Nephrostomie ist eine Nierenfistel: ein dünner Schlauch, der durch die Haut der Flanke direkt in das Nierenbecken gelegt wird und den Urin nach außen in einen Beutel ableitet. Sie wird gelegt, wenn der Harnabfluss über den Harnleiter versperrt ist und eine Schiene von unten nicht möglich oder nicht ausreichend ist.
Wann: Bei infiziertem Harnstau mit Fieber als schnellste und sicherste Entlastung, bei großen oder eingeklemmten Harnleitersteinen, bei Tumoren, die den Harnleiter von außen verschließen, bei Harnleiterverletzungen nach Operationen, vor einer perkutanen Steinentfernung als Zugang und bei Patienten, bei denen die Harnröhre nicht passierbar ist. In Deutschland werden etwa 18.000 Nephrostomien im Jahr stationär angelegt.
Ablauf: In örtlicher Betäubung, meist in Bauch- oder Seitenlage, unter Ultraschall- und Röntgenkontrolle. Nach der Punktion des Nierenbeckens wird über einen Draht der Schlauch eingeführt, dessen Ende sich im Nierenbecken zu einer Schlaufe einrollt. Der Eingriff dauert 15 bis 30 Minuten. Leichte Blutbeimengungen im Urin sind danach normal, kräftige Blutungen selten.
Leben damit: Der Beutel wird am Bein oder Bauch getragen und regelmäßig entleert, der Verband alle zwei bis drei Tage gewechselt. Duschen ist mit Schutzfolie möglich. Der Schlauch wird je nach Material alle sechs bis zwölf Wochen gewechselt, ambulant in wenigen Minuten. Warnzeichen sind Fieber, nachlassende Urinmenge, Schmerzen und ein herausgerutschter Schlauch, der innerhalb weniger Stunden ersetzt werden muss, weil sich der Kanal schnell schließt.