Der erste Schritt ist einfach: ein Spermiogramm. Es ist schnell, schmerzlos und beantwortet die Grundfrage.
Auffällige Werte bedeuten nicht Unfruchtbarkeit. Sie schwanken stark, deshalb wird bei einem auffälligen Befund nach einigen Wochen erneut untersucht.
Viele Ursachen lassen sich behandeln, von Hormonstörungen über Krampfadern am Hoden bis zu Medikamenten. Auch Rauchen, Übergewicht und Hitze spielen eine Rolle.
Etwa jedes sechste Paar bleibt trotz regelmäßigem Verkehr über ein Jahr ungewollt kinderlos. Bei etwa der Hälfte dieser Paare liegt eine Ursache beim Mann vor, entweder allein oder gemeinsam mit der Partnerin.
Trotzdem beginnt die Abklärung häufig einseitig bei der Frau, mit aufwendigen Untersuchungen, während der Mann erst Monate später untersucht wird. Das ist aus zwei Gründen unlogisch: Die männliche Abklärung ist einfacher, schneller und deutlich weniger belastend, und ihr Ergebnis verändert das weitere Vorgehen erheblich.
Beurteilt werden vor allem vier Werte: das Volumen des Ejakulats, die Zahl der Spermien pro Milliliter, ihr Anteil an vorwärts beweglichen Zellen und der Anteil normal geformter Spermien.
Die Referenzwerte der Weltgesundheitsorganisation sind keine Grenze zwischen fruchtbar und unfruchtbar. Sie beschreiben, welche Werte die unteren fünf Prozent von Männern erreichten, deren Partnerin innerhalb eines Jahres schwanger wurde. Ein Wert knapp darunter bedeutet also nicht Unfruchtbarkeit, sondern eine verringerte Wahrscheinlichkeit pro Zyklus.
Wichtig ist außerdem: Ein einzelnes Spermiogramm sagt wenig. Die Werte schwanken erheblich, unter anderem nach Infekten, Fieber und Belastung. Deshalb werden zwei Untersuchungen im Abstand von mehreren Wochen durchgeführt, jeweils nach zwei bis sieben Tagen Enthaltsamkeit. Mehr dazu unter Spermiogramm.

Zum Spermiogramm kommen Gespräch, körperliche Untersuchung mit Beurteilung von Hodenvolumen und Samensträngen, Ultraschall der Hoden und die Hormonwerte FSH, LH und Testosteron.
Der FSH-Wert ist dabei besonders aussagekräftig: Ist er erhöht, spricht das für eine Bildungsstörung im Hoden selbst. Ist er niedrig bei niedrigem Testosteron, liegt die Störung übergeordnet in der Hirnanhangsdrüse, und dann ist sie oft gut behandelbar.
Bei sehr niedrigen Werten oder fehlenden Spermien folgt eine genetische Untersuchung, weil das Ergebnis sowohl die Aussichten einer Spermiengewinnung als auch die Beratung zu möglichen Folgen für ein Kind beeinflusst.
An erster Stelle steht, was Sie selbst beeinflussen: Rauchstopp, Gewichtsreduktion, Verzicht auf Anabolika, ausreichend Schlaf, Vermeidung dauerhafter Hitze. Diese Maßnahmen wirken über Monate, weil die Reifung einer Samenzelle etwa zweieinhalb Monate dauert.
Eine Varikozele wird bei auffälligem Spermiogramm und Kinderwunsch behandelt, siehe Varikozelektomie. Hormonelle Störungen der übergeordneten Steuerung werden gezielt behandelt, oft mit gutem Erfolg.
Reicht das nicht, kommen reproduktionsmedizinische Verfahren infrage, von der Insemination über die künstliche Befruchtung bis zur Injektion einer einzelnen Samenzelle in die Eizelle. Fehlen Spermien im Ejakulat vollständig, lassen sie sich häufig direkt aus dem Hoden gewinnen, siehe TESE.
Ein Punkt, der im Gespräch oft fehlt: Die Erfolgsaussichten hängen erheblich vom Alter der Partnerin ab, und zwar stärker als vom Alter des Mannes. Ab Mitte dreißig sinkt die Wahrscheinlichkeit pro Zyklus deutlich, ab vierzig noch einmal stärker.
Das ist kein Grund zur Eile um jeden Preis, aber ein Grund, die Abklärung nicht über Jahre hinauszuzögern. Empfohlen wird sie nach zwölf Monaten ohne Schwangerschaft, bei einer Partnerin über fünfunddreißig bereits nach sechs.
Die Datenlage zu Zink, Selen, Vitamin E und ähnlichen Präparaten ist schwach und uneinheitlich. Bei nachgewiesenem Mangel ist der Ausgleich sinnvoll, als allgemeine Maßnahme ist der Nutzen nicht belegt. Deutlich besser belegt sind Rauchstopp und Gewichtsreduktion.
Dauerhafte Wärme beeinträchtigt die Spermienbildung, weil der Hoden es zwei bis drei Grad kühler braucht. Relevant sind eher berufliche Hitzeexposition, langes Sitzen mit Laptop auf dem Schoß und beheizte Autositze als gelegentliche Saunabesuche. Ein Effekt einzelner Saunagänge ist nicht belegt.
Alle zwei bis drei Tage über den ganzen Zyklus verteilt. Das ist wirksamer als das Timing auf den vermuteten Eisprung, weil Spermien mehrere Tage überleben und die Terminplanung Druck erzeugt. Sehr lange Enthaltsamkeit verbessert die Qualität nicht, sondern verschlechtert sie eher.
Leitlinien
• European Association of Urology. EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health. Ausgabe 2025.
• Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) et al. S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie vor einer assistierten reproduktionsmedizinischen Behandlung. AWMF-Register-Nr. 015-085.