Der häufigste Irrtum betrifft Calcium: Es wird oft weggelassen, obwohl zu wenig davon das Risiko erhöht. Calcium bindet Oxalat schon im Darm, dann landet es nicht im Urin.
Reduziert werden sollten Salz und tierisches Eiweiß. Bei Oxalatsteinen zusätzlich Rhabarber, Spinat, Rote Bete, Nüsse und Schwarztee, aber nicht streichen, sondern maßvoll.
Welche Empfehlung passt, hängt von der Steinart ab. Ohne Steinanalyse ist jede Diät geraten.
Bei der Ernährung gegen Nierensteine kursieren mehr Empfehlungen als bei fast jedem anderen urologischen Thema, und viele davon sind falsch oder gelten nur für eine bestimmte Steinart. Deshalb zuerst die drei Maßnahmen, die bei praktisch allen Steinarten wirken.
Entscheidend ist nicht, wie viel Sie trinken, sondern wie viel Urin dabei herauskommt. Das Ziel sind zweieinhalb Liter Urin täglich, wofür je nach Klima, Beruf und Sport zweieinhalb bis drei Liter Trinkmenge nötig sind.
Ebenso wichtig ist die Verteilung: gleichmäßig über den Tag und ausdrücklich auch am Abend, denn die längste Pause ohne Flüssigkeit liegt in der Nacht, und genau dann ist der Urin am stärksten konzentriert. Wer nachts ohnehin einmal aufsteht, kann bei dieser Gelegenheit ein Glas trinken.
Als Faustregel gilt: heller, fast farbloser Urin. Ist er dunkelgelb, war es zu wenig. Geeignet sind Wasser und ungesüßte Tees. Ungünstig sind gezuckerte Limonaden und Colagetränke.

Viel Salz führt dazu, dass die Niere mehr Calcium ausscheidet, und mehr Calcium im Urin bedeutet mehr Steinbildung. Der Effekt ist so ausgeprägt, dass die Salzreduktion bei calciumhaltigen Steinen zu den wirksamsten Maßnahmen überhaupt gehört.
Der größte Teil des Salzes stammt nicht aus dem Salzstreuer, sondern aus verarbeiteten Lebensmitteln: Brot, Wurst, Käse, Fertiggerichte, Snacks. Wer dort ansetzt, erreicht mehr als durch Nachwürzen zu unterlassen.
Weil die meisten Steine Calcium enthalten, liegt der Gedanke nahe, Calcium zu meiden. Das ist ein Fehler, und zwar ein folgenreicher.
Calcium bindet im Darm Oxalat und verhindert dadurch, dass es überhaupt ins Blut und in den Urin gelangt. Fehlt es, steigt die Oxalatausscheidung, und das Steinrisiko wird höher statt niedriger. Empfohlen wird deshalb eine normale Zufuhr von etwa 1000 bis 1200 Milligramm täglich, aus Lebensmitteln und zu den Mahlzeiten, nicht als Nahrungsergänzung zwischendurch.
Nur ein Teil der Steinbildner muss auf Oxalat achten. Wenn ja, geht es um wenige Lebensmittel mit sehr hohem Gehalt: Rhabarber, Spinat, Mangold, Rote Bete, Nüsse, Kakao und schwarzer Tee in großen Mengen.
Ein vollständiger Verzicht ist weder nötig noch sinnvoll. Wirksamer ist es, diese Lebensmittel zusammen mit einer calciumreichen Komponente zu essen, also den Spinat mit Käse oder die Schokolade nach dem Joghurt. Das Calcium bindet das Oxalat bereits im Darm.
Viel tierisches Eiweiß säuert den Urin an, erhöht die Calciumausscheidung und senkt das schützende Citrat. Gemeint ist nicht Verzicht, sondern Maß: etwa eine handtellergroße Portion Fleisch oder Fisch am Tag statt zu jeder Mahlzeit.
Citrat ist der natürliche Gegenspieler der Steinbildung, es bindet Calcium im Urin und hält es in Lösung. Zitronen und Limetten sind die ergiebigste Quelle. Der Saft einer halben Zitrone im Wasser, mehrmals täglich, ist eine einfache und gut belegte Maßnahme.
Im Gegenteil. Eine normale Calciumzufuhr aus Lebensmitteln senkt das Risiko, weil Calcium das Oxalat schon im Darm bindet. Zu wenig Calcium erhöht das Steinrisiko. Anders zu bewerten sind hochdosierte Calciumpräparate zwischen den Mahlzeiten, die sollten Sie besprechen.
Nein. Der harntreibende Effekt lässt sich mit Wasser genauso erreichen, ohne die Nachteile: Alkohol entzieht dem Körper unterm Strich Flüssigkeit, und Bier liefert Purine, aus denen Harnsäure entsteht. Bei Harnsäuresteinen ist es damit sogar ausgesprochen ungünstig.
An der Farbe des Urins: hell bis fast farblos ist das Ziel, dunkelgelb bedeutet zu wenig. Wer es genau wissen will, misst einmal die Urinmenge eines ganzen Tages. Zweieinhalb Liter sind der Zielwert.
Leitlinien
• European Association of Urology. EAU Guidelines on Urolithiasis. Ausgabe 2025.
• Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU). S2k-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Metaphylaxe der Urolithiasis. AWMF-Register-Nr. 043-025.