestiegen, während die Elektroresektion mit rund 55.433 Eingriffen nahezu unverändert blieb. Ihr Anteil an allen Eingriffen wegen gutartiger Vergrößerung wuchs damit von 17,3 auf 31,9 Prozent. Fast jede dritte Prostataoperation ist heute eine Ausschälung.
Interessant ist, was dabei nicht passiert: Die Elektroresektion wird nicht verdrängt. Die Gesamtzahl der Eingriffe ist im selben Zeitraum von 75.281 auf 98.252 gestiegen. Die Enukleation kommt also zusätzlich hinzu, vermutlich bei größeren Drüsen, die früher offen operiert worden wären oder gar nicht.
Die offene Ausschälung über einen Bauchschnitt ist parallel dazu leicht rückläufig, von 3.339 auf 3.144 Eingriffe.
Der Hauptgrund ist die Größenunabhängigkeit. Bei der Elektroresektion steigt mit der Drüsengröße die Operationszeit und damit das Risiko, weshalb sie bei sehr großen Prostatadrüsen an Grenzen stößt. Die Enukleation hat diese Beschränkung nicht. Dazu kommt eine geringere Rate an Nachblutungen und eine niedrigere Wiederbehandlungsrate über die Jahre.
Der Preis dafür ist eine anspruchsvolle Lernkurve. Das Verfahren gilt als technisch schwieriger zu erlernen als die Elektroresektion, was erklärt, warum es sich langsamer verbreitet als seine Ergebnisse nahelegen würden. Mehr dazu im Artikel HoLEP.
Nach den Qualitätsberichten 2024 führen 197 der 459 urologischen Fachabteilungen Enukleationen durch, also gut vier von zehn. Der Median liegt bei 81 Eingriffen im Jahr.
197 Kliniken in Deutschlandschälen die Prostata über die Harnröhre aus. Im Klinikfinder sehen Sie, wie oft und wo, auch im Umkreis Ihres Wohnorts.Kliniken finden →Alle Zahlen im Überblick: Urologie in Zahlen · Kliniken nach Eingriff: Klinikfinder
Die Jahreszahlen stammen aus der Datenlieferung der Krankenhäuser nach §21 Krankenhausentgeltgesetz, abgerufen über den DatenBrowser des InEK, ausgewertet für die Fachabteilung Urologie über den Prozedurenschlüssel OPS 5-601.7. Das Jahr 2021 liegt nach dem Fallpauschalenkatalog 2022 gruppiert vor. Die Zahl der Kliniken stammt aus den strukturierten Qualitätsberichten für das Berichtsjahr 2024. Erfasst sind ausschließlich stationäre Behandlungen in urologischen Fachabteilungen. Die vollständige Auswertung steht unter Urologie in Zahlen.