Miktion ist der medizinische Begriff für das Wasserlassen, die Entleerung der Harnblase. Sie ist ein fein abgestimmter Reflex, bei dem sich der Blasenmuskel zusammenzieht, während sich Blasenhals, Schließmuskel und Beckenboden gleichzeitig öffnen, gesteuert von Zentren im Hirnstamm und in der Großhirnrinde, die wir willentlich freigeben oder unterdrücken können.
Normalwerte: Gesunde Erwachsene lassen vier- bis siebenmal am Tag Wasser, in Portionen von 250 bis 500 Millilitern, nachts höchstens einmal, mit einem kräftigen, ununterbrochenen Strahl von über 15 Millilitern pro Sekunde und ohne Restharn. Der erste Harndrang wird bei etwa 150 bis 250 Millilitern gespürt, die Blase fasst 400 bis 600. Abweichungen davon sind Hinweise, aber nicht automatisch krankhaft.
Störungen: Speicherstörungen mit häufigem Drang, Pollakisurie, Nykturie und Dranginkontinenz. Entleerungsstörungen mit schwachem Strahl, Pressen, Unterbrechungen, Nachträufeln und Restharn. Koordinationsstörungen, bei denen sich der Schließmuskel während der Entleerung nicht öffnet (Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie), typisch bei neurologischen Erkrankungen. Und Schmerzen bei der Miktion, die Dysurie. Die Abklärung beginnt mit Miktionsprotokoll, Harnstrahlmessung und Restharn.
Gewohnheiten: Vieles lässt sich durch Verhalten beeinflussen: nicht vorsorglich gehen, weil die Blase sonst kleine Mengen als voll meldet, nicht pressen, im Sitzen oder mit Hocker unter den Füßen entspannt entleeren, Trinkmenge über den Tag verteilen, abends weniger. Blasentraining mit schrittweise verlängerten Abständen hilft bei Drangbeschwerden, Doppelmiktion, also nach kurzer Pause ein zweites Mal Wasser lassen, bei Restharn.