Die Behandlung dauert Wochen bis Monate und wird über den Säuregrad des Urins gesteuert, den Sie selbst mit Teststreifen messen.
Voraussetzung ist, dass es tatsächlich ein Harnsäurestein ist. Erkennbar ist das in der Computertomografie und an der Steinanalyse.
Für alle anderen Steinarten funktioniert das nicht. Kalziumhaltige Steine lassen sich nicht auflösen.
Die Auflösung braucht Wochen bis Monate. Kommt Fieber dazu, wird nicht weiter abgewartet, dann muss der Urin abgeleitet werden.
Unter allen Harnsteinen gibt es genau eine Sorte, die sich medikamentös auflösen lässt: den Harnsäurestein. Er macht rund ein Zehntel aller Steine aus, und für Betroffene bedeutet das eine Behandlung ganz ohne Eingriff.
Der Grund liegt in der Chemie. Harnsäure ist in saurem Urin schlecht löslich und fällt als Kristall aus. Hebt man den Säuregrad an, geht sie wieder in Lösung, und der Stein wird von außen nach innen kleiner.
Harnsäuresteine sind im Röntgenbild nicht sichtbar, weil sie kein Calcium enthalten. In der Computertomografie erscheinen sie dagegen und lassen sich anhand ihrer geringen Dichte gut von anderen Steinarten unterscheiden. Dazu kommt der Urin-pH-Wert: Er liegt bei Betroffenen fast immer dauerhaft im sauren Bereich.
Ein weiterer Hinweis ist die Vorgeschichte. Häufig bestehen Übergewicht, Diabetes, Gicht oder eine Ernährung mit viel Fleisch. Wurde früher schon ein Stein analysiert, steht die Antwort ohnehin fest.
Das Ziel ist ein Urin-pH-Wert zwischen etwa 6,5 und 7,2. Erreicht wird er mit Citrat- oder Bicarbonat-Präparaten, die über den Tag verteilt eingenommen werden. Bei erhöhter Harnsäure im Blut kommt ein Mittel hinzu, das ihre Bildung hemmt.
Der entscheidende Teil liegt bei Ihnen: Sie messen den pH-Wert selbst, mit Teststreifen, mehrmals täglich, und passen die Dosis nach Anweisung an. Ohne diese Selbstkontrolle funktioniert die Behandlung nicht, weil die nötige Menge individuell sehr unterschiedlich ist.
Dazu gehört eine Trinkmenge, die etwa zweieinhalb Liter Urin am Tag ergibt, sowie eine Ernährung mit weniger Fleisch, Innereien und Alkohol.

Ein kleiner Stein kann sich innerhalb weniger Wochen auflösen, größere brauchen Monate. Kontrolliert wird per Ultraschall oder Computertomografie in Abständen von etwa vier bis acht Wochen.
Verkleinert sich der Stein in dieser Zeit nicht, war die Diagnose falsch oder der pH-Wert wurde nicht erreicht. Beides wird überprüft, bevor weitergemacht wird.
Die Selbstmessung ist der Teil, an dem die Behandlung steht und fällt, und sie ist einfacher, als sie klingt.
Sie brauchen Teststreifen aus der Apotheke, die den Bereich zwischen etwa 5 und 8 abdecken. Gemessen wird im frischen Urin, direkt im Strahl oder in einem Becher, und zwar mehrmals täglich: morgens nach dem Aufstehen, mittags und abends. Der Morgenwert ist meist der niedrigste, weil der Urin über Nacht am stärksten ansäuert.
Notieren Sie die Werte mit Uhrzeit. Aus dem Muster ergibt sich, wie die Einnahme über den Tag verteilt werden muss. Bei vielen liegt die Lücke in der Nacht, dann wird die letzte Dosis nach hinten verschoben oder eine zusätzliche eingeplant.
Der Zielbereich liegt zwischen etwa 6,5 und 7,2. Bleibt der Wert darunter, wird die Dosis in Absprache erhöht. Steigt er darüber, wird sie gesenkt, weil in stark alkalischem Urin andere Kristalle ausfallen.
Die Auflösung braucht Wochen, und in dieser Zeit kann der Stein wandern. Eine Kolik ist deshalb nicht ausgeschlossen und bedeutet nicht, dass die Behandlung nicht wirkt.
Halten Sie ein Schmerzmittel bereit und wissen Sie, wann Sie sich melden müssen: bei Fieber, bei unbeherrschbaren Schmerzen, bei anhaltendem Erbrechen oder wenn kein Urin mehr kommt. In diesen Fällen wird zuerst entlastet, und die Auflösung wird danach fortgesetzt.
Bei einem Stein, der den Abfluss bereits blockiert, wird gar nicht erst mit der Auflösung begonnen. Sie ist eine Behandlung für die ruhige Situation, nicht für den Notfall.
Nicht geeignet ist die Auflösung bei allen anderen Steinarten, insbesondere bei Calciumoxalat, das die Mehrheit ausmacht. Ebenfalls nicht bei einem Stein, der den Abfluss blockiert, denn dann drängt die Zeit, und bei fieberhaftem Infekt schon gar nicht. In diesen Fällen wird zuerst entlastet oder entfernt.
Auch nach erfolgreicher Auflösung geht die Behandlung weiter: Ohne dauerhafte Anhebung des pH-Werts und ohne Ernährungsanpassung bilden sich Harnsäuresteine zuverlässig neu. Die Vorbeugung ist bei dieser Steinart besonders wirksam.
Nein. Zwar wirkt Natriumhydrogencarbonat grundsätzlich alkalisierend, die Dosierung ist aber ohne Messung nicht steuerbar, und die Natriumbelastung ist erheblich, was Blutdruck und Steinbildung ungünstig beeinflusst. Verwendet werden verordnete Citratpräparate mit definierter Dosierung.
Nur Harnsäuresteine. Bei allen anderen Steinarten passiert nichts, und die Zeit geht verloren. Deshalb wird vor Beginn geklärt, um welchen Steintyp es sich handelt, über die Dichte in der Computertomografie oder über eine frühere Steinanalyse.
Leitlinien
• European Association of Urology. EAU Guidelines on Urolithiasis. Ausgabe 2024.
Reviews
• Türk, C. et al. Medical expulsive therapy for ureterolithiasis: the EAU recommendations in 2016. European Urology, 2017;71(4):504-507. doi:10.1016/j.eururo.2016.07.024