Sie ist der Grund, warum Hodenkrebs auch mit Metastasen meist heilbar ist. Selbst bei ausgedehntem Befall werden die meisten Männer dauerhaft gesund.
Die Nebenwirkungen sind erheblich, aber überwiegend vorübergehend: Übelkeit, Haarausfall, Erschöpfung, Infektanfälligkeit.
Eine Nebenwirkung ist besonders im Auge zu behalten: Ein Wirkstoff kann die Lunge schädigen. Neuer Husten oder Luftnot sollten sofort gemeldet werden, auch Monate später.
BEP steht für die Kombination aus Bleomycin, Etoposid und Cisplatin. Seit den achtziger Jahren ist sie die Standardbehandlung beim fortgeschrittenen Hodenkrebs und hat eine zuvor tödliche Erkrankung in eine überwiegend heilbare verwandelt.
Die Zahlen sind für die Onkologie außergewöhnlich: Selbst im metastasierten Stadium liegt die Heilungsrate je nach Risikogruppe zwischen über 90 Prozent in der günstigen und etwa 50 Prozent in der ungünstigen Gruppe. Deshalb wird diese Behandlung mit besonderer Konsequenz durchgeführt.
Ein Zyklus dauert drei Wochen. In den ersten fünf Tagen werden Etoposid und Cisplatin als Infusion gegeben, Bleomycin zusätzlich an drei Tagen des Zyklus. Danach folgen etwa zwei Wochen Pause, in denen sich das Knochenmark erholt.
Die Zahl der Zyklen richtet sich nach der Risikogruppe, meist drei oder vier. Der erste Zyklus erfolgt in der Regel stationär, die weiteren häufig teilstationär oder ambulant.

Cisplatin ist der wirksamste Bestandteil und zugleich der belastendste. Es kann die Nieren schädigen, weshalb vor und nach der Gabe große Mengen Flüssigkeit infundiert werden. Es verursacht Übelkeit, die heute gut zu unterdrücken ist, und es kann das Gehör schädigen, meist zuerst im hohen Frequenzbereich.
Etoposid belastet vor allem das Knochenmark, wodurch weiße Blutkörperchen und Blutplättchen abfallen.
Bleomycin hat eine besondere Nebenwirkung, die es von allen anderen unterscheidet: Es kann die Lunge schädigen und dort zu einer Vernarbung führen. Deshalb wird die Lungenfunktion vor Beginn und im Verlauf gemessen, und deshalb gelten für Betroffene dauerhaft besondere Regeln.
Diese beiden Punkte gehören zu den wichtigsten Informationen, die Sie aus der Behandlung mitnehmen, und sie werden regelmäßig vergessen.
Sauerstoff. Hohe Sauerstoffkonzentrationen, etwa bei einer Narkose, können bei mit Bleomycin behandelten Menschen eine Lungenschädigung auslösen. Sagen Sie jedem Anästhesisten, dass Sie Bleomycin erhalten haben, auch Jahrzehnte später und auch bei einer kleinen Operation.
Tauchen. Vom Gerätetauchen wird nach einer Bleomycin-Therapie dauerhaft abgeraten, aus demselben Grund.
Lassen Sie sich einen Behandlungsausweis geben und tragen Sie ihn bei sich. Bei Atemnot, trockenem Husten oder nachlassender Belastbarkeit während oder nach der Therapie melden Sie sich umgehend.
Die Chemotherapie beeinträchtigt die Samenbildung erheblich. Bei einem Teil erholt sie sich innerhalb von zwei bis fünf Jahren, bei einem anderen Teil nicht vollständig.
Deshalb gilt ohne Ausnahme: Die Samenkonservierung erfolgt vor dem ersten Zyklus. Sie ist unkompliziert, dauert wenige Tage und ist die einzige Absicherung, die es gibt. Auch wenn aktuell kein Kinderwunsch besteht, ist sie sinnvoll, weil sich Lebensumstände ändern.
Während und für einige Monate nach der Behandlung ist eine zuverlässige Verhütung nötig.
Sie richtet sich nach Stadium und Ansprechen und umfasst Tumormarker, Bildgebung und körperliche Untersuchung, engmaschig in den ersten Jahren, danach in größeren Abständen.
Hinzu kommt die Nachsorge der Spätfolgen, die bei dieser jungen Patientengruppe besonders zählt: Nierenfunktion, Gehör, Nervenempfindungen in Händen und Füßen, Lungenfunktion, Blutdruck, Blutfette und der Testosteronwert. Auch das Risiko für Herzkreislauferkrankungen und Zweittumoren ist langfristig erhöht.
Das klingt nach viel und ist es auch. Es ist der Preis einer Behandlung, die in den meisten Fällen heilt.
Ja, in aller Regel vollständig, meist ab der zweiten bis dritten Woche. Sie wachsen nach Abschluss der Behandlung innerhalb weniger Monate wieder nach, manchmal mit veränderter Struktur. Eine Perücke wird auf Verordnung anteilig von der Kasse übernommen.
In den Behandlungswochen meist nicht, in den Erholungsphasen manchmal eingeschränkt. Rechnen Sie insgesamt mit mehreren Monaten Ausfall. Wichtiger als die Rückkehr an den Arbeitsplatz ist in dieser Zeit die Einhaltung des Zeitplans.
Restbefunde sind häufig und bedeuten nicht, dass die Behandlung versagt hat. Sie können aus Narbengewebe oder aus gutartig umgewandeltem Tumorgewebe bestehen. Bei Nichtseminomen werden Restbefunde ab einer bestimmten Größe operativ entfernt, weil sich darin noch Tumorzellen befinden können.
Leitlinien
• Leitlinienprogramm Onkologie. S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Keimzelltumoren des Hodens. AWMF-Registernummer 043-049OL.
• European Association of Urology. EAU Guidelines on Testicular Cancer. Ausgabe 2024.
Reviews
• Oldenburg, J. et al. Testicular seminoma and non-seminoma: ESMO-EURACAN Clinical Practice Guideline. Annals of Oncology, 2022;33(4):362-375. PMID 35065204