Zwei Nebenwirkungen sind häufig: Schwindel beim schnellen Aufstehen, vor allem in den ersten Tagen, und ein trockener Orgasmus, bei dem kein Sperma nach außen kommt. Beides bildet sich nach Absetzen zurück.
Nehmen Sie die Tablette abends nach dem Essen. Das mindert den Schwindel.
Wichtig vor einer Augenoperation am grauen Star: Sagen Sie der Augenärztin, dass Sie das Mittel nehmen oder genommen haben, auch wenn es Jahre her ist.
Der dritte Punkt ist keine Nebenwirkung, sondern eine Information, die die Augenärztin braucht: Das Mittel verändert das Verhalten der Regenbogenhaut, auch wenn die Einnahme Jahre zurückliegt.
Tamsulosin gehört zu den Alpha-Blockern und ist das am häufigsten verordnete Medikament bei Beschwerden durch eine vergrößerte Prostata.
Es verkleinert die Prostata nicht. Es entspannt die glatte Muskulatur in Prostata und Blasenhals, die dort einen erheblichen Teil des Widerstands ausmacht. Der Abflussweg wird weiter, der Strahl kräftiger, die Entleerung vollständiger.
Daraus folgt der wichtigste praktische Punkt: Es wirkt schnell. Eine spürbare Besserung tritt innerhalb weniger Tage bis zwei Wochen ein. Wer nach vier Wochen keinen Unterschied merkt, wird ihn auch nach drei Monaten nicht merken, und dann wird gewechselt statt abgewartet.
Üblich ist eine Tablette täglich, etwa eine halbe Stunde nach derselben Mahlzeit, meist abends. Die abendliche Einnahme hat einen Grund: Der Blutdruckabfall und der Schwindel treten dann im Liegen auf und werden kaum bemerkt.
Die Retardtablette wird unzerkaut geschluckt. Teilen oder zerkauen setzt den Wirkstoff auf einmal frei und verstärkt die Nebenwirkungen.
Eine Aufdosierung ist nicht nötig, die übliche Dosis ist zugleich die Anfangsdosis.
Bei einem erheblichen Teil der Anwender kommt beim Orgasmus keine oder deutlich weniger Flüssigkeit. Der Grund ist derselbe Mechanismus, der die Beschwerden bessert: Der entspannte Blasenhals schließt nicht mehr vollständig, und das Ejakulat fließt rückwärts in die Blase, siehe retrograde Ejakulation.
Das ist medizinisch belanglos. Erektionsfähigkeit, Lustempfinden und Orgasmus bleiben unverändert, und nach dem Absetzen bildet es sich zurück. Relevant wird es nur bei bestehendem Kinderwunsch.
Trotzdem ist es der häufigste Grund, warum Männer das Medikament eigenmächtig absetzen, meist ohne es anzusprechen. Wenn es Sie stört, sagen Sie es: Es gibt Alternativen, die die Ejakulation weniger beeinflussen.

Alpha-Blocker erweitern in geringem Maß auch Blutgefäße. Daraus ergeben sich Schwindel beim raschen Aufstehen, gelegentlich Kopfschmerz und eine verstopfte Nase.
Am stärksten ist der Effekt nach der ersten Einnahme. Stehen Sie in den ersten Tagen langsam auf, besonders nachts. Vorsicht ist geboten bei gleichzeitiger Einnahme von Blutdruckmedikamenten und von Potenzmitteln aus der Gruppe der PDE5-Hemmer, weil sich die blutdrucksenkenden Effekte addieren. Beides ist kombinierbar, aber mit zeitlichem Abstand und nach Absprache.
Zwei Kombinationen kommen häufig vor und sind beide handhabbar, wenn man sie kennt.
Mit Blutdruckmedikamenten. Beide senken den Blutdruck, die Effekte addieren sich. Besonders in den ersten Tagen und nach jeder Dosisänderung ist Vorsicht beim Aufstehen geboten. Ein Absetzen ist nicht nötig, wohl aber die Aufmerksamkeit.
Mit Potenzmitteln aus der Gruppe der PDE5-Hemmer. Auch hier addiert sich die blutdrucksenkende Wirkung. Die Kombination ist grundsätzlich möglich und wird sogar gezielt eingesetzt, weil beide Substanzgruppen bei Prostatabeschwerden wirken. Empfohlen werden ein zeitlicher Abstand und ein vorsichtiger Beginn.
Weniger bekannt: Bestimmte Medikamente, die über dasselbe Enzymsystem in der Leber abgebaut werden, können den Tamsulosin-Spiegel erhöhen. Dazu gehören einige Antimykotika und Antibiotika. Legen Sie deshalb bei jeder neuen Verordnung Ihre vollständige Medikamentenliste vor.
Tamsulosin verbessert die Entleerung. Auf häufiges Wasserlassen und plötzlichen Harndrang wirkt es weniger gut, obwohl gerade diese Symptome viele Männer am meisten belasten.
Bestehen sie nach einigen Wochen fort, während der Strahl sich gebessert hat, ist das kein Versagen der Behandlung, sondern ein Hinweis auf eine zusätzliche überaktive Blase. Diese entsteht häufig als Folge der jahrelangen Arbeit des Blasenmuskels gegen den Widerstand.
Behandelt wird sie mit einem zusätzlichen Blasenmedikament, allerdings erst nach Kontrolle des Restharns, weil sonst ein Harnverhalt droht. Diese Kombination ist etabliert und gut untersucht.
Es beeinflusst die Größe der Prostata nicht und verändert den Krankheitsverlauf nicht. Es lindert Beschwerden, solange es genommen wird, und nach dem Absetzen kehren sie zurück.
Bei großer Prostata wird deshalb häufig ein 5-Alpha-Reduktase-Hemmer ergänzt, der über Monate das Volumen verringert und das Risiko eines Harnverhalts senkt. Die Kombination war in Untersuchungen beiden Einzelbehandlungen überlegen.
Anders als der 5-Alpha-Reduktase-Hemmer beeinflusst Tamsulosin den PSA-Wert nicht. Die Krebsfrüherkennung läuft unverändert weiter.
Ja, ein Ausschleichen ist nicht nötig. Die Beschwerden kehren innerhalb weniger Tage bis Wochen zurück. Sprechen Sie das Absetzen trotzdem an, damit über eine Alternative entschieden werden kann, statt unbehandelt weiterzumachen.
Es wird gelegentlich außerhalb der Zulassung bei Frauen mit Entleerungsstörungen eingesetzt, ebenso bei Männern und Frauen zur Unterstützung des Steinabgangs, siehe medikamentöse Expulsivtherapie. Die Zulassung besteht für die Prostatabeschwerden des Mannes.
Dann wird nach vier bis sechs Wochen umgestellt, nicht länger abgewartet. Möglich sind ein anderer Alpha-Blocker, die Ergänzung eines 5-Alpha-Reduktase-Hemmers oder, bei Drangbeschwerden im Vordergrund, ein Blasenmedikament nach Restharnkontrolle.
Leitlinien
• European Association of Urology (EAU). Guidelines on the Management of Non-neurogenic Male LUTS, incl. Benign Prostatic Obstruction. EAU, 2025.
• Deutsche Gesellschaft für Urologie. S2e-Leitlinie Therapie des Benignen Prostatasyndroms. AWMF-Registernummer 043-035.