Therapie

ESWL: Steinzertrümmerung von außen, Ablauf und Erfolgsaussichten

Stoßwellenbehandlung bei Nierensteinen: wie sie abläuft, wovon der Erfolg abhängt, was danach normal ist und wann die Harnleiterspiegelung besser passt.
Redaktion: UroWissen
Redaktionell erstellt. Eine fachärztliche Einzelprüfung dieses Beitrags steht noch aus. Zum Medical Board
Erstellt nach Leitlinien von EAU und DGU
Zuletzt überarbeitet: August 2026
In einfachen WortenBei der Stoßwellenbehandlung wird ein Stein von außen durch die Haut zertrümmert, ohne Schnitt und ohne Endoskop. Die Bruchstücke gehen anschließend mit dem Urin ab.Weiterlesen

Ob es gelingt, hängt von Größe, Lage und Härte des Steins ab. Gut geeignet sind Steine bis etwa zwei Zentimeter im Nierenbecken oder im oberen Harnleiter.

Die Behandlung dauert etwa 45 bis 60 Minuten und tut mäßig weh. Danach können Koliken auftreten, wenn die Bruchstücke wandern. Das ist normal und geht vorbei.

Manchmal sind mehrere Sitzungen nötig. Stationär wird die Methode immer seltener eingesetzt, weil endoskopische Verfahren zuverlässiger sind.

Zertrümmern ohne Schnitt

Bei der Stoßwellenbehandlung werden außerhalb des Körpers erzeugte Druckwellen so gebündelt, dass sie sich genau im Stein treffen. Gewebe lassen sie weitgehend unbeschädigt passieren, weil sie erst an Grenzflächen mit starkem Dichteunterschied ihre Energie abgeben. Der Stein zerbricht in Bruchstücke, die anschließend mit dem Urin abgehen sollen.

Behandlungsraum mit Liege, Röntgenbogen und Therapiekopf
Die Anlage für die Stoßwellenbehandlung. Der Kopf unter der Liege erzeugt die Wellen, der Bogen darüber zeigt die Lage des Steins.
Illustration: UroWissen, KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft.

Das Verfahren ist seit den frühen achtziger Jahren im Einsatz und war seinerzeit eine kleine Revolution, weil es die offene Steinoperation weitgehend überflüssig machte. Entwickelt wurde es in Deutschland.

Der Ablauf

Sie liegen auf einem Behandlungstisch, der Stein wird per Röntgen oder Ultraschall eingestellt und der Kopf des Geräts an die Haut angekoppelt. Die Behandlung dauert etwa 45 bis 60 Minuten und umfasst mehrere tausend Stoßwellen, deren Energie langsam gesteigert wird.

Angenehm ist das nicht, aber gut auszuhalten: Üblich sind ein Schmerzmittel und ein leichtes Beruhigungsmittel, eine Vollnarkose ist selten nötig. Die meisten beschreiben ein Klopfen oder Pochen unter der Haut. Anschließend bleiben Sie kurz zur Beobachtung, danach können Sie nach Hause, sollten aber nicht selbst fahren.

Niere im Längsschnitt
Steine entstehen in den Nierenkelchen und im Nierenbecken. Wo genau ein Stein liegt, bestimmt mit, ob die Bruchstücke nach der Zertrümmerung abgehen können.
Illustration: Servier Medical Art, lizenziert unter CC BY 4.0.

Wann sie gut funktioniert und wann nicht

Der Erfolg hängt an drei Faktoren, die vorher bekannt sind. Deshalb lässt sich die Aussicht ziemlich zuverlässig einschätzen.

Die Größe. Bis etwa zwei Zentimeter in der Niere und einem Zentimeter im Harnleiter sind die Ergebnisse gut. Darüber sinkt die Erfolgsrate deutlich.
Die Härte. Die Computertomografie misst die Dichte des Steins. Sehr dichte Steine, etwa aus Calciumoxalat-Monohydrat oder Cystin, widerstehen den Stoßwellen oft.
Die Lage. Steine im unteren Nierenkelch gehen nach der Zertrümmerung schlechter ab, weil die Schwerkraft gegen sie arbeitet.

Nicht durchgeführt wird die Behandlung bei Schwangerschaft, bei nicht behandelter Gerinnungsstörung, bei unbehandeltem Harnwegsinfekt und bei einer Abflussbehinderung unterhalb des Steins, denn dann können die Bruchstücke nicht abgehen.

Die Vorbereitung

Vor dem Termin werden drei Dinge geklärt, die über die Durchführbarkeit entscheiden.

Der Urin muss keimfrei sein. Bei einem bestehenden Infekt wird nicht behandelt, weil die Stoßwellen Bakterien in die Blutbahn schleudern können. Deshalb wird kurz vorher noch einmal untersucht.

Blutverdünner müssen pausiert werden. Anders als bei der Spiegelung ist das hier zwingend, weil die Stoßwellen Blutungen im Nierengewebe verursachen können. Die Pause wird mit dem verordnenden Arzt abgestimmt, keinesfalls eigenmächtig.

Der Abfluss unterhalb des Steins muss frei sein. Sonst können die Bruchstücke nicht abgehen, und der Eingriff bringt nichts. Bei Zweifeln wird vorher eine Harnleiterschiene eingelegt.

Am Behandlungstag kommen Sie in der Regel nüchtern, bringen eine Begleitperson für den Rückweg mit und planen den Tag ohne weitere Verpflichtungen.

Danach

Für einige Tage ist Blut im Urin normal, ebenso ein Ziehen in der Flanke. Wenn Bruchstücke wandern, kann es erneut zu einer Kolik kommen, worauf Sie mit einem Schmerzmittel vorbereitet sein sollten.

Trinken Sie in dieser Phase reichlich und bewegen Sie sich, beides unterstützt den Abgang. Sammeln Sie die Bruchstücke mit einem Sieb, damit sie analysiert werden können.

Melden Sie sich sofort, wenn Fieber oder Schüttelfrost auftreten, wenn die Schmerzen auf die Medikamente nicht ansprechen oder wenn kein Urin mehr kommt. Fieber nach der Behandlung ist immer ein Grund für eine sofortige Vorstellung.

Mögliche Komplikationen

Die häufigste ist die sogenannte Steinstraße: Mehrere Bruchstücke stellen sich hintereinander im Harnleiter auf und blockieren ihn. Sie zeigt sich durch anhaltende Schmerzen und wird je nach Ausmaß beobachtet, geschient oder endoskopisch geräumt.

Blutergüsse in oder um die Niere entstehen selten und bilden sich meist von selbst zurück. Sehr selten sind Verletzungen benachbarter Organe.

Im Vergleich zur Spiegelung

Die Stoßwellenbehandlung braucht keinen Zugang in den Körper, keine Narkose und keine Schiene. Dafür ist die Steinfreiheit nach einer Sitzung geringer, oft sind zwei bis drei Sitzungen nötig, und die Bruchstücke müssen selbst den Weg finden.

Die Harnleiterspiegelung mit Laser erreicht in einer Sitzung deutlich häufiger vollständige Steinfreiheit, ist dafür ein Eingriff in Narkose, meist mit anschließender Schiene. Welches Verfahren besser passt, entscheidet sich an Steingröße, Dichte, Lage und daran, wie schnell das Ergebnis feststehen soll.

Häufige Fragen

Tut die Behandlung weh?

Sie ist unangenehm, aber mit Schmerzmittel und leichter Sedierung gut auszuhalten. Beschrieben wird meist ein Klopfen, das mit steigender Energie stärker wird. Sagen Sie Bescheid, wenn es zu viel wird, die Energie lässt sich anpassen.

Wie oft kann sie wiederholt werden?

In der Regel sind zwei bis drei Sitzungen im Abstand von ein bis zwei Wochen möglich. Bringt auch die dritte keinen Erfolg, wird auf ein anderes Verfahren gewechselt, statt weiter zu zertrümmern.

Bin ich danach sofort steinfrei?

Nein. Die Behandlung zerkleinert den Stein, den Abtransport übernimmt der Körper. Das dauert Tage bis Wochen. Die Kontrolle erfolgt deshalb erst nach einigen Wochen mit Ultraschall oder Röntgen.

90 Kliniken in Deutschlandbehandeln Steine mit der Stoßwelle. Im Klinikfinder sehen Sie, wie oft und wo, auch im Umkreis Ihres Wohnorts.Kliniken finden →
Zahlen dazu: Wir haben die deutschen Klinikdaten ausgewertet, wie stark die Stoßwellentherapie stationär zurückgegangen ist. Zur Auswertung →
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Quellen

Leitlinien

• S2k-Leitlinie Urolithiasis. DGU, AWMF, 2023.

• European Association of Urology. EAU Guidelines on Urolithiasis / Renal Cell Carcinoma. Ausgabe 2024.

Reviews

• Rassweiler, J. J. et al. Shock wave technology and application: an update. European Urology, 2011;59(5):784-796. PMID 21354696

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⚠️ Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer einen Facharzt für Urologie. Die Inhalte wurden sorgfältig auf Basis aktueller Leitlinien und Fachliteratur erstellt, eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität kann nicht übernommen werden. Keine Haftung für Schäden durch Selbstmedikation. Letzte inhaltliche Überarbeitung: August 2026.
Quelle: UroWissen.de, unabhängige urologische Patienteninformation. Dieser Ausdruck ersetzt keine ärztliche Beratung.
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