Harnsteine gehören zu den häufigsten Anlässen für eine urologische Klinikbehandlung. 2025 wurden allein 54.424 Fälle wegen eines Harnstaus durch einen Stein im Harnleiter behandelt, dazu kommen rund 58.000 Fälle mit der Hauptdiagnose Nieren- oder Harnleiterstein.
Zwischen 2023 und 2024 fällt die Zahl der stationären Harnleiterspiegelungen von 80.499 auf 45.448, also um 44 Prozent in einem einzigen Jahr. Es gibt keine medizinische Entwicklung, die so etwas erklären würde. Die Zahl der Steinerkrankungen ist nicht gesunken, die Behandlungsempfehlungen haben sich nicht geändert.
Die Erklärung liegt in der Abrechnung. Zum 1. Januar 2024 wurden die sogenannten Hybrid-DRG eingeführt: Für bestimmte Eingriffe wird seither gleich vergütet, ob ambulant oder stationär behandelt wird. In der Urologie war die Harnleiterspiegelung der erste betroffene Bereich. Die Behandlungen finden weiterhin statt, sie tauchen nur nicht mehr in der Krankenhausstatistik auf.
Mehr dazu in unserer Meldung Die Ambulantisierung ist in den Daten angekommen.
Zwei Entwicklungen sind vom Bruch nicht betroffen, weil sie schon vorher begannen.
Die Stoßwellentherapie verliert stationär massiv an Bedeutung. Von 6.186 Behandlungen im Jahr 2021 auf 2.494 im Jahr 2025, ein Rückgang um 60 Prozent. Dieser Verlauf ist gleichmäßig und begann lange vor der Hybrid-DRG. Die ESWL wird allerdings ohnehin überwiegend ambulant durchgeführt, weshalb die Gesamtzahl deutlich höher liegt als hier abgebildet.
Innerhalb der Spiegelungen verschiebt sich etwas. Der Einsatz flexibler Instrumente, mit denen auch Steine im Nierenbecken erreichbar sind, ist von 8.493 auf 12.732 gestiegen. Das entspricht dem, was Urologen beobachten: Immer mehr Steine werden endoskopisch angegangen, die vor Jahren noch mit der Stoßwelle behandelt worden wären.
Praktisch heißt die Entwicklung: Eine Harnleiterspiegelung ist heute deutlich häufiger ein Eingriff, nach dem man am selben Tag nach Hause geht. Für viele ist das angenehmer.
Voraussetzung ist, dass die Versorgung danach organisiert ist. Sinnvolle Fragen vor einem ambulanten Eingriff: An wen wende ich mich, wenn nachts Schmerzen oder Fieber auftreten? Wann wird die Harnleiterschiene gezogen, und wie wird das terminiert? Wer bespricht mit mir die Steinanalyse und die Vorbeugung?
Wer stationär bleiben muss, weil Begleiterkrankungen oder die häusliche Situation es erfordern, kann das weiterhin. Die Hybrid-DRG schreibt keine ambulante Behandlung vor, sie beseitigt nur den finanziellen Unterschied.
Mehr zu Diagnostik und Behandlung im Artikel Nierensteine, zur Schiene im Artikel Harnleiterschiene.
Alle Zahlen im Überblick: Urologie in Zahlen · Kliniken nach Eingriff: Klinikfinder
Die Jahreszahlen stammen aus der Datenlieferung der Krankenhäuser nach §21 Krankenhausentgeltgesetz, abgerufen über den DatenBrowser des InEK, ausgewertet für die Fachabteilung Urologie über die Prozedurenschlüssel OPS 5-562 (Harnleiterspiegelung mit Steinentfernung), 5-98b (flexible Instrumente) und 8-110 (Stoßwellenlithotripsie). Das Jahr 2021 liegt nach dem Fallpauschalenkatalog 2022 gruppiert vor. Erfasst sind ausschließlich stationäre Behandlungen; gerade bei der Steintherapie ist der ambulante Anteil hoch und seit 2024 stark gestiegen. Die vollständige Auswertung steht unter Urologie in Zahlen.