OAB steht für Overactive Bladder, die überaktive Blase. Definiert ist sie durch plötzlichen, schwer aufschiebbaren Harndrang, meist mit häufigem Wasserlassen am Tag und in der Nacht, mit oder ohne Dranginkontinenz, ohne Harnwegsinfekt oder andere erkennbare Ursache. Sie betrifft etwa jeden sechsten Erwachsenen, Frauen und Männer ähnlich oft, mit dem Alter zunehmend.
Was dahintersteckt: Meist eine Überaktivität des Blasenmuskels, der sich bei geringer Füllung zusammenzieht, oder eine Überempfindlichkeit der Blasenschleimhaut, die eine volle Blase meldet, obwohl sie es nicht ist. Auslöser können Östrogenmangel, Beckenbodenschwäche, Prostatavergrößerung, Diabetes, neurologische Erkrankungen und Gewohnheiten wie vorsorgliches Wasserlassen sein. Ausgeschlossen werden müssen Infekt, Blasenstein und Blasentumor, bei Rauchern und Blut im Urin durch Blasenspiegelung.
Stufentherapie: Erste Stufe: Blasentraining mit schrittweise verlängerten Abständen, Miktionsprotokoll, Trinkmenge auf 1,5 bis 2 Liter verteilt, weniger Koffein und Alkohol, Beckenbodentraining, bei Frauen nach den Wechseljahren lokale Östrogene. Zweite Stufe: Anticholinergika oder Mirabegron, oft kombiniert. Dritte Stufe bei Versagen: Botulinumtoxin-Injektion in den Blasenmuskel, sakrale Neuromodulation oder Stimulation des Schienbeinnervs.
Was realistisch ist: Blasentraining allein bessert die Beschwerden bei etwa der Hälfte deutlich. Medikamente reduzieren Drangepisoden um etwa ein Drittel, werden aber wegen Nebenwirkungen oft abgesetzt. Botulinumtoxin wirkt bei drei von vier Patienten sechs bis neun Monate, die Neuromodulation dauerhaft bei etwa zwei Dritteln. Heilung im engen Sinn ist selten, gute Kontrolle die Regel.