Bei Krebsverdacht läuft der Schnitt über die Leiste, nicht über den Hodensack. Das hat einen Grund: Über den Hodensack könnten Tumorzellen in andere Lymphbahnen gelangen.
Ein Hoden reicht für Hormonhaushalt und Zeugungsfähigkeit in aller Regel aus. Trotzdem sollte vor dem Eingriff über das Einfrieren von Samenzellen gesprochen werden.
Eine Hodenprothese kann eingesetzt werden, sofort oder später. Das ist eine persönliche Entscheidung, keine medizinische.
Bei Verdacht auf Hodenkrebs wird der betroffene Hoden entfernt. Diese Operation ist zugleich der letzte diagnostische und der erste therapeutische Schritt: Erst die Untersuchung des entnommenen Gewebes sagt sicher, ob und um welchen Tumor es sich handelt.
Der Zugang erfolgt über einen Schnitt in der Leiste, nicht über den Hodensack. Das ist kein Detail, sondern entscheidend, und der Grund dafür ist der wichtigste Satz dieses Artikels.
Drei Dinge sollten vorher erledigt sein, und alle drei sind zeitkritisch.
Die Tumormarker im Blut. AFP, beta-HCG und LDH werden vor der Operation bestimmt, weil ihr Abfall danach die Beurteilung ermöglicht, ob noch Tumorgewebe im Körper ist.
Die Samenkonservierung. Sie sollte vor der Operation angeboten und, wenn gewünscht, durchgeführt werden. Auch wenn der zweite Hoden gesund ist, kann eine spätere Chemo- oder Strahlentherapie die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Dieses Gespräch gehört in jedem Alter geführt, in dem Kinderwunsch denkbar ist. Mehr dazu unter Fruchtbarkeit des Mannes.
Die Frage nach einer Prothese. Eine Silikonprothese kann im selben Eingriff oder später eingesetzt werden. Viele Männer entscheiden sich zunächst dagegen und später doch dafür, beides ist möglich.

Über einen etwa fünf bis acht Zentimeter langen Schnitt in der Leiste wird der Samenstrang aufgesucht und zunächst abgeklemmt, bevor der Hoden bewegt wird. Auch das dient dazu, eine Verschleppung von Tumorzellen zu vermeiden.
Anschließend wird der Hoden aus dem Hodensack nach oben in die Wunde gezogen und der Samenstrang möglichst weit oben durchtrennt. Der Eingriff dauert etwa dreißig bis sechzig Minuten, meist in Vollnarkose, und der Aufenthalt beträgt ein bis zwei Tage.
Bei unklarem Befund kann während der Operation eine Schnellschnittuntersuchung erfolgen. Ergibt sie einen gutartigen Befund, lässt sich der Hoden in geeigneten Fällen erhalten.
Schwellung und Bluterguss im Hodensack sind normal und bilden sich über zwei bis drei Wochen zurück. Ein enganliegender Slip oder eine Suspensorium-Hose lindert das Ziehen deutlich.
Für zwei bis drei Wochen sollten Sie schweres Heben und Sport meiden, danach wird schrittweise gesteigert. Geschlechtsverkehr ist nach etwa zwei bis drei Wochen wieder möglich.
Das Ergebnis der Gewebeuntersuchung liegt nach etwa einer Woche vor. Es bestimmt alles Weitere: die Tumorart, das Stadium und die Frage, ob eine Nachbehandlung nötig ist.
Ein gesunder Hoden produziert in aller Regel genug Testosteron und genug Samenzellen. Die meisten Männer brauchen keine Hormonbehandlung und bleiben zeugungsfähig.
Kontrolliert wird der Testosteronwert dennoch, meist einige Monate nach der Operation, weil ein Teil der Betroffenen schon vorher eine eingeschränkte Hodenfunktion hatte. Zeichen eines Mangels sind Antriebslosigkeit, Libidoverlust und Erschöpfung, siehe Testosteronmangel.
In besonderen Situationen wird nicht der ganze Hoden entfernt, sondern nur der Tumor: bei Tumoren in einem Einzelhoden, bei gleichzeitigem Befall beider Hoden und bei kleinen, zufällig entdeckten Tumoren unter etwa zwei Zentimetern, bei denen ein gutartiger Befund wahrscheinlich ist. Etwa ein Viertel bis ein Drittel der kleinen, nicht tastbaren Hodentumoren, die im Ultraschall auffallen, sind gutartig, etwa Leydig-Zell-Tumoren oder Zysten. Für sie wäre die Entfernung des ganzen Hodens eine Übertherapie.
Die organerhaltende Operation erfolgt ebenfalls über die Leiste, unter Abklemmung der Gefäße und mit Schnellschnittuntersuchung während der Operation: Der Pathologe beurteilt das Gewebe innerhalb von 20 Minuten, und je nach Ergebnis wird der Hoden erhalten oder doch entfernt. Bei bösartigem Befund in einem Einzelhoden wird der Resthoden anschließend niedrig dosiert bestrahlt, um Vorstufen zu beseitigen, was die Hormonproduktion erhält, aber die Fruchtbarkeit beendet. Diese Eingriffe gehören in Zentren mit Erfahrung in der Hodentumorchirurgie.
Eine Prothese aus weichem Silikon kann im selben Eingriff oder später eingesetzt werden. Sie wird über den Leistenschnitt in den Hodensack geschoben und am unteren Pol fixiert. Die Größe wird an den verbleibenden Hoden angepasst, es gibt vier bis fünf Größen. Etwa die Hälfte der Männer entscheidet sich dafür, die andere Hälfte verzichtet, und beide Entscheidungen sind richtig.
Was man wissen sollte: Die Prothese fühlt sich etwas fester an als ein Hoden und liegt manchmal etwas höher. Sie ist unter Kleidung und im Schwimmbad nicht zu unterscheiden. Komplikationen sind selten: Infektion bei ein bis zwei Prozent, die eine Entfernung erfordert, Verschiebung nach oben, Schmerzen oder Kapselbildung. Wer sich zunächst dagegen entscheidet, kann die Prothese jederzeit nachträglich in einem kurzen Eingriff einsetzen lassen; die Kosten übernimmt die Krankenkasse. Jugendliche und junge Männer sollten vor der Operation darauf angesprochen werden, weil der Wunsch nach der Prothese oft erst Monate später entsteht, wenn der Krebs überstanden ist.
In aller Regel nicht. Erektionsfähigkeit, Lustempfinden und Orgasmus bleiben erhalten, sofern der Testosteronspiegel normal ist. Belastender ist für viele die seelische Seite, besonders das veränderte Körperbild. Darüber zu sprechen ist kein Nebenthema, und eine Prothese ist eine ernstzunehmende Option.
Sie besteht aus Silikon, wird in Größe und Form dem verbliebenen Hoden angepasst und liegt frei im Hodensack. Sie fühlt sich etwas fester an als ein natürlicher Hoden. Der Eingriff ist klein und kann Monate oder Jahre später erfolgen, wenn Sie sich zunächst dagegen entscheiden.
Leitlinien
• Leitlinienprogramm Onkologie. S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Keimzelltumoren des Hodens. AWMF-Registernummer 043-049OL.
Reviews
• Oldenburg, J. et al. Testicular seminoma and non-seminoma: ESMO-EURACAN Clinical Practice Guideline. Annals of Oncology, 2022;33(4):362-375. PMID 35065204