Datenauswertung

Die Ambulantisierung ist in den Daten angekommen: was die Hybrid-DRG in der Urologie bewirkt hat

August 2026
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Politische Entscheidungen im Gesundheitswesen brauchen oft Jahre, bis sie in der Versorgung ankommen. Bei der Ambulantisierung urologischer Eingriffe ging es schneller, und man kann es in den Zahlen sehen.

Was aufgefallen ist

Bei der Auswertung der urologischen Klinikdaten für unsere Reihe Urologie in Zahlen fiel ein Muster auf, das sich medizinisch nicht erklären ließ: Vier Behandlungen brachen zwischen zwei Jahren um 40 Prozent und mehr ein, ohne dass sich an Diagnosen, Erkrankungshäufigkeit oder Behandlungsempfehlungen etwas geändert hätte.

030.32260.64590.968121.29120212022202320242025HarnleiterspiegelungBlasentumor-Abtragung
Stationäre Fälle pro Jahr, Fachabteilung Urologie. Der Knick liegt jeweils im Jahr der Aufnahme in den Hybrid-DRG-Katalog.

Die endoskopische Steinbehandlung fiel von 80.499 auf 45.448 Fälle, die Zahl der eingelegten Harnleiterschienen von 267.669 auf 223.462. Bei der Abtragung von Blasentumoren zeigt sich derselbe Knick ein Jahr später.

Die Erklärung

Zum 1. Januar 2024 wurden die sogenannten Hybrid-DRG eingeführt. Dahinter steht eine einfache Idee: Für bestimmte Eingriffe soll es finanziell keinen Unterschied mehr machen, ob ambulant oder stationär behandelt wird. Damit entfällt der wirtschaftliche Anreiz, jemanden über Nacht dazubehalten.

In der Urologie war die Harnleiterspiegelung der erste betroffene Bereich. Zum 1. Januar 2025 wurde der Katalog erweitert, unter anderem um Operationen an Blasentumoren und am äußeren Genitale. Beide Zeitpunkte lassen sich in den Kurven direkt ablesen.

Die Fälle verschwinden also nicht, sie wandern. Was vorher als stationärer Aufenthalt abgerechnet wurde, findet heute zunehmend ambulant statt und taucht in der Krankenhausstatistik nicht mehr auf.

Was das für die Deutung von Zahlen bedeutet

Für alle, die mit diesen Daten arbeiten: Ein Rückgang stationärer Fallzahlen bedeutet ab 2024 nicht mehr automatisch, dass weniger behandelt wird. Bei den betroffenen Eingriffen ist der Vergleich mit den Vorjahren nicht mehr zulässig. Wer die Gesamtentwicklung eines Verfahrens beschreiben will, braucht zusätzlich die ambulanten Abrechnungsdaten, die aus einer anderen Quelle stammen.

Für unsere eigene Auswertung heißt das: Wir weisen diese vier Reihen getrennt aus und beschreiben Entwicklungen nur dort, wo sie belastbar sind. Bei Eingriffen, die praktisch immer stationär erfolgen, etwa der Blasenentfernung oder der Prostatektomie, ist der Zeitvergleich weiterhin aussagekräftig.

Was daraus folgt

Für Patienten bedeutet die Entwicklung vor allem eines: Eine Harnleiterspiegelung ist heute deutlich häufiger ein Eingriff, nach dem man am selben Tag nach Hause geht. Das ist in vielen Fällen angenehmer, setzt aber voraus, dass die Versorgung danach organisiert ist, also eine erreichbare Ansprechstelle bei Beschwerden und ein klarer Plan für die Nachkontrolle.

Wer stationär bleiben muss, weil Begleiterkrankungen, Komplikationen oder die häusliche Situation es erfordern, kann und soll das weiterhin. Die Hybrid-DRG schreibt keine ambulante Behandlung vor, sie beseitigt nur den finanziellen Unterschied.

Die vollständige Auswertung mit allen Zeitreihen steht unter Urologie in Zahlen.

Quelle: UroWissen.de, unabhängige urologische Patienteninformation. Dieser Ausdruck ersetzt keine ärztliche Beratung.
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